30. August 2016

Fahrbericht Unterwegs mit Prototypen Hyundai i30: Unruhestifter in Reihe zwei

Der neue Hyundai i30 ist noch verklebt unterwegs.
Der neue Hyundai i30 ist noch verklebt unterwegs. © Hyundai

Hyundai läuft sich warm, um dem VW Golf Kunden streitig zu machen. Dem Bestseller aus Wolfsburg wollen bekanntlich viele Paroli bieten. Doch kann das mit dem in Korea entwickeltem Modell gelingen?




Die Karosserie verklebt, die Konturen kaschiert und der Innenraum mit dicken Tüchern verhängt: So richtig viel will dieser Prototyp von seiner Identität noch nicht preisgeben. Doch vom „GG“ auf dem Kennzeichen des Kompakten sollte man sich trotzdem nicht in die Irre führen lassen: Obwohl der Wagen in Landkreis Groß-Gerau zugelassen ist und durch Rüsselsheim fährt, ist es nicht der nächste Opel Astra, der sich hier für das ewige Rennen mit dem VW Golf warmläuft.

Entspannen kann sich der angeschlagene Marktführer aus Wolfsburg deshalb aber noch lange nicht. Denn längst kommt aus Rüsselsheim ein Rivale, der dem Dauerbrenner aus Niedersachsen global viel gefährlicher werden kann: Bühne frei für den neuen Hyundai i30, der sich rund um das Opel-Werk gerade für seine Premiere auf dem Pariser Salon warm läuft.


Entwickelt in Korea

Entwickelt wurde die neue Generation des kompakten Herausforderers zwar daheim in Korea. Schließlich ist der i30 ein Modell, das unter verschiedenen Namen überall auf der Welt angeboten wird. Aber weil Hyundai um die Befindlichkeiten der Europäer weiß und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen will, hat der Wagen seinen Feinschliff im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim bekommen.

„Wir haben definiert, wie das Fahr- und Lenkgefühl sein soll, wir haben das entsprechende Lastenheft dazu aufgestellt, die passende Simulation dafür entwickelt und die Ergebnisse auf vielen Tausend Testkilometern immer wieder überprüft“, sagt Axel Honisch, der die Erprobung geleitet und den i30 in den letzten zwei Jahren so zum waschechten Europäer gemacht hat. Ein europäisches Fahrverhalten, das ist für Honisch vor allem bestimmter, agiler und dynamischer als es bei Hyundai bisher war. Deshalb haben er und sein Team die neue Lenkung spürbar direkter ausgelegt, es gibt eine neue Hinterachse, und dass der neue i30 mit einem größeren Anteil an hochfesten Stählen leichter und steifer geworden ist, spielt den Entwicklern natürlich ebenfalls in die Hände.

Der Weg ist das Ziel

Das Ergebnis kann man deshalb schon im Prototypen spüren: Der i30 wirkt engagierter und fesselt seinen Fahrer mehr. Man schwimmt nicht mehr teilnahmslos im Verkehr mit, sondern greift beherzter ins Lenkrad, gibt bewusster Gas und schneidet schneller durch die Kurven. Zu einem Golf GTI ist der Abstand zwar noch immer so groß, dass es vielleicht erst das Sportmodell der neuen Sub-Marke N-Brand braucht, um auch nur halbwegs aufzuschließen. Doch ging es im grundsoliden aber kreuzbraven Vorgänger vor allem ums Ankommen, ist jetzt schon der Weg das Ziel – zumindest ein bisschen.

Fühlen kann man diesen Fortschritt schon. Nur sehen darf man ihn noch nicht. Das Design mit dem Kaskaden-Grill im neuen Familiengesicht jedenfalls will Hyundai erst in Paris enthüllen und auch die Tücher im Innenraum sollen nicht vor der Messe fallen. Viel mehr als der Eindruck von einer etwas flacheren, muskulöseren Silhouette und einem piekfeinen und sauber aufgeräumten Innenraum bleibt deshalb von der Erstbegegnung noch nicht haften.

Drei Benziner, ein Diesel

Seitenansicht des neuen i30
Seitenansicht des neuen i30 © Hyundai

Während Honisch und seine Kollegen bereitwillig über die Abstimmung plaudern, werden sie bei Antrieb, Aufbau und Ausstattung ungewöhnlich schmallippig: Viel mehr, als dass es zur Markteinführung drei Benziner und einen Diesel geben wird, lassen sie sich deshalb nicht entlocken. Selbst die Kombi-Premiere im nächsten Sommer sowie das viertürige Coupé als Ersatz für den nicht mehr angebotenen Dreitürer sind nur Gerüchte. Und wenn sie bei den Prototypen nicht ihre spannendsten Extras weggelassen haben, wird man wohl auch elektronisch keine großen Überraschungen erleben: Strahlende Displays, ein bisschen mehr Infotainment und die üblichen Assistenten – da scheint der neue i30 ganz der alte zu bleiben.

So ambitioniert Hyundai ist und so angeschlagen VW gerade wirkt, muss sich der Golf vor dem Koreaner deshalb wahrscheinlich nicht mehr fürchten als bisher. Doch in der zweiten Reihe könnten die Asiaten durchaus für ein wenig Unruhe sorgen, zum Beispiel beim Rüsselsheimer Rivalen Opel. Aber genau wie in der Bundesliga haben solche Lokalderbys auch im Autobaumobilbau ja ihren ganz besonderen Reiz. Vielleicht nicht für die Beteiligten, aber zumindest für die Zuschauer. (SP-X)






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