15. Juni 2016

Fahrbericht Ausschließlich mit sechs Zylindern VW Amarok: Europa und der Rest der Welt

Der VW Amarok kann Offroad wie Onroad Fotos ▶
Der VW Amarok kann Offroad wie Onroad © VW

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat den Amarok ins Premium-Segment überführt. Aber auch die Offroad-Qualitäten des Pickups beeindrucken Fahrer und Beifahrer.




Von Thomas Flehmer

Rund 35 Grad beträgt der Winkel, auf dem sich der VW Amarok um die Kurve bequemt. Fahrer und Beifahrer sehen den Boden immer näher kommen, doch der Pickup aus Hannover hält souverän die Schräglage. Vertrauen stellt der bis zu 2,3 Tonnen schwere Amarok aber sehr schnell her, sodass die Insassen mit ruhiger Hand auch die nächsten Hindernisse des niveauvollen Offroad-Parcours in der Nähe von München angehen.

Das um bis zu 130 auf 550 Newtonmeter gesteigerte Drehmoment, der Allradantrieb sowie der von VW-Tochter Audi abgeleitete drei Liter große Sechszylinder-Diesel sowie Offroad-Assistenten schaffen die Voraussetzungen, um die Schwierigkeiten im Gelände recht einfach zu bewältigen.


Zwei Produktionswege für den VW Amarok

Auf der anderen Seite stehen optische Veränderungen sowie neue Komfortelemente für einen neuen Weg, den VW mit dem Amarok gehen will, um mit dem eigentlichen Nutzfahrzeug auf dem Boulevard zu posieren.

Offroad wie Onroad scheinen im Widerspruch zueinander zu stehen, doch bei VW liegt die Lösung in der Produktion. Die in Hannover gefertigten Pickups sind für den europäischen Markt gedacht, die im argentinischen Werk von Pacheco produzierten Amaroks sind für den Rest der Welt bestimmt. Onroad wie Offroad schaffen alle gefertigten Amaroks gleich, doch während der 5,25 Meter lange Pickup in Europa eher über den Asphalt fahren wird, werden in den Hauptmärkten in Südamerika oder Südafrika, Australien oder Neuseeland eher Sand- und Schotterpisten als Untergrund dienen.

VW Amarok ab 46.500 Euro - netto

550 Newtonmeter stehen dem VW Amarok zur Verfügung
550 Newtonmeter stehen dem VW Amarok zur Verfügung © VW

Die für den deutschen Markt bestimmten Einheiten werden dagegen eher selten das Gelände frequentieren. Hier wählen die Kunden zumeist die höher ausgestatteten Linien, die naturgemäß teurer sind. So kostet das so genannte Launchmodell Aventura mindestens 46.500 Euro, die dahinter folgende Variante Highline 42.000 Euro – netto versteht sich. Wer das Fahrzeug nicht gewerblich anmelden kann, zahlt noch weitere 19 Prozent Mehrwertsteuer hinzu. Über 60 Prozent haben sich in Deutschland die Steuer wieder geholt.

Noch mehr als zuvor profitieren die Geschäftsleute nun von dem gesteigerten Premiumanspruch des Pickups. Einen Sechszylinder weist keiner der Mitbewerber von Ford über Nissan und Toyota bis Mitsubishi auf. In seiner höchsten Leistungsstufe werden 165 kW/224 PS abgerufen. Verbunden mit dem maximalen Drehmoment von 550 Newtonmetern, die zwischen 1400 und 2750 Umdrehungen anliegen, erreicht der Amarok innerhalb von 7,5 Sekunden Tempo 100.

Achtgang-Automatik für im Pickup Aventura

Damit reiht sich der Hannoveraner sehr schnell auf der linken Autobahnspur ein, die er erst nach 200 km/h verlässt – für einen Pickup eine wahnsinnige Leistung. Und der Sechszylinder surrt vor sich hin und lässt nur wenige Geräusche in den Innenraum fließen – absolutes Pkw-Niveau , vor allem, wenn auch das Achtgang-Automatikgetriebe geordert wird, dass nicht mal in Personenkraftwagen groß verbreitet ist und sich wundervoll an die Fahrleistungen des Amarok anpasst.

Denn auch die äußere Verkleidung wurde schöner gestaltet. Der Amarok hat eine neue Front erhalten, Bi-Xenon-Scheinwerfer und Tagfahrlicht sowie neue Mattlackierungen. Und innen ist besonders in der Aventura-Variante kaum noch ein Unterschied zu einem Pkw zu merken, außer, dass man höher sitzt und einen besseren Überblick hat. Ansonsten haben sich die Nutzfahrzeugspezialisten bei den Modularen Baukästen des Konzerns bedient, sodass auch im Pickup Konnektivität gegeben ist, damit die Insassen auch ihr Smartphone ankoppeln können.

Knapp 1000 Aufpreis gegenbüber Vorgänger-Amarok

Fünf Personen passen bequem hinein. Das Gepäck kann auf die 2,52 Quadratmeter große Ladefläche, die natürlich auch überdacht oder mit eine Jalousie geschlossen werden kann. Dann avanciert der Pickup zu einem großen Kombi.

Wer übrigens keine 224 PS benötigt, greift zum 120 kW/163 PS starken Einstiegsvariante, die ab 25.720 Euro im Regal steht. Den Aufpreis gegenüber dem Vorgängermodell gibt VW mit knapp 1000 Euro an. Dafür hat man dann einen komfortablen Sechszylinder mit mehr Kraft und mehr Ausstattung an Bord. Dann könnte auch der Förster überlegen, ob er mit dem Amarok mal die Schräglage verlässt und den Boulevard in der nahe gelegenen Stadt besucht.






Mehr zur Marke VW

Streit eskaliertHändler fühlen sich von VW im Stich gelassen

Die VW- und Audi-Händler liegen mit dem Autobauer im Streit. Sie fühlen sich wegen der Dieselkrise im Stich gelassen.


Plus acht ProzentVW-Konzern mit starkem Absatzplus im August

Der VW-Konzern konnte im August seinen weltweiten Absatz deutlich steigern können. In Deutschland gab es indes Verluste, trotz Umweltprämie.


Insgesamt 13 Milliarden Euro ADAC fordert von VW Entschädigung für deutsche Dieselfahrer

Es ist eine Forderung, die verpuffen wird. Doch der ADAC verlangt von VW eine freiwillige Entschädigung von 5000 Euro für deutsche Dieselfahrer.



Mehr aus dem Ressort

VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter
69 verschiedene Kombinationen des NutzfahrzeugsVW Crafter: Den Mount Everest ausgetrickst

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem Crafter neue Derivate zukommen lassen. Der im vergangenen Jahr zum Van of the Year gewählte Transporter wird beim Angebot trotzdem weiter nachlegen.


Der Ford F-150 Raptor greift auf 450 PS zurück
Pickup mit 450 PSFord F-150 Raptor: Exotisches Raubtier

Eigentlich ist der F-150 Raptor nur dem amerikanischen Markt vorbehalten. Doch einige Exemplare von Fords Vorzeige-Pickup verirren sich auch mal in die „Alte Welt“.


Honda hat den Civic wieder neu konzipiert
Um 16 Zentimeter gewachsenHonda Civic: Chamäleon zwischen den Welten

Der Honda Civic hat im Laufe von zehn Generationen seinen Charakter immer wieder geändert. In der aktuellen Ausgabe muss der eigentliche Kompaktklässler auch noch die Aufgaben der eingestampften Mittelklasse erfüllen.