VW Golf GTI: Ausgewogenheit als große Stärke

Zwei Leistungsvarianten im Angebot

Der neue VW Golf GTI
Der neue VW Golf GTi ist in zwei Leistungsstufen zu bekommen. © VW

Im Mai kommt der neue VW Golf GTI auf den Markt. Die Fans des Kompaktsportlers können sich freuen. Der Neue sorgt für eine Menge Spaß, wie unser Fahrbericht zeigt.

Von Frank Mertens

Manchmal kann ein Blick zurück ganz interessant sein. Beispielsweise ins Jahr 1976. Es war das Jahr, in dem Volkswagen die erste Generation des Golf GTI auf den Markt schickte. Damals ahnte niemand, welchen Erfolg der auf Sportlichkeit getrimmte Kompaktwagen haben sollte. Was als Nischenmodell geplant war, hat sich zu einem Verkaufsschlager für Europas größten Autobauer entwickelt. In den 37 Jahren seit dem Marktstart haben sich fast 1,9 Millionen Kunden für den Golf GTI entschieden – und begeistern lassen.

Während der UR-GTI 1976 mit damals beachtlichen 110 PS unterwegs war, ist die Leistung bei der siebten Generation mittlerweile locker auf das Doppelte gestiegen. Wenn der neue Golf GTI im Mai zu einem Preis von 28.350 Euro den Händlern rollt, sorgt der neue 2.0 Liter-Turbomotor für eine Leistung von 220 PS, das sind 10 PS mehr als beim Vorgängermodell.

Golf GTI auch als Performance-Variante

Da man immer mehr Leistung gebrauchen kann und die besonders sportlich ambitionierten Kunden danach offensichtlich verlangen, bietet VW den GTI auch noch als Performance-Variante mit 230 PS an. Dafür muss man dann indes 1125 Euro mehr bezahlen, bekommt dafür auch größere Bremsscheiben mit rot lackierten Bremssätteln und vor allem eine Vorderachs-Differenzialsperre für ein noch besseres Lenkgefühl und vor allem eine noch bessere Fahrdynamik.

Der 2.0 TSI-Motor im Golf GTI
Der 2.0 TSI leistet 220 oder 230 PS im VW Golf GTI VW

Die Wolfsburger verkünden stolz, dass man der einzige Hersteller sei, der eine elektronisch geregelte Differenzialsperre in einem Serienfahrzeug zum Einsatz bringt. Doch wer beide Fahrzeuge im direkten Vergleich fährt, wird diesen Unterschied als Durchschnittsfahrer kaum wahrnehmen.

Denn bereits der "normale" GTI bietet ein Höchstmaß an Fahrdynamik – und im direkten Vergleich der Fahrleistungen nehmen sich die beiden sportlichen Kompakten ohnehin nichts. Während der eine in 6,5 Sekunden Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 246 km/h erreicht, sind es bei dem anderen 6,4 Sekunden und 250 km/h. Das sind Marginalien. Wobei, zugebenermaßen, für sportlich orientierte Kunden derartige Dinge doch den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen.

Verbrauch knapp unter zehn Litern

Dass der neue GTI dabei trotz eines tadellos funktionierenden Start-Stopp-Systems weit von dem versprochenen Durchschnittsverbrauch von sechs Litern (CO2-Wert 139 g/km) entfernt bleibt, dürfte dieses Klientel dann auch weniger interessieren. Nach den flotten Testfahrten zeigte der Bordcomputer am Ende 9,7 Liter an. Vergleicht man diesen Verbrauchswert von sechs Litern übrigens mit dem Vorgängermodell, dann ist der neue GTI um 1,3 Liter sparsamer geworden.

VW Golf GTI
Seitenline des neuen Golf GTI VW

Doch wer sich für einen Golf GTI entscheidet, der tut dies nicht wegen eines niedrigen Verbrauchs. Er will Fahrspaß – und den liefert der Neue seinem Fahrer. Da ist zunächst einmal das maximale Drehmoment von 350 Nm, das zwischen 1500 und 4400 Umdrehungen anliegt und für einen ausgesprochen kraftvollen Antritt sorgt. Dabei verrichtet der TSI-Motor im GTI insbesondere im Zusammenspiel mit dem optionalen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis 1900 Euro) einen hervorragenden Job. Und? Ist das DSG sein Geld wert? Auf jeden Fall, auch wenn das serienmäßig verbaute manuelle Sechsganggetriebe einen sehr guten Eindruck hinterlässt, passt diese Motor-Getriebekombination einfach noch besser zum sportlichen Auftritt des Wolfsburger Bestsellers.

Überzeugende Fahrdynamik

Seine Stärken spielt der GTI vor allem auf kurvigen Strecken aus. Hier ist es eine wahre Freude, den 1,4 Tonnen schweren Kompakten um die Kurven zu jagen. Seine Fahrdynamik sorgt selbst beim abgeklärtesten Fahrer für ein Lächeln auf dem Gesicht. Verantwortlich dafür ist die Progressivlenkung (sie sorgt für geringere Lenkbewegungen) und die serienmäßig verbaute Differenzialsperre XDS+, die durch für den Fahrer nicht wahrnehmbare Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern beider Achsen den Lenkwinkelbedarf verringert. Dadurch ermöglicht das System auf den unterschiedlichsten Fahrbahnbelägen ein Optimum an Agilität.

Das Heck des neuen VW Golf GTI
Das Heck des VW Golf GTI VW

Gesteigert werden kann das noch durch die optional erhältliche adapative Fahrwerksregelung DCC (Aufpreis 990), die den Fahrer neben einer um 10 mm abgesenkten Karosserie die Wahl zwischen den drei Modi, Normal, Comfort und Sport ermöglicht. Wählt man über den Touchscreen in der Mittelkonsole den Sportmodus, lässt es sich mit dem GTI noch flotter unterwegs sein. Doch man kann es mit dem neuen GTI auch gemächlicher angehen lassen – und ausgesprochen komfortabel. Damit ist der Neue ein Alleskönner, der sowohl im Alltag als auch (wer es mag) auf der Rennstrecke eine gute Figur abgibt.

Damit auch die Sicherheit nicht zu kurz kommt, kann der GTI wie auch beim normalen Golf mit einer Vielzahl von Fahrassistenzsystemen ausgestattet werden. So kann die automatische Distanzregelung ACC mit City-Notbremsfunktion für akzeptable 555 Euro geordert werden, der aktive Spurhalteassistent ist für 550 Euro zu haben und der Parklenkassistent steht mit 200 Euro in der Preisliste. Wer sich am Ende noch für andere Nettigkeiten wie zwei hintere Türen (900 Euro) oder das gut funktionierende Navigationssystem "Discover Pro" (2315 Euro) entscheidet, kommt locker auf 35.000 Euro. Doch dafür kann man 37 Jahre nach dem Marktstart der ersten GTI-Generation auch in einem rundum überzeugenden Auto vom Hof des Händlers fahren.