24. November 2015

Fahrbericht Hybridmodell in vierter Auflage Toyota Prius: Für den Öko in Dir

Der Toyota Prius kommt bereits in vierter Generation.
Der Toyota Prius kommt bereits in vierter Generation. © Toyota

Sein Aussehen muss man nicht mögen. Wahrlich nicht. Doch der Toyota Prius hat es der Autowelt gehörig gezeigt. Nun schicken die Japaner bereits die vierte Auflage an den Start.




Mögen manche beim Namen Prius auch die Augen verdrehen, weil ihnen Toyotas Hybridmodell zu ökomäßig daher kommt. Doch die eigenwillig gestylte Limousine hat es der Autowelt gehörig gezeigt. Trotz aller Unkenrufe („Hybrid ist Blödsinn, Diesel viel besser“), die aus deutschen Vorstandsetagen anfänglich zu hören waren.

Hollywood-Stars ließen sich mit dem Prius ablichten. Der Öko-Japaner, ein Trendsetter. Und ein Topseller. In seinem Heimatland führte der Prius zeitweise die Neuzulassungen an. Kalifornien ist der beste Kunde außerhalb Japans. Über 3,5 Millionen Einheiten hat Toyota seit 1997 in drei Generationen verkauft.


Deutlich morderner

Nun ist die vierte Auflage fertig. Und so neu wie nie zuvor. Die Japaner holten zum Rundumschlag aus, ließen praktisch keinen Stein auf dem anderen. Angefangen beim Design. Im Vergleich zum Vorgänger steht der Prius deutlich moderner auf seinen Rädern. Er wurde länger und flacher, blieb aber seiner Linie treu. Erneut erkennt man ihn bereits aus 100 Meter Entfernung. Das ist beabsichtigt. Schließlich soll der Prius-Fahrer seiner Umwelt zeigen: Seht her, ich denke und fahre anders.

Die typische nach hinten abfallende Dachform ist der Aerodynamik und letztlich dem Verbrauch geschuldet. 3,9 Liter waren es beim Vorgänger. Ein guter Wert. Koji Toyoshima verspricht fürs neue Modell eine weitere Reduzierung von 15 Prozent. „Wir haben jedes Detail optimiert“, sagt der Prius-Chefingenieur. Alles, was sich dreht und bewegt, wurde überarbeitet, erleichtert oder reibungsärmer konstruiert. Seine Entwickler schafften es sogar, den 1,8-Liter-Vierzylinder zum Benziner mit dem weltweit besten thermischen Wirkungsgrad zu machen. Er liegt bei 40 Prozent. Das erreichen viele Dieselmotoren nicht. Lohn der Mühe: Der Prius verbraucht nach NEFZ nur noch 3,0 l/100 km und dürfte sich im Alltag wie sein Vorgänger mit vier bis fünf Litern zufrieden geben.

Präzise Lenkung

Das Cockpit des neuen Toyota Prius.
Das Cockpit des neuen Toyota Prius. © Toyota

Gut ein halbes Jahr vor Markteinführung in Deutschland konnten wir den Prius in Japan fahren. Allerdings nur auf einer abgesperrten Rennstrecke, und auch nur im Konvoi hinter einem Führungsfahrzeug. Das Sicherheitsdenken der Japaner ist bisweilen doch stark übertrieben. Doch auch so ließ sich schon nach wenigen Kurven fühlen, um wie viel agiler sich der neue Prius im Vergleich zu seinem Vorgänger bewegen lässt. Die Lenkung spricht präziser an, die Federung ist komfortabler, der Abrollkomfort leiser, das Auto wirkt in sich solider.

Sportliche Ambitionen sollte man allerdings nicht hegen. Auch wenn es eine Taste „Sport-Modus“ gibt. Hier reagiert der Prius zwar ein wenig spontaner auf den Gasfuß. Doch vieles macht das CVT-Getriebe zunichte. Trotz Überarbeitung der stufenlosen Automatik haben die Ingenieure den sogenannten „Gummiband-Effekt“ nicht gänzlich ausmerzen können. Drehzahl und Fahrgeschwindigkeit passen bei stärkerer Beschleunigung nach wie vor nicht so recht zueinander. Deutlich wohler fühlt sich der Prius im „Eco-Modus“, der sich mit der Zeit auch auf den Fahrer überträgt. Alles läuft geschmeidig, entspannt und ruhig ab, die Elektronik regelt den Einsatz von E-Maschine und Benziner nach bester Effizienz, notfalls kann man mit dem Prius auch bis zu zwei Kilometer elektrisch unterwegs sein.

Bonsai-Stick als Wählhebel

Das Heck des Prius
Das Heck des Prius © Toyota

Den Innenraum gestalteten die Prius-Designer genauso unkonventionell wie die Blechhaut. Ein kleiner Bonsai-Stick an der Mittelkonsole dient als Wählhebel, die Geschwindigkeit erscheint digital oben am Armaturenbrett mittig vor der Windschutzscheibe. Platz bietet der neue Prius reichlich. Auch hinten sitzt es sich gemütlich. Und weil die Ingenieure die Batterie unter die Sitzbank gepackt und den Tank geschickter im Heck verstaut haben, passt sogar mehr Gepäck in die Prius. Das Kofferraumvolumen steigt von 446 auf 502 Liter.

Endgültige Preise nennt Toyota noch nicht. Es heißt lediglich, man wolle „auf dem Niveau des Vorgängers“ bleiben. Das der Neue mit einer besseren Grundausstattung versehen ist, dürfte es bei knapp unter 28.000 Euro losgehen. Ende nächsten Jahres soll es vermutlich erstmals auch eine Allradversion geben. Sie wird diesen Winter in Japan getestet. 2017 dürften dann der Siebensitzer Prius Plus und die Plug-in-Version auch in Deutschland zu haben sein. (SP-X)






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