6. Oktober 2015

Fahrbericht Kleinwagen mit Doppelherz Toyota Yaris Hybrid: Reisen, nicht rasen

Der Toyota Yaris gibt eine gute Figur ab.
Der Toyota Yaris gibt eine gute Figur ab. © Toyota

Der Toyota Yaris Hybrid ist konkurrenzlos. Kein anderer Kleinwagen in Deutschland ist mit Hybridantrieb unterwegs. Doch lohnt sich ein Kauf des Stadtflitzers? Unser Fahrbericht gibt die Antwort.




Ein Kleinwagen mit vollwertigem Hybridantrieb? Da landet man beim Toyota Yaris - und auch nur bei ihm, denn andere Stadtflitzer mit Doppelherz gibt es in Deutschland aktuell nicht. Seit 2012 ist der kleine Japaner mit Benzin- und Elektromotor nun erhältlich und hat sich inzwischen seinen Platz in diesem umkämpfen Segment gesichert.

Seit dem Facelift im vergangenen Jahr lächelt der Toyota Yaris die Welt mit seiner X-Front an, das auch von seinem kleineren Bruder Aygo bekannt ist. Toyota spendiert dem grundsätzlich eher nüchternen Japaner damit einen mutigeren und selbstbewussteren Auftritt. Im Innenraum werden seitdem auch höherwertigere Materialien eingesetzt, die Hartplastikflächen sind weicheren Materialien gewichen.


Dezenter Hinweis auf Hybrid

Auf die treibende Kraft, also das ungleiche Pärchen unter der Motorhaube, deutet bis auf den dezenten Schriftzug „Hybrid“ am Heck und über den vorderen Radkästen von außen erst einmal nichts hin. Dabei ist dieses Doppel entscheidend. Selbstverständlich gibt es den Yaris auch mit Benzin- oder Dieselaggregat, zudem als Drei- oder Fünftürer. Der ausschließlich als Fünftürer erhältliche Yaris Hybrid will aber was Besonderes und natürlich der Sauberste sein. Allerdings hat der Öko-Zwerg auch Nachteile: Erst einmal ist er in der Anschaffung teurer. Zudem kann einem eben dieser Antrieb auch mal die Stimmung vermiesen. Zumindest wenn man es eilig hat.

Denn der Yaris Hybrid will nicht rasen, er will reisen. Die Arbeit dafür übernimmt der aus dem Prius bekannte 1,5-Liter-Motor. Der 55 kW/75 PS starke Benziner verbündet sich mit dem 45 kW/61 PS leistenden Elektromotor. Allerdings darf man die beiden Leistungsdaten nicht einfach addieren. Die Systemleistung beträgt vielmehr 74 kW/100 PS und nicht etwa 136 PS.

Problemloses Zusammenspiel

Der Innenraum des Yaris
Der Innenraum des Yaris © Toyota

Während der Fahrt erfolgt das Zusammenspiel der beiden Motoren völlig problemlos, man merkt die über mittlerweile schon Jahrzehnte angesammelte Erfahrung des Unternehmens mit dieser Technologie. Bevorzugtes Gebiet des kleinen Japaners ist natürlich die Stadt. Wenn während einer Fahrt immer wieder beschleunigt oder gebremst wird, kann der Hybrid seine Vorteile gegenüber konventionell angetriebenen Pkw ausspielen.

Fährt man diesen Yaris artgerecht und in vorausschauender Fahrweise, lässt sich der Verbrauch auf gut fünf Liter drücken. So kann das Bremspedal im Gewusel der Metropolen plötzlich zu einem ähnlich spannenden Gegenstand werden wie sonst das Gaspedal. Wem so etwas egal ist, der sollte besser nicht einsteigen und sich für den Bruder mit Selbstzünder unter der Haube entscheiden. Denn wenn man die volle Leistung abverlangt, etwa auf einer Autobahnetappe, werden die Nachteile des Antriebs offenkundig. Das kennt man schon aus dem Prius: Vortrieb, Drehzahl und Geräuschentwicklung passen wegen der stufenlosen Automatik nach einem beherzten Tritt aufs Gaspedal irgendwie nicht mehr zusammen. Der Yaris quittiert schon den Ansatz sportlicher Fahrweise mit peinlichem Aufheulen.

Gutes Fahrwerk

Das Heck des Yaris
Das Heck des Yaris © Toyota

Dafür passt das Fahrwerk – es bleibt stets gelassen und schluckt die meisten Unebenheiten souverän weg. Zudem ist der Hybrid für einen Kleinwagen gut gedämpft und somit leiste. Positiv ist uns auch die direkt reagierende Lenkung aufgefallen. Beim Platzangebot müssen Yaris-Hybrid-Käufer den Vergleich zu den normalen Modellen nicht scheuen. Der 201 Kilogramm schwere Hybridstrang befindet sich unter der Rücksitzbank, so dass die Kofferraumgröße identisch bleibt.

Nicht identisch ist der Preis: Einen Yaris erhält man bei Toyota ab 11.990 Euro. Als Fünftürer mit einem Diesel unterm Blech, der einen durchschnittlichen Verbrauch von 4,2 Litern verspricht, werden 12.690 Euro fällig. Mit Hybridtechnik und allerdings besserer Ausstattung kostet er mindestens 17.300 Euro. Davon lassen sich die Kunden offenbar nicht beeindrucken. Denn am Absatz des Yaris hat die Variante mit elektrischem Hilfsmotor laut Hersteller großen Anteil. Seit 2012 konnten die Japaner in Europa 170.000 Einheiten mit diesem Antriebstyp absetzen. Das Konzept, auf große Show zu verzichten und einfach einen gelungenen kleinen Hybriden zu bauen, geht also offensichtlich auf. (SP-X)






Mehr zur Marke Toyota

Größte Zuwächse im SUV-SegmentToyota Corolla grüßt souverän von der Spitze

Der Toyota Corolla ist auch nach dem ersten Quartal des Jahres das meistverkaufte Auto weltweit. Dagegen verdrängte ein Pickup aus Amerika den Klassiker aus Wolfsburg vom zweiten Rang.


Starker YenDeutlicher Gewinnrückgang bei Toyota

Toyota hat im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr weniger als im Vorjahr verdient. Und auch für das neue Geschäftsjahr rechnet der weltweit zweitgrößte Autohersteller mit weiteren Rückgängen.


370,2 km/h im zweiten AnlaufToyota Land Cruiser mit neuem SUV-Rekord

Der Toyota Land Cruiser hat den Brabus-Mercedes-GLK als schnellstes SUV der Welt abgelöst. Der zum Speed Cruiser umfunktionierte Geländewagen setzte die bisherige Bestleistung gleich um einiges höher.



Mehr aus dem Ressort

Volvo XC60
Marktstart im JuliVolvo XC60: Neues Ärgernis für Audi und Co.

Wer sorgt bei den Mittelklasse-SUVs in Europa für eine Erfolgsgeschichte? BMW? Audi? Mercedes? Nein, es ist Volvo mit dem XC60. Nun bringen die Schweden die neue Generation ihres Bestsellers auf den Markt.


Für ein Jahr gibt es den Jaguar F-Type als 400 Sport
Dezentes FaceliftJaguar F-Type 400 Sport: Traumwagen auf Zeitreise

Jaguar hat den F-Type sehr dezent überarbeitet. Mit einem Sondermodell erhöhen die Briten die Typenvielfalt des Traumwagens auf 28 Varianten – aber nur für begrenzte Zeit.


Honda bringt den Civic auch als Viertürer
Limousine mit großem KofferraumHonda Civic Stufenheck: Auf der Suche nach Accord-Kunden

Honda hat den neuen Civic auch als Stufenheck-Limousine im Angebot. Die Japaner hoffen dabei auf mittlerweile heimatlose Kunden des früheren Schwestermodells.