6. August 2014

Fahrbericht Emotionen Nebensache Seat Toledo: Auch ein Biedermann kann überraschen

Der Seat Toledo weiß durchaus zu überzeugen.
Der Seat Toledo weiß durchaus zu überzeugen. © Seat

Der Seat Toledo ist kein emotionsgeladenes Fahrzeug. Er sieht bieder aus, was aber persé nicht schlecht sein muss. Denn der von uns getestete 1.2 TSI mit 86 PS macht seine Sache durchaus ansprechend.




Von Frank Mertens

Wer an den spanischen Autobauer Seat denkt, denkt vor allem an sportlich, dynamisch gestaltete Modelle wie den Leon oder Ibiza. Sie stehen für den Markenclaim „Auto emocion“ der Spanier. An ein Auto wie den Toledo denkt man dabei zunächst nicht. Dafür kommt die Limousine einfach zu bieder daher. Es ist ein Auto, mit dem bei Seat wohl eher die älteren Kunden der Altersklasse plus 50 angesprochen werden sollen.

Warum auch nicht, kann man da nur sagen. Ein Autobauer ist in Tagen wie diesem gut damit beraten, eine möglichst breite Zielgruppe mit seinen Fahrzeugen zu erreichen. Diese Strategie verfolgt auch Seat, wie die steigenden Absatzzahlen der zurückliegenden Monate beweisen. Wo Kunden zu erreichen sind, wird dies versucht – sei es nun mit dem Mii, Leon, Ibiza, Altea, dem Toledo oder ab 2016 auch mit einem SUV.


Toledo bietet viel Platz für wenig Geld

Der Seat Toledo ist dabei ohne Frage ein Auto für die Kunden, die viel Platz für wenig Geld im Blick haben. Denn mit seiner Länge von 4,48 Meter, einer Breite von 1,71 Meter und einer Höhe von 1,46 Meter bietet er seinen Passagieren ein gutes Raumgefühl. Zur Not finden auf der Rückbank des Toledo zwar auch fünf Personen Platz, richtig bequem ist es indes nur zu viert. Wer so reist, der kann ausgesprochen komfortabel auch längere Strecken auf der Rückbank überstehen. Selbst Großgewachsene finden im Fond ausreichend Bein- und Kopffreiheit.

Der Innenraum des Toledo
Der Innenraum des Toledo © Seat

Wer dann auch noch ein Auto sucht, mit dem er unproblematisch das Urlaubsgepäck seiner vierköpfigen Familie verstauen will, ist beim Seat Toledo bestens aufgehoben: der Kofferraum bietet Platz für 550 Liter (!) Das ist schon eine Ansage und tröstet schnell über doch arg viel Kunststoff im Innenraum hinweg. Keine Angst, dass ist erträglich, aber auch nicht wirklich schön. Doch irgendwo müssen bei einem Auto halt Abstriche gemacht werden, dessen Einstiegspreis für den 1.2 Liter Benziner mit 75 PS bei 13.390 Euro beginnt. Der von uns getestete 1.2 Turbobenziner mit 86 PS beginnt bei 16.320 Euro. Zu wenig Leistung? Aber nein. Die 86 PS reichen allemal, um ohne Probleme von A nach B zu kommen.

Sechster Gang wird vermisst

Die Seitenansicht des Toledo
Die Seitenansicht des Toledo © Seat

Zwar ist der Vierzylinder ein recht vernehmliches Aggregat, doch wirklich nervig wird die Geräuschentwicklung auch nicht. Der TSI bringt es auf ein maximales Drehmoment von 160 Nm, das zwischen 1500 und 3500 Umdrehungen anliegt. Damit lässt es sich mit dem manuellen Fünfganggetriebe recht schaltfaul durch die Stadt fahren. Wer will, der kann den Sprint von 0 auf 100 km/h in 11,8 Sekunden zurücklegen. Auf der Autobahn wünscht man sich indes einen sechsten Gang, doch den gibt es nur für den 105 PS starken Turbobenziner, der zudem noch über ein Start-Stopp-System verfügt.

Darauf musste indes in unserem Testwagen verzichtet werden – weshalb am Ende der Verbrauch auch nicht bei den in Aussicht gestellten 5,1 Litern auf 100 Kilometern lag, sondern bei 6,7 Litern. Ein Wert, der durchaus in Ordnung geht, da der Fahrstil nicht immer ökologisch korrekt war. Am Ende kann der Toledo zwar nicht die Emotionen in Wallung bringen, aber die Vernunft spricht er schon an. Und das ist ja durchaus auch nichts Schlechtes.






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