18. Februar 2014

Fahrbericht Ab 8. März Seat Leon Cupra: Temperament im Alltag

Seat bietet den Leon Cupra erstmals auch mit 280 PS an.
Seat bietet den Leon Cupra erstmals auch mit 280 PS an. © Seat

Der Seat Leon Cupra schafft den Spagat zwischen Rennstrecke und sportlichem Alltag. In der neuen Version bietet die spanische VW-Tochter den kompakten Sportler auch noch in einer stärkeren Variante als bisher an.




In der griechischen Mythologie war Leon ein löwenstarker Kämpfer im Krieg zwischen Giganten und Göttern. Während aber der antike Leon getötet wurde, soll der namensgleiche Seat alle Rivalen niederringen, was ihm zumindest als kompakter Kraftsportler mit Cupra-Kennung und eindrucksvollen Fahrleistungen gelingen könnte.


Seat Leon Cupra ab 30.810 Euro

Dazu bieten die Spanier den Leon Cupra in Neuauflage ab dem 8. März erstmals in zwei Karosserieversionen an: So gibt es den iberischen Golf-Ableger als 4,27 Meter langen Fünftürer und als vier Zentimeter kürzeres dreitüriges Coupé. Für flotten Vortrieb sorgt jeweils ein neuer 2,0-Liter-Turbobenziner, der in der Basisversion wie bisher 195 kW/265 PS leistet. Frischer Leistungsträger ist jedoch der "Cupra 280" mit 206 kW/280 PS.

Die Preise beginnen bei 30.810 Euro für das Cupra Coupé und bei 32.110 Euro für das Cupra 280 Coupé. Jeweils 500 Euro Aufpreis kostet der sportlichste Seat als Fünftürer. Damit bewegt sich der Leon Cupra in der Mitte des Konkurrenzfeldes, zu dem Modelle zählen wie Opel Astra OPC, Ford Focus ST, Renault Mégane RS und Volvo V40 T5, aber auch der etwas schwächere Wolfsburger Gen-Spender Golf GTI und der 20 PS stärkere und entsprechend teurere VW Golf R.

Seat Leon Cupra in 5,8 Sekunden auf Tempo 100

Vorweg fährt der Leon in seiner PS-Liga beim Standardsprint aus dem Stand auf Tempo 100: Als Cupra SC 280 mit optionalem Doppelkupplungsgetriebe genügen ihm dafür 5,7 Sekunden und auch als Sechsgang-Handschalter benötigt er nur 5,8 Sekunden. Dagegen wird die Vmax wie bei fast allen Kompakt-Racern bei 250 km/h eingebremst. Wer es langsam angehen lässt, könnte mit dem Cupra SC 280 sogar um einen Cup der Spritknauserer kämpfen: 6,4 Liter Normverbrauch für die Automatikversion bzw. 6,6 Liter für den Handschalter sind 1,5 Liter weniger als die durstigsten Gegner konsumieren. Gibt man Gas, gönnt sich der Cupra aber wie alle anderen wesentlich höhere Werte.

Spoiler-Orgien gehen dem Seat Leon Cupra ab
Spoiler-Orgien gehen dem Seat Leon Cupra ab © Seat

Auch sonst gibt sich der stärkste Leon keine Blöße bei Alltagstalenten. Seat hat das Leon-Menü zwar mit viel Salsa nachgeschärft, verzichtet aber bewusst darauf, den Cupra 280 als wilden Reiter vorzuführen. So künden keine Spoiler-Orgien von den Kräften eines bösen Buben, es gibt nur dezente Hinweise auf das Feuer unter der Motorhaube. Dazu zählt die modifizierte Front mit großen Lufteinlässen, der angedeutete Diffusor und ein Dachkantenspoiler. Durch letzteren sowie durch auffällige 19-Zoll-Räder differenziert sich der 280-PS-Cupra zudem von der 15 PS schwächeren Basisversion.

Kernige Soundmaschine des Seat Leon Cupra

Feinfühlig lässt sich der Seat Leon Cupra fahren
Feinfühlig lässt sich der Seat Leon Cupra fahren © Seat

Unter dem Blech arbeitet eine auch in dieser Leistungsklasse noch nicht selbstverständliche serienmäßige Vorderachs-Differentialsperre für die Jagd um Kurven und Kehren. Hinzu kommt eine adaptive Fahrwerksregelung, die den Spagat zwischen dem Kampf um Sekunden auf Rundkursen und ordentlichem Komfort auf Schlaglochstrecken oder langen Autobahnetappen bravourös bewältigt.

Damit setzte sich der Seat auf unseren Testfahrten vorbildlich in Szene. Kaum ein Zittern der Karosserie bei Bodenwellen oder Unebenheiten, stattdessen feinfühlig ansprechende Feder-Dämpfereinheiten. Dazu gut gedämmte Abroll- und Fahrgeräusche, was dem akustischen Spaß an der kernig-klingenden Soundsymphonie von Motor und Auspuff zugute kommt. Vor allem, wenn das Fahrprogramm "Cupra" angewählt wurde und eine Soundmaschine den Klangs des Turbos verstärkt während die Innenraum LEDs feurig rotes Ambientelicht verbreiten.

Üppiges Raumgefühl im Seat Leon Cupra

Viel Platz bietet der Seat Leon Cupra
Viel Platz bietet der Seat Leon Cupra © Seat

Überraschendes bietet auch die Sitz-Landschaft im Seat. Vorne gibt es genügend Seitenhalt, falls doch einmal mit Rennoverall und Helm nach einer neuen Nordschleifen-Bestzeit gefahndet wird. Andererseits fehlt es nicht an passablem Langstreckenkomfort für Anzugträger. Im Fond zählt der Leon sogar zu den größten Kompakten.

Sowohl als Fünftürer wie auch als dreitüriges Coupé offeriert er im jeweiligen Konkurrenzumfeld erstaunlich viel Kopffreiheit, ausreichend Beinraum, und ein großes Raumgefühl durch üppige Glasflächen. Kein Raumwunder, aber immerhin Durchschnitt sind die Gepäckabteile der Cupra-Geschwister, allein die Höhe der Ladekante und die Stufe im Laderaumboden bei umgelegter Lehne stören.

Seat Leon Cupra mit breitem Drehmoment-Band

Den Seat Leon Cupra gibt es als Drei- und Fünftürer
Den Seat Leon Cupra gibt es als Drei- und Fünftürer © Seat

Zurück zu den Kerndisziplinen eines Sportwagens. Der Turbomotor im Leon Cupra 280 spricht wie schon im Golf GTI feinfühlig und spontan an. Vor allem beeindruckt er durch 350 Nm Drehmoment in dem extra breiten Band von 1750 bis 5600 Touren. Zu den besten Fronttrieblern zählt der Cupra auch bei Lenkpräzision, Neutralität und Rückmeldung. Dank einer Lenkung mit progressivem Übersetzungsverhältnis genügen in Spitzkehren oder beim Zirkeln in enge Parklücken kleinere Lenkbewegungen.

Ganz Racer ist der Cupra – für den Seat in Jahren mit gut gefüllter Kriegskasse eine eigene Meisterschaft ausrichtete und jetzt immerhin Kundensportprogramme ankündigt – wenn es um die Abschaltung des ESP etwa auf Rennstrecken geht. Auf Tastendruck lässt sich erst die Antriebsschlupfregelung ausschalten und dann in einer zweiten Stufe das ganze System.

Hohes Suchtpotenzial beim Seat Leon Cupra

Aber auch ohne diese Scharfschaltung fällt es schwer, dem Suchtpotential des Seat nicht zu erliegen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Gebärden sich Wettbewerber wie der Ford Focus ST vor allem als wilde Spaßmacher, ist der Seat eher der sportliche Musterschüler in der unteren Mittelklasse. Der Motor drückt und dreht wie kaum ein anderer, das Auto klebt aber dennoch auf dem Asphalt. Und nicht nur in Kurven zeigt die Differentialsperre effektive Wirkung. Dazu verzögert die Bremsanlage bissfest und gut dosierbar.

Kurz: Als kompaktes Sportcoupés oder heißer Hatchback bringen die neuen Cupra-Versionen des Seat Leon Tempo und Temperament in den Alltag, ohne ernste Defizite an praktischen Talenten. (SP-X)






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