12. Januar 2015

Fahrbericht Neue Submarke für Exklusivität Mercedes-Maybach: Very schwäbisch

In einem Mercedes-Maybach lässt man sich fahren. Fotos ▶
In einem Mercedes-Maybach lässt man sich fahren. © Daimler

Daimler bringt im Februar den Mercedes-Maybach auf den Markt. Es ist das Auto für Superreiche, denen eine S-Klasse zu profan ist. Wer das Auto haben will, sollte aber auch das Kleingeld für einen Chauffeur einkalkulieren.




Von Frank Mertens

Es soll ja Menschen geben, denen die Mercedes S-Klasse schlicht zu profan ist. Der Komfort, der Luxus, den die "beste Serienlimousine der Welt" (Daimler-Chef Dieter Zetsche) bietet, reicht dieser Klientel offensichtlich nicht. Deshalb bringt der Stuttgarter Autobauer ab diesem Februar den Mercedes-Maybach auf den Markt, die neue Submarke der Schwaben.

Es ist das Auto für die Superreichen, die sich ihren besonderen Geschmack dann auch etwas kosten lassen: So steht der S 500 mit seinem V8-Motor mit 455 PS mit 134.000 Euro in der Preisliste, der S 600 mit dem V12 und 530 PS beginnt bei rund 188.000 Euro.


China wird wichtigster Markt

Das, so versteht sich, ist als Einstiegspreis zu verstehen. Wer sich in der Preisliste umschaut und hier und dort aus den Sonderausstattungen noch ein paar Nettigkeiten wie beispielsweise versilberte Champagnerkelche (3800 Euro) oder die Magic Body Control (5057 Euro/Serie beim S 600) auswählt, kommt locker in Bereiche von 250.000 Euro. Wer so viel für ein Auto ausgeben kann, der hat dann auch noch das nötige Kleingeld, um sich einen Chauffeur zu leisten.

Denn ein Maybach wird natürlich nicht selbst gefahren, zumindest nicht unter der Woche. Man lässt sich fahren - und das vor allem in China. Hier erwartet Mercedes dann auch mehr als die Hälfte der Verkäufe, wie Hermann-Joseph Storp sagt, der Entwicklungsleiter der S-Klasse und damit auch verantwortlich für den Mercedes-Maybach. Der Rest der Verkäufe geht unter anderem nach Russland (16 Prozent) und die die USA (10 Prozent). In Deutschland, so mutmaßen die Produktstrategen, werden sich wohl nur ein Prozent den Mercedes-Maybach leisten können oder wollen.

Zuversichtliche Absatzerwartung

Das Klientel, dass sich in der Liga der Luxuskarossen wie einem Rolls-Royce Ghost (ab 273.000 Euro) oder einem Bentley Flying Spur (ab 178.000 Euro) umschaut, wird weiter steigen. Der Index der Superreichen, der sogenannte "World Ultra Wealth Report" der Schweizer Großbank UBS, geht dann auch davon aus, dass die Zahl derjenigen mit einem Vermögen von derzeit 30 Billionen Dollar von aktuell über 211.000 Personen in fünf Jahren auf 250.000 steigern wird, die dann sogar über 40 Billionen US Dollar verfügen.

Bequem und leise unterwegs im Maybach
Bequem und leise unterwegs im Maybach © Daimler

Wer so viel Geld sein eigen nennt, für den ist ein Mercedes-Maybach dann quasi ein Schnäppchen, insbesondere im Vergleich mit einem Rolls-Royce. Also gute Aussichten für einen Absatzerfolg? Bei Mercedes zeigt man sich mit Blick auf jeden Fall sehr zuversichtlich, lässt sich dabei auch nicht von dem Misserfolg des Maybach irritieren, der vor drei Jahren und einem Absatz von 3200 Einheiten eingestellt wurde. "Wir werden vom Mercedes-Maybach in seinem Life-Cycle sicherlich mehr als diese 3200 Einheiten absetzen, ich kann mir schon einen Absatz von 10.000 Fahrzeugen vorstellen", sagt Storp.

Exklusivität ja, Protzerei nein

Die Chancen dafür dürften nicht schlecht stehen, nicht nur aufgrund des Index der Superreichen. Denn der Charme des Mercedes-Maybach dürfte für viele Milliardäre auch darin liegen, dass er von außen im Vergleich zu einem Rolls-Royce doch eher bescheiden daher kommt. Denn immer mehr Superreiche wollen zwar die Exklusivität, doch den damit einhergehenden Luxus soll man nicht gleich sehen: Nicht jeder will wegen seines unverschämten Reichtums beneidet werden. "Das ist mittlerweile auch immer stärker in China zu beobachten", so Storp.

Mercedes will mit dem Maybach die Superreichen ansprechen
Mercedes will mit dem Maybach die Superreichen ansprechen © Daimler

Seinen Luxus sieht man dem Mercedes-Maybach von außen auf den ersten Blick dann nicht an. Dafür ähnelt das Exterieur-Design dann doch zu sehr der S-Klasse. Natürlich gibt es auch Unterschiede: So sind die Fondtüren im Vergleich zur Langversion der S-Klasse um 6,6 Zentimeter kürzer, an der B-Säule prangt hinter den Dreiecksfenstern das Maybach-Logo und mit einer Länge von 5,45 Metern und einem Radstand von 3,36 Metern bringt er es im Vergleich zur S-Klasse mit langem Radstand auf ein Längenwachstum von je 20 Zentimetern, aber die S-Klasse-Gene bleiben bestimmend.

Ausstrecken für ein Schläfchen

Dieser Längenwachstum sorgt dann auch dafür, dass man im Innenraum so viel Platz vorfindet, dass man sich im Fond lustvoll auf die Loungesessel mit Nappa-Leder fallen lassen kann und sofort weiß, warum man so viel Geld für ein Auto ausgegeben hat. Natürlich sind die Türverkleidungen handgenäht und sorgen mit Blick auf die Verarbeitung für Manufaktur-Charakter, obwohl der Maybach im Mercedes-Werk in Sindelfingen auf dem gleichen Band wie die S-Klasse gefertigt wird. Aber vielleicht auch gerade deshalb.

Natürlich bietet der Maybach seinem im Fond sitzenden Passagieren so genannte Executive-Sitze, deren Lehnen bis zu 43,5 Grad geneigt werden können. Natürlich kann man auch eine Wadenauflage herausfahren, damit man es sich noch bequemer machen und sich in den Komfortkopfstützen mit zusätzlichen Kissen lümmeln kann. So kann man - während einen der Fahrer zum Ziel chauffiert - auch mal ein Schläfchen halten und über seinen Reichtum sinnieren.

Leiseste Serien-Limousine der Welt

Auch von hinten chic, der Mercedes-Maybach
Auch von hinten chic, der Mercedes-Maybach © Daimler

Dieses Nickerchen wird dann übrigens nur durch wenig Geräusche gestört. Denn durch ein vielfältiges Maßnahmenpaket wurde das Innenraumgeräusch so reduziert, dass der Mercedes-Maybach im Fond zur leisesten Serienlimousine der Welt avanciert. Gelungen ist dies unter anderem durch spezielle Dichtungen an den Fondtüren sowie besonders eingesetzten Dreiecksfenstern. Bislang durfte Rolls-Royce von sich behaupten, die leiseste Serien-Limousine anzubieten. Doch so wie die Schwaben die Aerodynamik immer mehr verbessern, setzen sie nun auch bei der Herabsetzung des Innenraumniveaus neue Benchmarks.

Über die Fahrleistungen muss man sich weder beim Mercedes-Maybach mit V12 noch mit V8 Gedanken machen. So verfügt der V12 über ein maximales Drehmoment von 830 Nm, der V8 immerhin noch über 700 Nm. Damit sprinten beide Modelle in je fünf Sekunden auf Tempo 100 und erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h. Auch wenn der Verbrauch in dieser Klasse für den Käufer nur eine nachgeordnete Rolle spielt, sei er dennoch verraten: der S 600 genehmigt sich 11,7 Liter, der S 500 8,9 Liter. Ausschließlich für den chinesischen Markt wird der Mercedes-Maybach auch mit einem V6 angeboten. Dort zählt dann weniger die Leistung, als die Länge und der Luxus.

Der Ausbau der S-Klasse-Familie ist mit dem Mercedes-Maybach noch nicht abgeschlossen. Es folgen noch der Pullman und ein Cabrio. Mit der S-Klasse mit kurzem und langen Radstand und dem Coupé weist das Portfolio der S-Klasse dann insgesamt sechs Modelle auf. Reiche und Superreiche haben damit die Qual der Wahl. Wohl dem, der keine solche Sorgen hat.






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