23. September 2016

Fahrbericht Sportwagen mit Dieselmotor Maserati Ghibli: Glänzt auch beim «Tunnelwand-Test»

Der Maserati Ghibli ist mit einem Diesel unterwegs.
Der Maserati Ghibli ist mit einem Diesel unterwegs. © Maserati

Bentley hat einen Diesel, Porsche ja auch – und Maserati auch. So kommt auch im Ghibli ein Selbstzünder zum Einsatz. Doch kann das in einem Sportwagen gutgehen? Es kann, wie unser Fahrbericht zeigt.




Es gibt viele sicher gut bezahlte Berufe rund ums Auto. Wie den des Sounddesigners zum Beispiel. Menschen, die mit feinen Ohren und einer Fülle von Messinstrumenten eine Akustik basteln, die dann den Innenraum beschallt. Dabei geht es nicht um Musik, sondern um Illusion. Mit Hilfe eines speziellen Abgassystems werden Laute erzeugt, die den Insassen einen Sound vortäuschen, den es eigentlich nicht geben dürfte.

Erlebbar ist das Töne-Puzzle auf dem Fahrersitz des neuen Maserati Ghibli, dessen an sich recht sanfter 3-Liter-Diesel beim Druck auf die Sporttaste wie ein kerniger Achtzylinder–Benziner anmutet. Auf den ersten Testfahrten bestand die Neuauflage des Ghibli den „Tunnelwand-Test“ mit Bravour. Denn nirgendwo kann man dem virtuellen Konzert so nachhaltig lauschen wie beim Gasgeben in den Gesteinsröhren oberhalb von Monaco.


Levante als hauseigene Konkurrenz

So also kann ein sportlicher Diesel klingen. Maserati und Diesel? Was Jahrzehnte lang undenkbar schien, wurde mit dem Ghibli zur Realität. Eine Sportwagen-Ikone schickt ihre Fans an die Dieselsäule, inzwischen auch beim großen Quattroporte und beim neuen SUV namens Levante. Gut 75 Prozent der Ghibli-Käufer nahmen das Angebot dankend an und bestellten fleißig. Insgesamt hatten rund zwei Drittel aller bei uns verkauften Modelle mit Neptuns Dreizack den Schriftzug Ghibli am Heck.

Diese Vormachtstellung wird der Schönling jedoch verlieren, wenn im nächsten Jahr die zahllosen Bestellungen für das SUV Levante in echte Autos umgewandelt werden. Trotzdem kümmern sich die Ingenieure weiter um den mit 4,91 Metern Länge kleinsten Maserati. Denn der hatte gegenüber seinen deutschen Rivalen wie die Mercedes E-Klasse oder der BMW 5er ein arges Defizit, musste bei der Frage nach all den modernen Assistenzsystemen passen. Chefingenieur Roberto Corradi räumt denn auch ein: „In diesem Bereich mussten wir massiv nachrüsten“. Mit einem ganzen Paket an modernen Systemen robbt sich der Italiener jetzt an die scheinbar übermächtigen Süddeutschen heran. Abstandsradar mit Stopp-and-Go-Funktion, Notbrems- und Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Warner, Einparkhilfe und 360-Grad-Kamera.

Alles Feinheiten, die anderswo schon in der Kompaktklasse zu haben sind. Gut Ding, will eben auch in Italien Weile haben. Neu ist auch der 8,4-Zoll-Touchscreenmonitor, der zur Kommandozentrale wurde. Mit ihm lassen sich neben der Navigation auch diverse Einstellungen per Fingerdruck erledigen. Zudem kann man ihn mit dem Smartphone verheiraten und auf Wunsch auch mit Apples Geisterstimme „Siri“ plaudern. Wer fettige Fingerabdrücke auf dem Glas des Monitors nicht leiden kann, nutzt jetzt das Einstellrädchen zwischen den Sitzen.

Aufgefrischtes Armaturenbrett

Das Heck des Ghibli
Das Heck des Ghibli © Maserati

Die Gestaltung des Armaturenbrettes und der Mittelkonsole wurde insgesamt dezent aufgefrischt. Bestellbar sind jetzt neue Ausstattungspakete, von denen eines sogar eine Außenwirkung hat. Das Carbon-Paket sorgt mit Applikationen an Türgriffen, Außenspiegeln oder Heckspoiler für einen sportlicheren Auftritt. In Summe fallen die Änderungen zum jetzigen Modell also nicht wirklich auf. Denn die von immer mehr Fans geschätzten Kernwerte der Kult-Marke blieben unangetastet.

Das wird bei der Kurvenhatz oberhalb des Fürstentums buchstäblich an jeder engen Ecke deutlich. Die Automatik von ZF tanzt – vor allem im Sportmode – durch ihre acht Stufen. Der Diesel mit seiner üppigen Durchzugskraft hängt fast gierig am Gas, stets spurtbereit und angriffslustig. Eine der sportlichsten Business-Limousinen, wenn deren Besitzer sich zwischen zwei Terminen austoben wollen. Natürlich gibt es auch Benziner im Ghibli-Angebot, sogar eine Version mit Allradantrieb. Aber schon der Diesel erfüllt den Wunsch der Andersdenkenden, die sich durch die Wahl eines italienischen Autos vom Mainstream unterscheiden wollen.

Eine durchaus teure Wahl, wenn man denn all die feinen Extras ordert, die die Preisliste bietet. Beispiele: Das Paket mit den Assistenzsystemen kostet zwischen 2250 und 3150 Euro. Für das Navi inklusive Einparkhilfe und Sitzheizung sind ebenfalls 2500 Euro fällig. Die erwähnte Carbon-Verschönerung rund ums Auto ist mit 2700 Euro auch kein Schnäppchen. Den Maserati-Fans wird´s egal sein. Sie freuen sich neben dem schicken Design über den Alltagsnutzen.

Der Kofferraum ist mit 500 Litern standesgemäß. Die Abstimmung von Federung und Dämpfern bietet im Normal-Mode lobenswerten Komfort für lange Strecken. Wen stört da, dass trotz des beachtlichen Radstandes von glatten drei Metern der Raum für die Knie der Hinterbänkler knapp wird, wenn die Frontinsassen ihre belederten Sportsitze allzu weit elektrisch nach hinten gleiten lassen. Aber ein Ghibli hat nun mal nicht den Anspruch einer Familienlimousine. Er zielt auf Freiberufler wie Zahnärzte, Anwälte oder Unternehmensberater. Und die haben für Ausflüge mit der Familie ohnehin noch einen dicken SUV in der Doppelgarage. (SP-X)






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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