Mercedes A 45 AMG: Hang zum Understatement

Marktstart Ende September

Der Mercedes A 45 gibt sich zumindest äußerlich zurückhaltend.
Der Mercedes A 45 gibt sich zumindest äußerlich zurückhaltend. © Daimler

Freunde von sportlichen Kompaktmodellen können sich freuen. Denn Mercedes hat den A 45 AMG einer gründlichen Überarbeitung unterzogen – und dazu gehört auch mehr Leistung

Von Frank Mertens

Was sind schon 21 PS? Muss man daran auch nur einen Gedanken verschwenden, ob ein Auto nun 381 PS oder doch „nur" 360 PS hat? Sie nicht, ich auch nicht. Doch derjenige, der an Sportwagen interessiert ist, für den Performance das Nonplusultra ist, für den kann davon abhängen, ob er sich nun für oder gegen einen Kauf entscheidet.

Damit die Entscheidung für den Kauf ausfällt und keine Kunden zur Konkurrenz von BMW oder Audi abwandern, hat Mercedes dem 2.0 Liter Turbobenziner im Kompaktsportler A 45 AMG nun 21 PS mehr Leistung mit auf den Weg gegeben. Die Käufer dürfen damit von sich behaupten, im leistungsstärksten Serienvierzylinder der Welt unterwegs zu sein. So etwas zieht – und hat auch seinen Preis. Für den am 26. September auf den Markt kommenden A 45 AMG ruft der Hersteller aus Affalterbach selbstbewusste 51.051 Euro auf.

0,4 Sekunden schneller auf Tempo 100

Der Preis ist eine Ansage. Doch dafür bekommt der Kunde aber auch ein Auto, das keine Wünsche offen lässt. Damit man die Stärken seines neusten Modells auch hinlänglich ausprobieren kann, hat Mercedes-AMG in diesen Tagen auf den Lausitzring geladen. Gut, auch auf der Straße lässt sich dieser Kraftmeier erstaunlich gut fahren und erweist sich trotz seines sportlich straffen Fahrwerks damit als ausgesprochen alltagstauglich. Aber wer so viel PS unter dem Hintern durch die Gegend schaukelt, der sollte dies auf der Rennstrecke tun, wenn er denn wirklich erleben will, was ihn ihm steckt.

Da ist zunächst einmal seine unbändige Kraftentfaltung von 475 Nm, die einen beim unbedarften Kick aufs Gaspedal in die wohlkonturierten Sportsitze presst. Der Vierzylinder katapultiert einen in Kombination mit dem DCT-Siebengang-Sportgetriebe dann auch in gerade einmal 4,2 Sekunden auf Tempo 100. Das sind 0,4 Sekunden weniger als noch im Vorgängermodell. Sportwagenfans dürfte dies ein verschmitztes Lächeln aufs Gesicht zaubern. Das Ende der Gefühle ist bei Tempo 250 erreicht. Wem das nicht reicht, der kann optional mit dem Drivers Package auch 270 km/h fahren.

Sonorer Motorsound

Mercedes A 45 AMG
Das Cockpit im A 45 MG Daimler

Aber auch Fahrer wie ich, die sonst im Berliner Großstadtverkehr die Vorzüge von Kleinwagen schätzen und über SUVs und aufgemotzte Kompaktmodelle lästern, sind schnell von der Leistung des A 45 AMG begeistert. Damit ist nicht nur die Power gemeint, die der Vierzylinder dank der automatisch gesteuerten Abgasklappe mit einem sonoren Motorsound entfaltet. Es ist vielmehr die Souveränität, wie dieses Auto dem Fahrer das Gefühl gibt, in einem stimmigen, ja nahezu perfektem Auto unterwegs zu sein.



Dabei ist Topspeed das eine: Natürlich ist es beeindruckend, wie locker der A 45 AMG auf der langen Geraden des Lausitzrings erst locker Richtung 200 km/h beschleunigt. Doch noch viel beeindruckender ist seine Fahrdynamik. Souverän lässt sich dieser Mercedes durch die schnellen Kurvenpassagen des Eurospeedways jagen, dass es eine Freude ist. Man versteht in solchen Momenten schnell, weshalb von solchen Fahrzeugen eine solche Faszination ausgeht. Ermöglicht wird diese souveräne Traktion durch den Allradantrieb in Kombination mit dem Vorderachs-Sperrdifferenzial und dem Dynamic-Select Fahrprogramm. Damit lassen sich die vier Programme Komfort, Sport, Sport+ (damit waren wir auf dem Lausitzring unterwegs) und Individual auswählen. Sie verändern dann entsprechend die Charakteristik von Getriebe und Motor.

Verbrauch bei 6,9 Litern, theoretisch

Kompakte und SUV sorgen für Schwung bei Mercedes
Das Heck des A 45 Daimler

Wer im Komfort-Modus unterwegs ist, der kann dann zudem besonders effizient unterwegs sein, Denn mit diesem Fahrprogramm ist man dann auch mit einer kraftstoffsparenden Segelfunktion unterwegs. Das bedeutet was? Geht der Fahrer zwischen 60 und 160 km/h vom Gas, wird der Motor vom Antriebsstrang abgekoppelt, zugleich ist dann auch das Start-Stopp-System aktiv. So unterwegs soll sich der A 45 AMG, wie bereits sein Vorgänger, mit nur 6,9 Litern auf 100 Kilometern zufrieden geben. Nun ja, natürlich nicht mehr als ein theoretischer Wert.

Denn wer den Spaß an diesem 381 PS starken Kompaktsportler auch wirklich erfahren will, der muss sich beim Verbrauch schon um die zehn Liter einstellen. Aber wer so viel Geld für ein Auto ausgibt, für den kommt es dann auch nicht auf ein paar Liter mehr oder weniger an.

Eine der Stärken des neuen A 45 AMG ist übrigens sein dezenter optischer Auftritt. Andere Sportwagenfahrer, die an der Ampel überheblich zu einem rüber schauen, dürften überrascht sein, wenn dieser Kompakte locker an einem vorbeizieht. Dieser Hang zum Understatement verschafft dem neuen A 45 AMG weitere Pluspunkte.

Vorheriger ArtikelFiat Chrysler mit Millionen-Rückruf
Nächster ArtikelNissan zeigt Crossover-Concept
Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.