29. Juni 2017

Fahrbericht Facelift für den Kleinwagen Skoda Citigo CNG: Gut für den Geldbeutel, gut für die Umwelt

Der Skoda Citigo mit Erdgasantrieb und auffälliger grüner Lackierung.
Der Skoda Citigo mit Erdgasantrieb und auffälliger grüner Lackierung. © Skoda

Skoda hat seinen Kleinwagen Citigo überarbeitet. Neben optischen Retuschen wird es das Modell der Tschechen auch wieder mit Erdgasantrieb geben. Lohnt sich der Kauf? Ja! Vor allem auch deshalb, weil dieser Antrieb weniger Schadstoffe ausstößt.




Von Frank Mertens

Die Elektromobilität nimmt keine Fahrt auf. Daran ändert auch die Kaufprämie nichts. Fahrzeuge mit nachhaltigen Antrieben stehen bei den Kunden derzeit alles andere als hoch im Kurs. Sie kaufen sich stattdessen SUVs - derzeit das Boomsegment schlichthin. Doch auch Fahrzeugen mit Erdgasantrieb geht es nicht anders als denen mit Elektroantrieb - trotz aller Vorteile für den Geldbeutel und die CO2-Bilanz. Das Gros der Kunden mag zwar grün denken, aber beim Autokauf handeln sie anders.


Erdgaskampagne von VW

Das möchte jetzt der VW-Konzern zusammen mit Partnern unter anderem aus der Gasindustrie mit einer großen Erdgasoffensive ändern. So soll die Zahl der Erdgastankstellen von derzeit über 900 bis zum Jahr 2025 auf 2000 Stationen steigen und sich bis dahin die Zahl der Erdgasfahrzeuge auf eine Million verzehnfachen. Ein selbstbewusstes Ziel, gerade auch deshalb, weil die Kunden bisher den Händlern CNG-Fahrzeuge nicht aus der Hand rissen.

Dabei spricht alles für diesen Antrieb: er ist nicht nur sicher, sondern auch effizient (der Brennwert liegt je nach Gasqualität beim 1,5-fachen von Benzin) und an der Tankstelle spart man viel Geld. Auch deshalb, weil Erdgas bis 2026 steuerbegünstigt ist. Derzeit kostet CNG pro Kilo bundesweit zwischen 1,04 und 1,09 Euro. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch um die drei Liter kommt man für 100 Kilometer auf 3,12 Euro. Mit einem Benziner und selbst dem in die Diskussion geratenem Diesel sind es je nach Verbrauch locker zwei Euro mehr, mindestens.

Ungewisse Dieselzukunft

Der Citigo bietet auch im Fond ausreichend Platz.
Der Citigo bietet auch im Fond ausreichend Platz. © AG/Mertens

Gerade auch vor der ungewissen Zukunft des Dieselmotors macht es für die Hersteller mit Blick auf die Einhaltung der CO2-Grenzwerte von 95 g/km bis 2021 Sinn, auf diesen Kraftstoff zu setzen. Wer weiß schon, wie es mit dem Diesel weitergeht, nachdem bereits Stuttgart und München Fahrverbote wegen erhöhter Stickoxidwerte angekündigt haben. "Der Diesel ist für die Erreichung der CO2-Grenzwerte enorm wichtig", sagt dann auch Skoda-Deutschlandchef Frank Jürgens bei der Vorstellung des Kleinwagens Citigo in Prag. Trotz aller Diskussionen um den Selbstzünder gibt es bei den Skoda-Kunden keine Kaufzurückhaltung für diesen Antrieb. "Gerade die Flottenkunden stehen zum Diesel. Die Verkäufe sind stabil."

Doch wer weiß, was noch kommt - und die CO2-Grenzwerte werden sich nach 2021 weiter verschärfen. Es wird bereits für die Zeit danach von einem CO2-Wert von 75 g/km diskutiert. So oder so heißt es für die Hersteller, vorbereitet zu sein - und da bietet sich Erdgas geradezu an. Deshalb offeriert Skoda den Citigo neben dem 1.0 MPI mit 60 und 75 PS auch als Erdgasvariante mit 68 PS.

Erdgas hoffähig machen

Jürgens zeigt sich zuversichtlich, dass es angesichts der gerade gestarteten Erdgasinitiative und neuer Modelle gelingen wird, Erdgas endlich hoffähig zu machen. "Gas genießt auch im eigenen Heim als Brennstoff für die Heizung eine hohe Akzeptanz. Warum sollte es uns nicht gelingen, das nun auch beim Auto hinzubekommen?", fragt Jürgens rhetorisch.

Ein kurzer Blick auf die Zahlen lässt derzeit viel Luft nach oben: Vom Citigo hatte man seit seinem Marktstart im Jahr 2012 in Deutschland 68.459 Einheiten abgesetzt. Und wie viele hatten davon Erdgasantrieb? "Jeder zehnte Citigo wird mit Erdgas abgesetzt." Dass die Käufer insbesondere Flottenkunden wie Pflegedienste sind - sei es drum. Nun geht es darum, auch Privatkunden vermehrt zum Kauf zu bringen. Dazu beitragen soll auch der Citigo, der nun eine Modellüberarbeitung erhalten hat. Dazu gehören nicht nur ein neuer Kühlergrill, neue Stoßfänger und neue Scheinwerfer mit integriertem Kurvenlicht - sondern auch mehr Platz. So wuchs der Citigo um 3,4 Zentimeter auf fast 3,60 Meter, was in Kombination mit dem langen Radstand von 2,42 Metern dafür sorgt, dass man selbst als Erwachsener im Fond mehr oder minder bequem Platz nehmen kann. "Mit diesen Abmessungen ist er ein ideales Fahrzeug für die Stadt", ist Jürgens überzeugt. Im Kofferraum gibt es Platz für 251 Liter Gepäck.

Ideal für die Stadt

Hat Jürgens recht? Hat er. Zwar hat der Citigo in der Länge etwas zugelegt, doch das ändert nichts daran, dass man mit ihm gerade bei der Parkplatzsuche in der Stadt mal locker dort einparken kann, wo die lieben SUV-Fahrer leider die Fahrt um den Block fortsetzen müssen. Vorteil Citigo. Klar, man ist mit einem Kleinwagen unterwegs - und entsprechend muss man leichte Abstriche beim Fahrkomfort machen. Auf den teils schlechten Straßen Prags mit seinem vielerorts vorzufindendem Kopfsteinpflaster rüttelt es einen hier und da doch durch, aber für ein Fahrzeug dieser Klasse macht er seine Sache dennoch gut. Die straffen Sitze mit einteiligem Rückenteil absorbieren einiges der Stöße.

Mit seinen 68 PS ist dieser CNG betriebene Citigo mit einem Gewicht von 1031 Kilogramm zwar kein Ausbund an Sportlichkeit - aber welches Auto mit einen derartigen Leistung ist das schon? Es reicht indes, um bequem in der Stadt unterwegs zu sein und auf der Autobahn im Verkehr dahin zu schwimmen, wenn man denn erst einmal Fahrt aufgenommen hat. Bis Tempo 100 vergehen 16,3 Sekunden - und die Spitzengeschwindigkeit ist bei 165 km/h erreicht. Zu wenig? Das eine wie das andere? Weder noch. Es reicht - gerade für einen Kleinwagen und mit dem richtigen Verständnis für nachhaltige Mobilität. Denn im Mittel wird ein Verbrauch von 2,9 Kilogramm auf 100 Kilometer (CO2-Wert 82 g/km) angegeben.

3,3 Kilogramm Verbrauch

Das Heck des Erdgas-Citigo
Das Heck des Erdgas-Citigo © AG/Mertens

Bei den Touren durch Prag standen 3,3 Kilogramm auf dem Bordcomputer (die Instrumententafel wurde übrigens auch attraktiver gestaltet). Damit ist man zwar nicht Klimaneutral unterwegs, aber verpestet im deutlich geringeren Maße die Umwelt wie ein Benziner oder Diesel. Ein Aspekt, den man sich beim Autokauf doch hin und wieder in Erinnerung rufen sollte. Für Jürgens ist der Citigo G-Tec angesichts seiner geringen Abmessungen und Emissionen ein ideales Stadtfahrzeug. Dem ist nicht zu widersprechen.

Wenn man denn schon kein Elektroauto kaufen will, weil die Reichweite nicht reicht, der Preis zu hoch ist, die Infrastruktur zu schlecht - also einfach mal bei Erdgasfahrzeugen umschauen. Aber da ist dann doch noch die schlechte Infrastruktur mit Erdgastankstellen? Ja, das Netz ist ausbaufähig, keine Frage. Aber vor dem Liegenbleiben braucht man sich keine Sorgen zu machen. Denn neben seinem 11 Kilogramm umfassenden Gastank verfügt der Citigo auch noch über einen Zehn-Liter-Benzin-Tank. In Summe steht damit eine Reichweite von 380 Kilometern zur Verfügung.

Und wie schaut der Preis aus? Er liegt bei 12.720 Euro. Der vergleichbare 75 PS Benziner als Green-Tec kostet 10.710 Euro. Also kostet sie der Spaß, Erdgas zu fahren 2010 Euro mehr. Doch dieser Mehrpreis lässt sich durch Zuschüsse der örtlichen Gasanbieter noch senken und zudem spart man bei jeder Fahrt an die Tankstelle. Und vor allem: Sie tun was Gutes für ihrer Umwelt.

VW und seine Tochtermarken jedenfalls wollen in den nächsten Monaten die Vorteile von Erdgas ins Bewusstsein der Kunden rufen. Denn bis zum Markthochlauf der Elektromobilität dürften noch zwei, drei Jahre ins Land gehen. "Doch die Auswirkungen von Erdgas mit seinem geringeren Schadstoffausstoß auf das Klima merkt man sofort", so Jürgens. Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass VW mit seiner Initiative Erfolg hat.






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