9. August 2017

Fahrbericht Kleinwagen als juveniler Gegenentwurf Suzuki Swift: Flinker Teenie

Der Suzuki Swift besitzt seinen eigenen Charme Fotos ▶
Der Suzuki Swift besitzt seinen eigenen Charme © Suzuki

Der Suzuki Swift fährt gegen den Premium-Trend in der Kleinwagenklasse an. Der Verzicht auf optischen Schnick-Schnack macht den kleinen Japaner sympathisch, nicht aber der Preis.




Selten sind Name und Wesen so sehr eins wie beim Suzuki Swift. „Swift“ ist Englisch und bedeutet „flink“, „hurtig“ oder „rasch“. Und: „Swfffft“ ist genau das Geräusch, das der Kleinwagen macht, wenn er flott um die Kurve pfeift. Denn auch die neueste Generation des Fünftürers vereint wieder wuselige Abmessungen, geringes Gewicht und kleine, aber temperamentvolle Motoren. Nicht nur deswegen ist er ein gelungener juveniler Gegenentwurf zum Adoleszenz-Trend in der kleinen Klasse.

Wo sich Wettbewerber wie VW Polo, Skoda Fabia oder Kia Rio penetrant erwachsen geben, macht der Suzuki weiter fröhlich auf flinken Teenie. Das fängt schon beim Design an: Knackige Abmessungen, freundliches Gesicht und kein Optik-Schnick-Schnack wie Chrom oder aggressiver Blick – der Swift bleibt dem klassischen Kleinwagenstil treu, will nicht größer und stärker wirken als er ist und er dienert sich auch keiner langsam in Rente gehenden Kundschaft an, die von einem Kleinwagen die gleiche ernsthafte Aura verlangt wie von ihrem bisherigen Dienstwagen. Das würde auch nicht klappen: Zu dünnblechig wirkt der Japaner von außen, zu viel Kunststoff prägt den Innenraum. Vom Quasi-Premiumambiente mancher Wettbewerber ist er damit weit entfernt.


Suzuki Swift auch mit Allrad ein Leichtgewicht

Der Verzicht auf dicke Verkleidungen und ein Übermaß an Komfortextras hat aber auch sein Gutes. In der leichtesten Version wiegt der Swift gerade einmal 915 Kilogramm, und selbst die Allradversion ist lediglich 1025 Kilogramm schwer. Entsprechend leicht haben es die Motoren: Zur Wahl stehen ein 1,2-Liter-Vierzylinder mit 66 kW/90 PS und ein 1,0-Liter-Turbo, der es auf 82 kW/111 PS bringt und auch im Testwagen montiert war.

Mit leichtem Schnattern schiebt er das kleine Auto aus dem Stand recht energisch an, bis bei rund 2000 Umdrehungen der Turbo eingreift und endgültig für Druck sorgt. Die 10,6 Sekunden, die für den Spurt auf Tempo 100 vergehen, fühlen sich subjektiv deutlich schneller an. Doch die oberen Geschwindigkeitsbereiche sind gar nicht unbedingt das Biotop des Swift. Er fühlt sich im Stadtverkehr wohl, wo er zum beherzten Zwischenspurt ansetzen und sich behände durch den Verkehr wieseln kann. Trotz des kurzen Radstands und straffer Federung mangelt es dabei nicht an Komfort. Auch auf kurvigem Geläuf und auf der Autobahn schlägt sich der Swift gut, solange er nicht voll beladen ist. Dann bleibt vom allgemein ordentlichen Federungskomfort nicht mehr viel übrig.

Gefälliges Platzangebot im Suzuki Swift

Dem Swift fehlt es ein wenig an Feinschliff
Dem Swift fehlt es ein wenig an Feinschliff © Suzuki

Ganz allgemein ist der Swift kein perfektes Auto: Die Sitze sind etwas zu weich, das Fünfganggetriebe könnte knackiger sein und das Infotainment-System sieht zwar gefällig aus, nervt aber gelegentlich mit wirrer Menüführung und winzigen Schaltflächen. Vielerorts fehlt es an Feinschliff am Detail. In den Kernkategorien kann der Suzuki aber locker überzeugen. Neben dem Fahrerischen gilt das etwa für das Platzangebot.

Von einem Vier-Meter-Auto darf man keine Lounge-Atmosphäre erwarten, doch zumindest vorne geht das Platzangebot dank der klassischen Zweibox-Karosserieform mit ihren recht senkrechten Säulen mehr als in Ordnung. Und auch hinten kommt das Dach den Köpfen der Insassen nicht zu nahe. Eng haben diese es eher an den Knien. Und auf dem Mittelplatz im Fond, der sich nur in Notfällen als Aufenthaltsort eignet.

Der Swift ist mit 90 PS recht agil unterwegs
Der Swift ist mit 90 PS recht agil unterwegs © Suzuki

Apropos Mittelplatz: Sicher nutzbar ist dieser nur in der Topversion „Comfort+“ (ab 19.440 Euro), alle anderen Ausführungen werden mit nur vier Kopfstützen ausgeliefert. Auch darüber hinaus leistet sich der Swift bei der Sicherheitsausstattung ein paar Patzer. So gibt eh schon wenig Assistenten, die dann aber auch nur für das „Comfort+“-Modell. Alle anderen Varianten müssen ohne Notbremshelfer, Spurhaltewarner und Müdigkeitserkennung auskommen.

Da wird schnell klar, dass der Swift trotz seiner jugendlichen Leichtigkeit kein Schnäppchen für den Berufsanfänger-Geldbeutel ist. Bereits für das Basismodell werden 13.790 Euro aufgerufen, wer auf Standards wie Klimaanlage, geteilt umlegbare Rücksitze oder Radio Wert legt, zahlt noch einmal 1000 Euro mehr. Soll es der stärkere Motor sein, muss man noch eine Ausstattungsstufe höher steigen und mindestens 16.940 Euro investieren. Da hört man vom geneigten Käufer vielleicht doch eher ein resigniertes „Pffft“ als ein fröhliches „Swffft“. (SP-X)






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