27. Oktober 2015

Fahrbericht Mini-SUV mit 218 PS Nissan Juke Nismo RS: Polarisierendes Kraftpaket

Der Nissan Juke Nismo RS greift auf 218 PS zurück.
Der Nissan Juke Nismo RS greift auf 218 PS zurück. © NIssan

Bereits in Normalform ist der Nissan Juke eines der polarisierenden Autos dieser Zeit. Als sportliche Topvariante Nismo RS werden nicht nur die optischen Fähigkeiten des Mini-SUV stark unterstrichen.




Als Kind hat man sich oft etwas bei den größeren Geschwistern abgeschaut. So macht es auch der kleine Nissan Juke, der seinen bärenstarken Bruder GT-R beobachtet und solange trainiert hat, bis er sich Anfang dieses Jahres als Nismo RS zum Juke-Top-Modell entwickelte. Die neuen Muskeln machen sich nicht nur durch das angepasste Blechkleid bemerkbar.


Nissan Juke Nismo RS mit 218 PS

Schon der aufgemotzte und 147 kW/200 PS starke Juke Nismo hat dem polarisierenden Mini-SUV ein auffälliges Krönchen aufgesetzt. Ersetzt wird dieser nun durch den Nismo RS, der um 18 PS und 30 Newtonmeter stärker ist. Damit gibt es auch bei den Fahrleistungen feine Unterschiede: Erreichte der Nismo in 7,8 Sekunden Tempo 100, gelingt das dem Nismo RS in 7,0 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wurde um fünf km/h auf nun 220 km/h angehoben.

Breitere Schweller, aerodynamisch ausgefeilte Schürzen, einen Dachspoiler, eine um zwei Zentimeter tiefergelegte Karosserie, rote Zierstreifen, die sich um das ganze Auto ziehen, und rot lackierte Außenspiegel hatte der Nismo auch schon. Beim RS wurden unter anderem noch die Fahrwerksabstimmung geändert, die Bremsen vergrößert und ein mechanisches Sperrdifferential eingepflanzt. Zudem gibt es die leicht verändertere Front mit LED-Blinkleuchten im Außenspiegel und den optimierten Kühlergrill, den auch die zivilen Juke-Versionen nach dem Facelift tragen. Insgesamt sieht der mit dem RS-Kürzel - der für „Racing Sport“ steht - versehene Juke maskuliner, breiter und noch auffälliger aus als das Serienmodell. Das hat natürlich seinen Preis.

Nissan Juke Nismo RS für mindestens 28.500 Euro

Sportlich ist auch das Cockpit des Nissan Juke Nismo RS ausgelegt
Sportlich ist auch das Cockpit des Nissan Juke Nismo RS ausgelegt © Nissan

Unter 28.500 Euro rückt Nissan den Schlüssel eines Juke Nismo RS nicht heraus. Für diese Summe kommt das kleine SUV mit dem 1,6 Liter großen Benziner mit 160 kW/218 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe. Für 31.300 Euro gibt es CVT-Automatikgetriebe und Allrad, dann arbeiten jedoch vier Pferdestärken weniger unter der kurvigen blechernen Haut.

Wir laden den handgeschalteten Nismo RS, dem Vorderradantrieb genügt, zu einer schnellen Runde ein. Sind die optionalen Sportschalensitze von Recaro an Bord, sieht der Einstieg immer unbeholfen aus. Denn die hohen und steinharten Seitenwangen des 1500 Euro teuren Gestühls müssen von Fahrer und Beifahrer erst einmal überwunden werden. Hat man sich semi-galant hineingeschwungen, erfreut man sich jedoch umso mehr der bequemen Alcantara-Sitze, die stabilen Halt geben und auch auf längeren Strecken keinen Grund für Beschwerden liefern. Elemente aus Alcantara wurden auch am Lenkrad verarbeitet, das als Indiz der Sportlichkeit eine rote Markierung auf zwölf Uhr trägt. Einsätze in Carbon-Optik lassen das Interieur der Rennsemmel hochwertiger aussehen als im Standard-Pendant.

Nissan Juke Nismo RS auch in der Stadt sehr agil

Der Nissan Juke Nismo RS ist leichtfüßig und flink
Der Nissan Juke Nismo RS ist leichtfüßig und flink © Nissan

Auf der Straße zeigt sich der Bonsai-GTI ansprechend leichtfüßig. Lenk- und Bremsbefehlen folgt er präzise und wieselt dank mechanischem Sperrdifferential gut um die Kurve. In der Stadt wuselt er sich flink durch den Verkehr, hat zudem aufgrund der serienmäßigen Rückfahrkamera selbst vor kleinsten Parklücken keine Scheu.

Auf der Autobahn macht das 1,6-Liter-Aggregat mächtig Dampf, der Nismo RS nimmt willig Gas an und fühlt sich auf der linken Spur pudelwohl. Die Wege des Sechsganggetriebes sind knackig-kurz und passen zum sportiven Charakter des trainierten Japaners. Das Fahrwerk ist straff, leitet grobe Straßenunebenheiten jedoch nicht gänzlich ungefiltert an die Insassen weiter. Wenig überzeugend waren hingegen die drei unterschiedlichen Fahrmodi. Gravierende Unterschiede zwischen „Eco“, „Normal“ und „Sport“ zeigen sich beim zivilen Juke, beim RS spürt man diese allerdings kaum. Auch scheint das SUV dadurch nicht weniger durstig. Im Schnitt benötigte der Nismo RS mit aktiviertem Eco-Knöpfchen knapp neun Liter, Nissan gibt durchschnittlich 7,2 Liter an.

Zu seinem Durst gesellen sich andere unschöne Kleinigkeiten: Wer flott fährt, kommt in Nissans Mini-Renner wohl selbst auf Temperatur. Eine Sitzheizung gibt es für den Juke Nismo RS nicht. Und wer Allradantrieb an Stelle von Frontantrieb plus Differentialsperre will, muss das in Europa ungeliebte CVT-Getriebe mit seinem Gummibandeffekt in Kauf nehmen. Die wenigsten werden das wollen. (SP-X)






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