14. Dezember 2015

Fahrbericht Hochdachkombi mit Erdgasantrieb VW Caddy 1.4 TGI: Wenn nicht jetzt, wann dann

Der VW Caddy überzeugt mit Erdgasantrieb. Fotos ▶
Der VW Caddy überzeugt mit Erdgasantrieb. © AG/Flehmer

Mit Diesel- und Benzinmotoren steht der Volkswagen-Konzern stark in der Kritik. Der neue Caddy mit Erdgasantrieb sollte gerade jetzt mehr Chancen erhalten als früher – es lohnt sich, wie unser Fahrbericht unterstreicht.




Von Thomas Flehmer

Volkswagen produziert seit September kontinuierlich negative Schlagzeilen aufgrund der Betrügereien bei den Abgaswerten von Fahrzeugen mit Diesel- und Benzinmotoren. Höchste Zeit, sich bei Erdgas umzuschauen. Doch auch abseits des Abgasskandals lohnt sich der Griff ins CNG-Regal, wie der Caddy 1.4 TGI eindrucksvoll unter Beweis stellt.


Erdgas-Caddy erstmals mit Turbo-Unterstützung

Die vierte Generation des leichten Nutzfahrzeugs, das als Kombi natürlich auch sehr gut als Personentransporter fungieren kann, hat den Ecofuel der dritten Auflage nicht nur namenstechnisch abgelöst. Erstmals fungiert im Erdgasbetrieb ein Turbo, sodass sich der CNG-Antrieb nicht hinter dem reinen Benzinantrieb verstecken muss. Zwar fühlt sich der Caddy im Erdgasbetrieb immer noch etwas lahmer an, als wenn auf Benzin umgeschaltet wurde, aber diese Gefühle sind zu vernachlässigen. Denn 12,9 Sekunden Sprintvermögen mit Turbo-Erdgas sind für den 81 kW/110 PS starken Caddy nicht zu verachten. Und 174 km/h reichen als Höchstgeschwindigkeit für längere Reisen auch vollkommen aus.

Die Reisen sollten sorgfältig geplant werden, auch wenn 900 Erdgas-Zapfsäulen die Republik flächendeckend abdecken. Zahlreiche Autohöfe bieten das CNG an. Der Tankvorgang selbst ähnelt dem Befüllen von Benzintanks. Wer zum ersten Mal den 37 Kilogramm fassenden Tank befüllt, wird mit präzisen Beschreibungen an der Zapfsäule gut begleitet. 7,1 Kilogramm benötigte der Caddy im dichten Stadtverkehr. Damit beläuft sich der Caddy auf 7,81 Euro Kraftstoffkosten für 100 Kilometer. Angegeben sind 5,1 Kilogramm, im Drittelmix sollen es 4,1 Kilogramm sein.

VW Caddy 1.4 TGI 1500 Euro teurer als Dieselmodell

Der Erdgas-Caddy rechnet sich auch trotz gesunkener Spritpreise
Der Erdgas-Caddy rechnet sich auch trotz gesunkener Spritpreise © AG/Flehmer

Aber der Alltag ist zäher als das reine Messen auf dem Rollenprüfstand. Da auch bei den anderen Kraftstoffarten die realen Werte meist höher als angegeben liegen, bleibt das Erdgasauto im realen Betrieb weiterhin günstiger als Benziner oder Diesel, auch wenn dort die Literpreise in den letzten Wochen zum Teil sehr stark gesunken sind.

Denn der mindestens 23.425 Euro teure Caddy 1.4 TGI ist 1500 Euro teurer als der vergleichbare Diesel und 2500 Euro teurer als der vergleichbare Benziner. Durch die günstigeren Kraftstoffkosten gleicht sich der höhere Aufpreis nach einiger Zeit aus und man fährt von da an in der Gewinnzone. Den Zeitpunkt entscheidet der rechte Fuß, ob das früher oder später passiert.

VW Caddy mit Notbremsassistenten an Bord

Das Cockpit wurde dem neuen VW-Design angepasst
Das Cockpit wurde dem neuen VW-Design angepasst © AG/Flehmer

Zumeist ist es früher. Denn wer sich für ein Erdgasauto entscheidet, hat auch häufig eine vorausschauende Fahrweise im Gepäck, die sich nicht nur danach richtet, wann die nächste Erdgastanke günstig angesteuert werden kann. Und in ein paar Jahren könnte er fast CO2-emissionsfrei unterwegs sein, wenn das Gas aus Abfällen in Bio-Gas umgewandelt wird.

Dann fährt das grüne Gewissen im Innenraum noch viel lieber mit. Das Cockpit ist – wie bei den Benzinern und Dieseln natürlich auch, in die Moderne von Volkswagen geführt worden. Auch die Nutzfahrzeugsparte hat kräftig bei den diversen Querbaukästen des Konzerns zugegriffen, sodass die Sicherheit dank diverser Fahrassistenzsysteme ebenso in die Höhe getrieben werden kann wie beim Infotainment. Zwar hat der Caddy nur vier Sterne beim EuroNCAP-Crashtest erhalten, was nicht unüblich ist im Segment der Hochdachkombis, erhielt aber ein besonderes Lob dafür, dass der Caddy bereits einen Notbremsassistenten an Bord hat, was in dem Segment unüblich ist.

Praktische Ablagen im VW Caddy

Der VW Caddy verfügt über Platz en masse
Der VW Caddy verfügt über Platz en masse © AG/Flehmer

Zudem verschönert das großzügige Platzangebot auf den insgesamt 4,87 Metern Länge für bis zu fünf Insassen und Gepäck – zwischen 1350 und 3880 Liter Volumen stehen zur Verfügung – sowie zahlreiche Ablagen inklusive „Dachgalerie“ den Aufenthalt an Bord. Und selbst die etwas raueren Motorgeräusche im Erdgasbetrieb können die Wohlfühlgefühle nicht schmälern, sodass auch längere Fahrten positive Schlagzeilen produzieren – wenn nicht jetzt, wann dann?






Mehr zur Marke VW

Größter Wachstumsmarkt für ElektroautosChina öffnet VW Weg in die Elektromobilität

Volkswagen kann auf dem chinesischen Markt groß in die Elektromobilität investieren. Eine chinesische Behörde genehmigte das mit dem chinesischen Hersteller Jianghuai gemeinsame Projekt zur Herstellung günstiger Elektroautos.


Studie am WörtherseeVW Up macht auf GTI

Sportliche Studien sind beim GTI-Treffen am Wörthersee Tradition. Doch die sportliche Variante des VW Up wird im kommenden Jahr sogar ganz real vom Band laufen.


Für Fahrzeuge mit Dreiliter-MotorUS-Richter stimmt Vergleich im Dieselskandal zu

Bundesrichter Charles Breyer hat dem Vergleich für die rund 80.000 vom Dieselskandal in den USA betroffenen Fahrzeuge mit Dreiliter-Motor zugestimmt. Damit ist der VW-Konzern bei der Aufarbeitung des Dieselskandals einen wichtigen Schritt vorangekommen.



Mehr aus dem Ressort

Volvo XC60
Marktstart im JuliVolvo XC60: Neues Ärgernis für Audi und Co.

Wer sorgt bei den Mittelklasse-SUVs in Europa für eine Erfolgsgeschichte? BMW? Audi? Mercedes? Nein, es ist Volvo mit dem XC60. Nun bringen die Schweden die neue Generation ihres Bestsellers auf den Markt.


Für ein Jahr gibt es den Jaguar F-Type als 400 Sport
Dezentes FaceliftJaguar F-Type 400 Sport: Traumwagen auf Zeitreise

Jaguar hat den F-Type sehr dezent überarbeitet. Mit einem Sondermodell erhöhen die Briten die Typenvielfalt des Traumwagens auf 28 Varianten – aber nur für begrenzte Zeit.


Honda bringt den Civic auch als Viertürer
Limousine mit großem KofferraumHonda Civic Stufenheck: Auf der Suche nach Accord-Kunden

Honda hat den neuen Civic auch als Stufenheck-Limousine im Angebot. Die Japaner hoffen dabei auf mittlerweile heimatlose Kunden des früheren Schwestermodells.