8. Oktober 2013

Fahrbericht Kleinwagen für Individualisten Opel Adam: Liebling der Frauen

Der Opel Adam kommt vor allem bei Frauen gut an. Fotos ▶
Der Opel Adam kommt vor allem bei Frauen gut an. © Opel

Mit dem Adam will Opel neue und vor allem jüngere Kunden zur Marke bringen. Was der Kleinwagen der Rüsselsheimer zu bieten hat, zeigt unser Test.




Von Frank Mertens

Jam, Glam, Slam! Alles klar? Nein? Das sind drei Ausstattungslinien des Opel Adam. Das hört sich nicht nur trendig an, sondern soll auch genauso sein. Schließlich macht der Adam auf Lifestyle. Mit dem Kleinstwagen will der Rüsselsheimer Autobauer gerade jüngere Kunden ansprechen. Mit dem Adam will die GM-Tochter zeigen, dass die Marke mit dem Blitz alles andere als langweilig ist. Dieses Ziel geht auf – und das nicht nur mit Blick auf die Absatzzahlen. So wurden vom Opel Adam seit seinem Marktstart europaweit bereits 50.000 Fahrzeuge verkauft. Doch wurden auch jüngere Kunden erreicht? Ja, auch dieses Ziel ist aufgegangen. So liegt das Durchschnittsalter der Adam-Käufer bei 37 Jahren, vor allem weibliche Kunden fahren auf den Adam ab. Sie finden den Kleinen schlicht knuddelig.


Opel Adam als kleiner Sympathieträger

Kein Wunder, denn der Adam bringt alles mit, um zum Sympathieträger zu werden. Schließlich stehen für das im Opel-Werk Eisenach produzierte Modell mehr als 100.000 Individualisierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das reicht von einer Vielzahl von unterschiedlichen Außen- und Dachfarben, Grillspangen, Radverblendungen bis hin zu einem Sternenhimmel im Innenraum. Der Adam lässt kaum Wünsche offen, wenn es darum geht, ihn nach seinem Geschmack zusammen zu stellen. Entsprechend ist es aufgrund der Vielzahl der Ausstattungsoptionen so gut wie unwahrscheinlich, einen identisch ausgestatteten Adam zu sehen.

Doch das Äußere ist das eine, das Fahrverhalten das andere. Denn gerade hier stellt sich unter Beweis, ob der Kleine mehr ist als nur ein Blender. Doch keine Sorge. Der Adam ist mehr Sein als Schein. Er fährt sich ausgesprochen schnittig, gerade dann, wenn man mit dem 1.4 Liter-Benziner mit 100 PS unterwegs ist. Dann offenbart der Adam einen sportlichen Antritt, sprintet in 11,5 Sekunden auf Tempo 100, für den Zwischensprint von 80 auf 120 braucht er im fünften Gang 17,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 185 km/h erreicht.

Sechster Gang fehlt

Übersichtlich gestaltet ist das Cockpit im Adam
Übersichtlich gestaltet ist das Cockpit im Adam © Opel

Das ist mehr als ausreichend, vor allem auch deshalb, weil der Adam jenseits von Tempo 150 doch etwas lauter wird. Ein sechster Gang würde dem Kleinen hier gut zu Gesicht stehen. Das manuelle Fünfganggetriebe ist sonst nicht zu beanstanden; die Gänge lassen sich knackig einlegen. Zur sportlichen Gangart des von uns getesteten Adam passt auch die direkt abgestimmte Lenkung, die eine gute Rückmeldung zur Straße vermittelt. Das Fahrwerk ist prima, bietet einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Dynamik.

Wer in der Stadt unterwegs ist, der wird vor allem den serienmäßigen City-Modus zu schätzen lernen, der bei geringem Tempo eine höhere Lenkunterstützung bietet. Nicht nur wegen des City Modus erweist sich der Adam als ideales Stadtauto, allein schon wegen seiner Länge von rund 3,70 Metern wird mit ihm die Parkplatzsuche zwar nicht zum Kinderspiel, erleichtert sie aber doch merklich. Da der Adam sein maximales Drehmoment von 130 Nm erst ab 4000 Touren zur Verfügung stellt, verlangt der Kleine doch nach viel Schaltarbeit – und das zeigt sich letztlich auch beim Verbrauch. Hier werden 5,1 Liter (CO2-Wert 119 g/km) in Aussicht gestellt, am Ende standen trotz eines gut funktionierenden Start-Stopp-Systems 6,5 Liter auf dem Bordcomputer. Für einen Kleinwagen dann doch zu viel. Aber da Opel gerade die neue Motorengeneration auf den Markt bringt, wird ab dem kommenden Jahr ein neuer Dreizylinder den Adam auf Touren bringen. Vorgestellt wurde das neue Aggregat gerade auf der IAA.

Ein Hauch von Kofferraum

Intelli-Link im Opel Adam
Intelli-Link im Opel Adam © Opel

Doch kommen wir noch zum Innenraum und dem Platz im Adam, der bei einem Kleinwagen ja nicht unwichtig ist. Nun ja: Fahrer und Beifahrer sitzen wirklich bequem. Sie können sich über gut konturierte Sitze mit einem guten Seitenhalt freuen. Doch hinten, tja, da geht es eng zu. Wirklich gut sitzen können dort nur Kinder. Erwachsenen will man das Platz nehmen im Fond nicht wirklich zumuten, sei es nun wegen der Knie- aber vor allem wegen der fehlenden Kopffreiheit. Doch das ist das Zugeständnis an den Lifestylecharakter dieses Autos. Das sieht man auch am Kofferraumvolumen, das gerade einmal 170 Liter aufweist. In unserem Testwagen waren es sogar nur 75 Liter, da der Rest des Kofferraums für die Infinity-Soundanlage drauf geht. So etwas muss man mögen.

Aber das ist wie immer ein Frage des Anspruchs: So fand mein elfjähriger Sohn den Platz im Fond vollkommen ausreichend. Er hätte dort wirklich sehr, sehr gut gesessen, ließ er auf Nachfrage wissen. Und selbst das Soundsystem sorgte für keine Irritation bei meiner Frau, die nach dem Einkauf einfach schnell den Rücksitz umlegte, umso mehr Platz für die Einkaufstaschen erhielt. Sie und mein Sohn wollten den Opel Adam nach der zweiwöchigen Testphase gar nicht mehr hergeben, so begeistert waren sie vom Adam. Kein Wunder, dass der Adam in der Käufergunst zum Liebling der Frauen avanciert ist.

Intelli-Link zu empfehlen

Das Heck des Opel Adam
Das Heck des Opel Adam © Opel

Doch sieht man einmal von dem eingeschränkten Platz im Fond und im Kofferraum und dem nicht ganz überzeugenden Verbrauchswerten ab, gibt es nur wenig am Adam auszusetzen. Das Cockpit ist modern gestaltet, die Instrumente klar strukturiert und für die iPhone-Generation ist er sogar auch gedacht. Denn mit seinem innovativen Infotainment-System Intelli-Link (Aufpreis 300 Euro) lässt sich das Smartphone mit dem Fahrzeug vernetzten. Das geschieht so einfach, dass es selbst technisch weniger versierte Menschen auf Anhieb hinbekommen.

Die 300 Euro sind gut investiertes Geld, denn Intelli-Link beinhaltet nicht nur eine Freisprechfunktion über die Bluetooth-Schnittstelle des Telefons, sondern lässt sich zugleich auch als Navigationssystem nutzen. Dafür braucht man sich nur die BringGo-Smartphone-App runterzuladen und schon bekommt man eine wirklich gute Anwendung. Die Zielführung erfolgt über die Lautsprecher im Fahrzeug. Für Apple-User steht sogar Siri Eyes Free zur Verfügung.

Das sind allesamt nette Features, wie auch der Fahrradträger Flex-Fix (Aufpreis 590 Euro). Wer sich am Ende den kleinen Adam ganz nach seinem Geschmack zusammenstellen will, der muss indes etwas tiefer in die Tasche greifen. Während der Einstiegspreis für den Adam 1.2 mit 70 PS bei 11.500 losgeht, kostet der von uns gefahrene Adam Glam mindestens 15.885 Euro. Wer dann noch einige Nettigkeiten (siehe oben) dazu bestellt, der kommt ganz locker auf 17.000 Euro. Das ist dann bereits viel, viel Geld für einen Kleinwagen. Individualismus ist halt nicht ganz billig.






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