4. März 2016

Fahrbericht Pickup mit Komfortambitionen Nissan Navara: Bewahrer der Traditionen

Der Nissan Navara ist noch vom alten Schlag
Der Nissan Navara ist noch vom alten Schlag © Nissan

Früher waren die robusten Geländewagen noch keine Lifestyle-SUV. Heute halten nur noch Pickups wie der Nissan Navara die Nutzfahrzeugfahne hoch – aber auch schon mit Blick auf den Komfort.




Trotz Allrad-Trend und SUV-Boom: Robuste Arbeitstiere fürs Gelände sind auf dem deutschen Pkw-Markt mittlerweile Mangelware. Wer gerne abseits befestigter Wege unterwegs ist, greift daher immer häufiger zum Pick-up. Neuestes Modell in dieser stetig wachsenden Marktnische ist der Nissan Navara. In zwei Motor- und zwei Kabinenvarianten steht der Allrad-Pritschenwagen nun zu Preisen ab 27.395 Euro beim Händler.

Wer vor wenigen Jahren ein Offroad-Auto ohne Schnickschnack haben wollte, hatte die freie Wahl. Bei Nissan hießen die Modelle etwa Pathfinder, Patrol oder eben Navara. Übriggeblieben ist nur der Pick-up, die geschlossenen Geländewagen sind längst durch schnittige SUV für Asphaltstraßen ersetzt worden. Ein branchenweiter Trend, der auch am neuesten Allradler der Marke nicht spurlos vorbei geht.


Nissan Navara orientiert sich optisch an Qashqai und X-Trail

Denn schon optisch orientiert sich der neue Pick-up mit seiner kräftig modellierten Front an Nissans Crossover-Modellen Qashqai und X-Trail. Von letzterem stammt auch die Inneneinrichtung, die vielleicht eine Spur zu schick wirkt für ein Nutzfahrzeug. Die Ausstattungsliste ist außerdem mit Posten wie einem Notbremsassistenten und eine Klimatisierung für den Fond üppiger als in der Pick-up-Klasse sonst üblich.

Auch das Fahrverhalten hat Nissan domestiziert. Zwar wirkt der durchzugsstarke 2,3-Liter-Dieselmotor (120 kW/160 PS oder 140 kW/190 PS, letzterer optional mit Automatikgetriebe) weiterhin eher hemdsärmlig als kultiviert, das Fahrwerk hingegen macht einen großen Schritt Richtung Pkw-Niveau. An der starren Hinterachse sorgen nun Schraubenfedern für eine verbesserte Radführung, wodurch das Heck dem Bug präziser durch die Kurve folgt. Das Niveau von Qashqai und X-Trail wird so zwar nicht erreicht, doch das typische Pick-up-Trampeln konnte minimiert werden. Allerdings gibt es die Schraubenfedern nur bei Fahrzeugen mit Doppelkabine, bei den kleineren King-Cab-Modellen kommen weiterhin Blattfedern zum Einsatz.

Nissan Navara mit 60 Zentimetern Watttiefe

Der Nissan Navara lässt im Gelände Offroadern keine Chance
Der Nissan Navara lässt im Gelände Offroadern keine Chance © Nissan

Allen Navara-Varianten gemein ist aber der robuste Leiterrahmen und (mit Ausnahme des Einstiegsmodells) der zuschaltbare Allradantrieb. SUV verfügen längst über selbsttragende Karosserien und elektronisch geregelte 4x4-Systeme – schön für die Straße, schwächer im Gelände. Dort hängt der Navara schon auf dem Papier all die modischen Softroader mühelos ab: 22 Grad Rampenwinkel, 50 Grad Kippwinkel und 60 Zentimeter Wattiefe – um nur ein paar Kennzahlen zu nennen, die SUV-Fahrer in der Regel nicht mal in den technischen Datenblättern ihrer Modelle aufgeführt finden würden.

Was zunächst kompliziert und theoretisch klingt, stellt sich in der Praxis ziemlich simpel dar: Allradantrieb mit Untersetzung an und schon schiebt sich der Nissan unwiderstehlich im kraftvollen Kriechgang durch Schlamm und über Hindernisse. Dank des serienmäßigen Bergfahr-Assistenten ist das im Gelände gefürchtete Abwürgen des Motors nur mutwillig möglich, denn die Technik passt die Drehzahl selbstständig an die aktuellen Anforderungen an – auch ohne, dass der Fahrer das Gaspedal bedient.

Gleichzeitig bremst sie das Fahrzeug bei Bergabfahrten ein und fängt es auch bei versehentlichem Tritt auf die Kupplung sofort auf. Für extreme Einsätze ist zudem serienmäßig eine Differenzialsperre für die Hinterachse an Bord. Die Kombination aus robuster, aber altgedienter Allradtechnik und der intelligenten Elektronik macht den Navara zum leicht beherrschbaren, aber leistungsfähigen Offroader.

Verwandlung in Geländewagen vom alten Schlag

Fünf Personen passen in die Doppelkabine
Fünf Personen passen in die Doppelkabine © Nissan

Auch für die weiteren Positionen im Arbeitszeugnis gibt es gute Noten. Bis zu 3500 Kilogramm darf der Nissan an den Haken nehmen, rund eine Tonne Last kann auf die Pritsche und in der geräumigen Doppel-Kabine haben fünf Insassen Platz.

Etwas enger geht es im zweisitzigen Fond des King-Cab-Modells zu, dafür ist die Pritsche mit 1,80 Metern 22 Zentimeter länger als beim Double-Cab-Modell. Wer seine Ladung nicht Wind und Wetter aussetzen will, bestellt aus der Zubehörliste ein Hard-Top (ab 3404 Euro). Dann wird aus dem Pick-up auch optisch ein prototypischer Geländewagen vom alten Schlag. (SP-X)






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