21. Juli 2014

Fahrbericht Mit permanentem Allradantrieb Seat Leon ST 4Drive: Kombi für den Matsch

Der Seat Leon ST 4Drive verfügt über Grip in fast jeder Lage.
Der Seat Leon ST 4Drive verfügt über Grip in fast jeder Lage. © SEat

Seat hat den Leon ST für die unwegsamen Untergründe präpariert. Der Kompaktklassen-Kombi stößt mit seinem permanenten Allradantrieb in eine Lücke des Segments.




Geschichte wiederholt sich und wird dabei manchmal etwas umgeschrieben – so auch bei Seat. Es gab schließlich schon einmal einen 4x4-Leon, allerdings waren das meist Cupra-Versionen oder zumindest leistungsstarke Topvarianten mit mindestens 110 kW/150PS. Heute muss der Cupra mit einer angetriebenen Achse auskommen, die Basisdiesel-Kunden bekommen Allradantrieb ab 24.900 Euro und den Kombi noch dazu.


2000 Euro Allrad-Aufpreis für Seat Leon ST 4Drive

Der ausschließlich als Kombi lieferbare Allradler namens 4drive liegt 2000 Euro über seinem Bruder mit Frontantrieb, bietet aber darüber hinaus auch ein Sechsgang-Getriebe (gegenüber fünf Gängen beim Grundmodell). Dass der Verbrauch mit 4,5 dennoch 0,7 Liter/100 km höher liegt als bei der konventionellen Variante, ist leicht zu verschmerzen, schließlich gibt es ja einen handfesten Mehrwert. Den dürften vor allem Bewohner winters häufig verschneiter Regionen zu spüren bekommen und das 4x4-Angebot dankbar annehmen. Wer das zweifellos vorhandene Plus an Fahrdynamik auskosten möchte, sollte getrost den Zweiliter mit 110 kW/150 PS ausprobieren.

Mit einem Grundpreis von 27.690 Euro wäre auch das kein unbezahlbares Unterfangen, und der Diesel-Konsum von 4,8 Litern je 100 km bereitet alles andere als Kopfzerbrechen.

Kurviger Fahrspaß mit dem Seat Leon ST 4Drive

Zwei Motoren stehen für den Seat Leon ST 4Drive zur Auswahl
Zwei Motoren stehen für den Seat Leon ST 4Drive zur Auswahl © Seat

Dafür macht der vor allem auf kurvigem Geläuf richtig Spaß; er lenkt präzise ein, krallt sich förmlich in der Kurve fest und beißt mit 340 Nm Drehmoment, wenn es ab dem Ausgang wieder auf Tempo geht. Die maximale Zugkraft steht zwischen 1750 und 3000 Touren zur Verfügung, so dass fülliges Vorankommen stets garantiert ist. Wer aber ohnehin eher ein funktionales Auto sucht, aber auf glatten Straßen einen Vorteil herausschlagen möchte, ist auch mit dem 1,6 TDI durchaus gut angezogen. Man würde lügen, behauptete man, das 90 Nm-Defizit sei nicht zu merken. An steilen Hängen verlangt der 105 PS-Kandidat manchmal nach einem kürzeren Gang, während der Zweiliter mühelos auch noch druckvoll im Fünften oder Sechsten hochschiebt.

Grundsätzlich ist die Abstimmung gegenüber den Fronttrieblern einen Tick kürzer gehalten, um die zehrenden Schleppmomente zu entkräften, wie Tino Fuhrmann aus der technischen Entwicklung erläutert. Außerdem sind die Allrad-Brüder ja auch gut und gerne 100 kg schwerer als die Grundausführungen, was sich aber in der Praxis kaum bemerkbar macht.

Allrad Leon ST nur mit Diesel

Den Seat Leon ST 4Drive gibt es nur mit Diesel
Den Seat Leon ST 4Drive gibt es nur mit Diesel © Seat

Beim Allradantrieb haben die Verantwortlichen alle Register gezogen und dem Leon die neueste Haldex-Generation spendiert. Der Strang kommt mit 1,4 kg weniger Gewicht aus und verfügt über ein renoviertes elektronisches Steuergerät, um bei der Reaktionszeit der Lamellenkupplung das Optimum herauszuholen. An beiden Achsen gibt es das Feature, per Bremseingriff eine Sperrwirkung zu erzeugen, so dass im Extremfall Moment auf ein einziges Rad gegeben werden kann. Kaum zu erwarten allerdings, dass sich ein konventioneller Kompaktklasse-Kombi derartig festfährt.

Dass es keine Allrad-Benziner gibt, hängt wohl mit der zu erwartenden Nachfrage zusammen. Immerhin sind 90 Prozent aller Leon, die das Band Richtung Europa verlassen, Selbstzünder. Viele Argumente sprechen ja auch für die beiden Vierzylinder; neben einem günstigen Kraftstoffverbrauch und der angenehmen Kraftentfaltung bieten sie feine Laufkultur und tragen somit zum Fahrkomfort bei. Längst ist der untere Mittelklässler zu einer preisgünstigeren Alternative für ehemalige Mittelklasse-Kunden geworden, die hohe Jahresfahrleistungen absolvieren. Und im Allrad-Bereich deckt der Spanier eine Marktlücke ab, denn abgesehen vom Volkswagen-Konzern mit diversen Modellen gibt es in diesem Segment kaum Offerten.

Seat Leon ST 4Drive mit Armada an Fahr-Assistenten

Das Interieur des Seat Leon ST wurde nicht verändert
Das Interieur des Seat Leon ST wurde nicht verändert © Seat

Vom Allradantrieb einmal abgesehen, bietet der Leon ST 4drive natürlich sämtliche Annehmlichkeiten, die auch für alle anderen Ausgaben lieferbar sind. Eine Armada an Assistenzsystemen sorgt für Sicherheit; dazu zählt ein automatisiertes Bremssystem ebenso wie der aktive Tempomat zum Preis von 560 Euro. Highlights in diesem Segment sind nach wie vor adaptive Dämpfer (760 Euro) sowie LED-Vollscheinwerfer (ab 990 Euro).

Auf keinen Fall verzichten sollte der Kunde auf das moderat eingepreiste Navigationssystem für 690 Euro. Dabei handelt es sich um das umfangreiche System inklusive Bluetooth-Freisprechanlage und Sprachsteuerung. Darüber hinaus arbeitet hier der berühmte Annäherungssensor. Sobald die Hand in Richtung Monitor reicht, erscheinen diverse Menüs auf der Bildfläche, deren Erfassung weitgehend intuitiv gelingt. Auch sonst erfreut der Innenraum durch eine aufgeräumte Schalter-Landschaft sowie einer soliden Verarbeitungsqualität – hier steht der Leon seinem Bruder Golf aus dem VW-Mutterhaus in keiner Weise nach. (SP-X)






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