12. Juli 2013

Fahrbericht Vergleichstest Opel Astra 1.4: Benzin oder LPG?

Der Opel Astra 1.4 als Benziner und mit LPG.
Der Opel Astra 1.4 als Benziner und mit LPG. © AG/Flehmer

Die Frage, ob Flüssiggas oder Benzin den Opel Astra mit einem 1,4 Liter großen Motor befeuern soll, wird zur Rechenaufgabe. Beim Fahrverhalten nehmen sich beide Fahrzeuge nichts. Welches Auto nun die größten Vorteile bietet, zeigt unser Vergleichstest.




Von Thomas Flehmer

Auto- oder Flüssiggas erfreut sich in Deutschland immer stärkerer Beliebtheit. Während in den südeuropäischen Ländern der Brennstoff schon seit Jahren eine immer bedeutendere Rolle spielt, holt LPG (Liquefied Petroleum Gas) auch in hiesigen Breitengeraden auf. Das wird nicht zuletzt durch das in den vergangenen Jahren stark gewachsene Tankstellennetz unterstreichen. Welcher Kraftstoff nun effektiver wirkt und welche Kostenvorteile mit ihm einhergehen, haben wir bei Testfahrten mit dem Opel Astra 1.4 Turbo ecoFlex und dem 1.4 LPG ecoFlex untersucht.


Leistungsdaten:

Beide Versionen greifen auf 103 kW/ 140 PS zurück und sind damit anständig motorisiert. Der Zusatz ecoFlex beruht auf weiteren verbrauchseinsparenden Maßnahmen wie beispielsweise Leichtlaufreifen, einer verbesserten Aerodynamik und einem Start-Stop-System und kostet knapp 400 Euro Aufpreis. Es ist gut investiertes Geld, das sich im Laufe der Zeit amortisiert. Die Leistung leidet natürlich nicht darunter. Beide Fahrzeuge haben ein maximales Drehmoment von 200 Newtonmetern, das zwischen 1850 und 4900 Umdrehungen anliegt.

Beim Sprint hat der Benziner leichte Vorteile und erreicht in 9,9 Sekunden Tempo 100, während die LPG-Variante neun Zehntel hinterherhechelt. Doch das macht sich im Alltag ebenso wenig bemerkbar wie die zwei Stundenkilometer mehr, die der Benziner bei der Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h erreicht. Das sind Marginalien, die zu vernachlässigen sind.

Innenraum:

Fast identisch fallen beide Ausstattungen aus. Bei den guten Sitzen gibt es keinen Unterschied, ebenso die mit Knöpfen und Schaltern überfrachtete Mittelkonsole, bei der selbst erfahrene Piloten eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen, ist identisch. Mit dem ab September auf der IAA Premiere feiernden neuen Insignia wird auch eine neue Generation der Armaturen in den Nachfolgemodellen verbaut werden.

Ein Unterschied besteht zwischen beiden. Da der Autogastank die Reserveradmulde besetzt, liegt der Kofferraumboden höher als bei der Benzin-Variante, zum anderen ergibt sich bei umgelegter Rückbank eine kleine Stufe und somit kein ebener Raum.

Fahrerlebnis:

Die Mittelkonsole des Opel Astra bedarf einer Überarbeitung
Die Mittelkonsole des Opel Astra bedarf einer Überarbeitung © AG/Flehmer

Auch hier fallen im Alltag keine Unterschiede auf, da beide auf das identische Fahrwerk samt Lenkung und dem wirklich gut funktionierenden manuellen Sechsgang-Getriebe zurückgreifen. Die beiden Kompakten können dabei auch recht dynamisch bewegt werden und auch in der Kurve geben sich die Astras souverän. Feldwege sind ebenso kein Problem, doch ist der Astra natürlich vom Charakter her kein Auto fürs Gelände.

Längere Strecken können im Astra gut absolviert werden, selbst wenn die speziellen Sitze mit dem Gütesiegel Aktion gesunder Rücken (AgR) nicht geordert wurden. Die Motorengeräusche dringen auch in höheren Geschwindigkeitsbereichen kaum in den Innenraum und sorgen so für einen hohen Reisekomfort. Das Autogas-Auto startet zunächst im Benzinmodus und wechselt kurze Zeit darauf auf Autogas, was für den Fahrer nicht wahrnehmbar ist. Per Knopfdruck kann nachgeschaut werden, wie viel Kraftstoff sich im jeweiligen Tank befindet.

Verbrauch:

Der 1.4 LPG ecoFlex des Opel Astra
Der 1.4 LPG ecoFlex des Opel Astra © AG/Flehmer

Flüssiggas ist ein Abfallprodukt bei der Erdgas- und Erdölförderung, sodass der Energiewert niedriger ausfällt als bei Benzin. Somit ergibt sich immer ein Mehrverbrauch. Da allerdings der Kraftstoff umweltfreundlicher ist als Benzin, nähern sich beide Versionen beim CO2-Ausstoß wieder an. Opel gibt bei beiden Modellen, die in der Energieeffizienzklasse B eingeordnet wurden, eine Emission von 129 Gramm pro Kilometer an.

8,5 Liter verbrauchte der Benziner auf den 100 Testfahrkilometern. Beim LPG-Fahrzeug, das natürlich auch noch einen Benzintank besitzt, falls mal keine Flüssiggas-Zapfsäule in der Nähe ist, waren es 10,2 Liter, die an der speziellen Anlage gezapft werden. Dafür ist ein Adapter an Bord, der auf den Einfüllstutzen geschraubt wird. Danach wird die Gaspistole aufgeschraubt und der Tankvorgang per Knopfdruck gestartet. Das Explosionsrisiko, das bei vielen Verbrauchern immer noch in den Köpfen schwebt, ist beim Gas übrigens genauso groß wie beim Benzin – bei beiden Tankgängen sollten vorher die Zigaretten ausgedrückt werden, aber das versteht sich von selbst. Entsprechend kann jeder Kunde bedenkenlos ein gasbetriebenes Fahrzeug bestellen.

Preisvergleich:

Der Mehrpreis für den Autogas-Astra amortisiert sich je nach Fahrweise recht schnell
Der Mehrpreis für den Autogas-Astra amortisiert sich je nach Fahrweise recht schnell © AG/Flehmer

Derzeit kostet der Liter Autogas zwischen 70 und 77 Cent, im letzten Jahr hatte er auch schon die 80 Cent überschritten. Bis zum Jahr 2018 ist LPG steuerbefreit, das heißt, der Preis wird sich nicht stark verändern. Die 100 Kilometer lange Testfahrt verursachte also reine Spritkosten von 7,34 Euro bei einem durchschnittlichen Preis von 72 Cent. Der Preis für Superbenzin hat derzeit einen Korridor zwischen 1,53 und 1,64. Bei einem Durchschnitt von 1,58 Euro mussten für die 100 Kilometer 13,43 Euro am Tresen des Tankwarts abgegeben werden.

Hochgerechnet auf 100.000 Kilometer würden beim Benziner somit Tankkosten über 13.430 Euro entstehen, für die Autogasvariante wären es lediglich 7340 Euro – eine Differenz von 6090 Euro. Bei der Anschaffung müssen für den Astra 1.4 Turbo ecoFlex 20.825 Euro angelegt werden, der Einstieg beim 1.4 LPG ecoFlex beginnt bei 22.670 Euro, eine Differenz von 1845 Euro gegenüber dem Benziner.

Somit amortisiert sich die Anschaffung des LPG-Fahrzeugs bereits nach etwas über 31.000 Kilometern – natürlich je nach Fahrweise jedes einzelnen und ob der LPG-Fahrer auch wirklich ausschließlich auf den alternativen Kraftstoff setzt. Denn trotz des Ausbaus des Tankstellennetzes auf rund 6500 Gelegenheiten in der Bundesrepublik ist die Gaspistole nicht immer gleich greifbar. Wer dies berücksichtigt und auch mit einem kleineren Kofferraum leben kann und den höheren Einstiegspreis akzeptiert, für den steht die Tür zum Autogas offen. Mit Blick auf die Kostenersparnis und das immer dichter werdende Tankstellennetz bietet LPG offenkundige Vorteile.






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