18. Januar 2016

Fahrbericht Großer Diesel und Allradantrieb Volvo V60 Cross Country: Zwischen Kombi und SUV

Der Volvo V60 Cross Country ist ein Mix aus Kombi und SUV.
Der Volvo V60 Cross Country ist ein Mix aus Kombi und SUV. © Volvo

Volvo schickt den V60 ins Gelände. Doch die Cross Country-Variante gibt sich auch im Stadtverkehr keine Blöße.




Okay, fassen wir noch mal zusammen: SUV verkaufen sich derzeit wie geschnitten Brot, obwohl sie weniger Platz bieten als ein Van, teuer sind und mehr verbrauchen als eine Limousine oder ein Kombi und ihren eigentlichen Vorteil, die Tauglichkeit für leichtes Gelände, ja praktisch nie ausspielen. Im Vergleich dazu ist ein hochgebockter Mittelklasse-Kombi mit leichter SUV-Beplankung nur noch ein bisschen unvernünftig. Der Aufpreis fällt geringer aus, der Mehrverbrauch ebenso und Allrad gibt es sowieso. Audi verkauft den A4 als sogenannten Allroad Quattro schon seit vielen Jahren erfolgreich und auch vom Passat gibt es eine Alltrack-Version, für die neue Generation des Bestsellers sogar gerade erst auf den Markt gekommen.


Volvo V60 schon recht betagt

Volvo war schon vor 15 Jahren so schlau, einen höhegelegten Kombi mit Geländewagenattributen zu versehen. Damals unter dem Namen XC 70. Jetzt legten die Schweden zur nicht geringen Überraschung einiger Fachleute vom V60 eine sogenannte Cross-Country-Version auf. Überraschend deshalb, weil der V60 Ende 2016 schon sein sechstes Produktionsjahr vollendet und es nicht mehr so lange bis zu einer neuen Generation dauern wird. Andererseits: Gerade deshalb kann die Baureihe ja etwas frisches Blut in Form einer neuen Variante gebrauchen. Zudem hat Volvo mit dem kleineren V40 Cross Country gute, sprich erfolgreiche, Erfahrungen gesammelt.

Es gibt den V60 CC mit großem (und durstigem) Benziner (245 PS) und mit zwei Diesel-Motorisierungen, dem D3 (150 PS) und dem D4 (190 PS). Da nur die stärkere Version wahlweise auch mit Allradantrieb zu haben ist, kommt zum Test eigentlich auch nur diese in Frage. Denn wenn schon ein Kombi in Geländewagen-Optik, dann doch bitte auch mit einem 4x4-Antrieb. Ansonsten würden wir uns ja komplett wie Blender fühlen.

Erhöhte Bodenfreiheit für den Volvo V60 Cross Country

Der V60 Cross Country hat noch fünf Zylinder
Der V60 Cross Country hat noch fünf Zylinder © Volvo

Optisch macht das keinen Unterschied. Der V60 CC hat im Vergleich zum normalen Kombi in jeder Variante die üblichen Veränderungen durchgemacht. Die Bodenfreiheit wurde um 6,5 Zentimeter erhöht, dazu kommen Radhausverbreiterungen, andere Seitenschutzleisten, Einsätze in der Front- und Heckschürze und ein Kühlergrill mit Wabenmuster. Es ist der übliche Hauch von Abenteuer und irgendwie muss man ja auch den übrigens moderaten Aufpreis rechtfertigen. Der beträgt je nach Ausstattungsvariante im Vergleich zu einem gleich motorisierten und ebenfalls allradgetriebenen V60 zwischen 1700 und 2150 Euro.

Die Stärken und Schwächen des V60 CC sind dagegen mit denen des bürgerlichen Kombis vollständig identisch. Auf der Habenseite stehen zum Beispiel eine umfangreiche, für die schwedische Marke typische Sicherheitsausstattung, ein penibel verarbeiteter Innenraum mit sehr guten Sitzen und der schöne Fünfzylinder-Diesel. Volvo stellt ja nun alle Motoren auf vier Zylinder um. Der D4 ist einer der letzten Gelegenheiten, sich das Aggregat mit der ungewöhnlichen Zylinderzahl zu sichern.

Volvo V60 Cross Country fürs forcierte Gleiten

Dem V60 merkt man die betagten Tage schon an
Dem V60 merkt man die betagten Tage schon an © Volvo

Es läuft zwar ein wenig knurrig und ist auch nicht ausgesprochen sparsam (Testverbrauch: 8,1 Liter), aber bis zu 420 Newtonmeter Drehmoment, die zudem im am häufigsten genutzten Bereiche zwischen 1500 und 3000 U/min permanent anliegen, machen einfach Spaß und sorgen trotz des hohen Leergewichts von über 1830 Kilo für souveräne Fahrleistungen. Wobei dieser Volvo kein Fahrzeug für die Vmax von 205 km/h ist oder gar ständig seine Spurteigenschaften (8,9 s auf 100 km/h) unter Beweis stellen will.

Auch Alpenpässe sind nicht sein Spezialgebiet, selbst wenn er die dank seiner 190 PS und der gut abgestuften Sechsgang-Automatik problemlos nimmt. Zu Volvo passt eher forciertes Gleiten. Und bei 160 km/h auf der Autobahn fließt auch deutlich weniger Sprit durch die Leitungen. Zudem ist das Fahrwerk, der V60 ist ja nicht der der Allerjüngste, nicht frei von Straßeneinflüssen und im Vergleich zu anderen Premium-Angeboten kein Ausbund an Komfort.

Volvo XC60 günstiger als V60 Cross Country

Fummelige Bedienung der Instrumente
Fummelige Bedienung der Instrumente © Volvo

Womit wir bei den Schwächen des Fahrzeugs wären, zu denen neben den sehr selbstbewussten Preisen - ab 43.650 Euro als Kinetic, ab 49.330 Euro in der hier gefahrenen Summum-Variante und ein Testwagengesamtpreis von kaum zu glaubenden knapp 63.000 Euro – auch die umständliche und fummelige Bedienung gehört. Letzteres nervt übrigens im Alltag mit Abstand am meisten. Hier wird es erst mit der nächsten Generation Abhilfe geben, die dann das Bediensystem der 90er-Baureihe übernimmt.

Eine Entscheidung für den V60 CC ist übrigens nicht nur eine gegen den normalen Kombi, sondern auch gegen den XC60 dem in der gleichen Klasse antretenden SUV der Schweden. Dieses Modell wurde bereits 2008 lanciert und erhielt 2013 eine Überarbeitung. Mit gleicher Motorisierung und Allradantrieb kommt es sogar etwas günstiger als der CC. Wir würden trotzdem den Hochbein-Kombi empfehlen, verfügt er doch über die schönere Linie ist zudem deutlich „stadtfeiner“. (SP-X)






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