29. Januar 2013

Fahrbericht Ansprechendes Design Opel Astra Limousine: Ende mit bieder

Die Limousine des Opel Astra sieht ansprechend aus. Fotos ▶
Die Limousine des Opel Astra sieht ansprechend aus. ©

Autos mit Stufenheck kleidet ein altbackenes Image an. Doch das muss ja nicht so bleiben. Mit dem Opel Astra bieten die Rüsselsheimer nun eine Limousine an, die alles andere als bieder daher kommt.




Von Holger Holzer

Was ab der Mittelklasse als elegant und edel gilt, soll in der Kompaktklasse plötzlich spießig sein? Klar, die Stufenhecklimousine im Golf-Segment hat ein schlechtes Image, geprägt von Generationen übler Gestalten, die wirkten, als hätte man einem Steilheckauto kurzerhand ein kastenförmiges Kofferabteil ans Heck geschweißt. Doch das Geschmacksurteil muss nicht für alle Zeiten bestand haben.

Zumindest nicht, wenn es nach Opel geht – die Rüsselsheimer bieten seit kurzem ihren Astra auch in Deutschland als klassische Limousine an. Ist er die günstige Alternative zum größeren Opel Insignia?


Fließender Heck

Den klassischen Rucksack-Fauxpas vermeidet die Astra Limousine zumindest. Die Heckstufe wirkt nicht aufgesetzt, sondern geht fließend aus der Dachlinie hervor und endet in einem kurzen Spoiler. Dank der mittelklasse-verdächtigen Länge von 4,65 Metern leiden auch die Proportionen nicht unter dem Karosserie-Fortsatz. Wie auch bei den anderen Astra-Derivaten finden sich die großzügigen Außenabmessungen im Innenraum aber nur bedingt wieder. Vorne sitzt es sich aber recht kommod, vor allem dank der sehr guten Sitze. Hinten geht es zwar etwas enger zu, außer 1,90-Meter-Plus-Passagieren muss sich aber niemand eingeschränkt fühlen.

Das Cockpit in der Astra Limousine
Das Cockpit in der Astra Limousine © Opel

Der Kofferraum fasst mit 460 Litern deutlich mehr Gepäck als beim fünftürigen Astra (370 Liter). Wer die Rücksitze umklappt kann auch lange Gegenstände laden. Die Ladekante liegt zwar etwas zu hoch, dafür ist er von großzügigem Zuschnitt und auch mit sperrigem Gut leicht beladbar. Störend mutet allenfalls der fehlende Griff an; die Klappe lässt sich nur über den Funk-Schlüssel oder einen Schalter im Cockpit öffnen. Das nervt vor allem Beifahrer, die nur mal kurz ans Gepäckabteil wollen. Dafür schwingt die Klappe dank kräftiger Gasdruckdämpfer selbstständig auf – fast so als wäre ein Elektromotor an Bord.

Komfortabler im Innenraum

Komfort wird sowieso groß geschrieben in der kompakten Limousine. Das Fahrwerk mutet etwas weicher an als bei Fünf- und Dreitürer, die präzise, aber unaufgeregte Lenkung lädt zur entspannten Tour über die Landstraße ein. Zum reisetauglichen Charakter passt auch der Motor des Testwagens, der mittlere der drei angebotenen Diesel. Der 81 kW/110 PS starke 1,7-Liter-Vierzylinder nagelt zwar beim Kaltstart kräftig vor sich hin und gibt sich auch allgemein etwas brummig, mit 280 Nm Drehmoment hält er aber ausreichend Kraftreserven für alltägliche Anforderungen bereit.

Überholen will zwar bei einer Spurtzeit von deutlich über 12 Sekunden gut geplant und durch vorausschauendes Einlegen eines der sechs manuell wählbaren Gänge vorbereitet sein. Ist der Astra aber erst einmal auf Reisegeschwindigkeit, schwimmt es sich im Autoverkehr auch auf den beiden linken Spuren gut mit. Weniger überzeugend ist dann aber der Verbrauch: Rund 6,2 Liter genehmigt sich die Limousine, fast zweieinhalb mehr als im Datenblatt versprochen. Und das, obwohl es sich um die besonders sparsame Ecoflex-Variante handelt.

Von Abmessungen Mittelklasse-Format

Seitenlinie des Opel Astra
Seitenlinie des Opel Astra © Opel

Auch wenn der Stufenheck-Astra bei den Abmessungen schon fast in die Mittelklasse hereinragt, bleibt der preislich dem Kompakt-Segment verhaftet. 22.375 Euro sind für die Variante mit dem 110-PS-Diesel anzulegen – 500 Euro mehr als für den Fünftürer, 600 Euro weniger als für den Kombi. Wer eine ordentliche Ausstattung will, wählt mindestens das Modell „Edition“ für 1.315 Euro Aufpreis. Auch dann kommt man noch deutlich billiger weg als beim Kauf des größeren Insignia, der mit dem gleichen Motor für 25.450 Euro zu haben ist. Der bietet zwar deutlich mehr Kofferraum und etwas bessere Beinfreiheit im Fond, dafür stoßen dort Großgewachsene schneller mit dem Kopf ans abfallende Dach.

Im Vergleich mit der drei- und fünftürigen sowie der Kombi-Version des Astra dürfte das Stufenheckmodell zumindest hierzulande ein Nischendasein führen. Wer aber ein kompaktes Reiseauto sucht, wird hier fündig. Denn grade dafür kann der abgeschlossene Kofferraum ein Argument sein, bietet er doch deutlich mehr Schutz gegen Diebstahl als eine Heckklappe. Nicht zuletzt deshalb sind derartige Autos auch in vielen anderen Ländern besonders gefragt. Insbesondere in Russland , wo sich Opel mit Blick auf die Absatzzahlen von der Limousine eine Menge verspricht. (SP-X)






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