Volvo XC60 Ocean Race: Auf Segeltour im Schweden-SUV

Vielzahl von Assistenz-Systemen

Der Volvo XC60 bietet ein anständiges Fahrverhalten. © AG/Mertens

Der Volvo XC60 ist das kleinste SUV der Schweden. Was der Geländewagen in der Ausstattung Ocean Race neben seinem selbstbewussten Preis zu bieten hat, zeigt unser Test mit dem 163 PS starken Diesel.

Von Frank Mertens

Die Zeiten, in denen ein SUV schlicht ein SUV war, sind irgendwie vorbei. Das trifft auch auf den Volvo XC60 zu. So bezeichnen die Schweden, die mittlerweile zum chinesischen Geely-Konzern gehören, ihren Geländewagen dann auch als Crossover-Modell, einer Kombination aus XC-Range und Sportcoupé. Nun ja, dem Kunden des XC60 kann diese krude Beschreibung, so er mit ihr überhaupt etwas anfangen kann, egal sein.

Für ihn stehen vielmehr die Eigenschaften und Leistungsdaten dieses SUV´s im Vordergrund – und davon hat dieses Auto eine Menge. Da sind zunächst einmal die Abmessungen: der XC60 bringt es auf eine stattliche Länge von 4,62 Metern, eine Breite von 1,89 Metern und einer Höhe von 1,71 Metern. Von kompakten Abmessungen kann damit keine Rede sein – der Volvo zeigt, was er hat und das ohne Zurückhaltung. Understatement ist seine Sache nicht. Wer den Volvo also so vor sich stehen sieht, glaubt, dass er auch im Innenraum über ausreichend Platz verfügt – doch weit gefehlt. Wer in ihm Platz nimmt, wird enttäuscht.

Volvo XC60 im Fond etwas beengt

Gut, für Fahrer und Beifahrer gibt es ausreichend Raum, es sich so richtig auf den wohlgeformten Sitzen bequem zu machen, doch wenn auf den Vordersitzen zwei Großgewachsene sitzen, wird es für die Mitreisenden im Fond doch etwas eng. Hier wünscht man sich doch etwas mehr Kniefreiheit, vor allem bei den Abmessungen dieses Volvo. Sieht man davon ab, vermittelt der Innenraum eine ausgesprochene Wohlfühlatmosphäre.

Ein Blick in den Innenraum des Volvo AG/Mertens

Von uns getestet wurde der XC60 mit 163 PS in der Ausstattungslinie Ocean Race. So unterwegs, ließ die Ausstattung keine Wünsche offen. Dazu gehören unter anderem straffe Ledersitze mit einem guten Seitenhalt, zur Freude des mitfahrenden Sohns an der Rückseite der Kopfstützen angebrachte Video-Screens und eine Vielzahl von Fahrassistenten wie den Totwinkel-Assistenten BLIS, ein Aktives Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystem mit Fußgängererkennung mit automatischer Bremsfunktion.

Gut, manchmal kann es des Guten zu viel sein, aber zum Glück kann man die Assistenzsysteme auch ausstellen, wenn man denn vom Geblinke und Gepiepse allzu sehr genervt wird. Doch am Ende des Tages sind diese Systeme doch hilfreich und fördern die Sicherheit. So weiß man es auf langen Autobahnfahrten zu schätzen, wenn das Abstandsregelsystem im Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 200 km/h für einen konstanten Abstand zum Vordermann sorgt und das Fahrzeug automatisch abbremst, wenn der Abstand zu kurz wird.

Radarsystem erkennt Fußgänger

Der Fünfzylinder-Diesel leistet 163 PS AG/Mertens

Daneben verfügt der XC60 auch über eine Fußgängererkennung. Mittels eines Radarsystems werden so bis zu einem Tempo von 30 km/h im Idealfall Personen auf der Fahrbahn erkannt und eine Vollbremsung eingeleitet, sollte der Fahrer nicht auf den vorherigen Warnton reagieren. Gerade im Stadtverkehr ein nicht zu unterschätzender Aspekt für die eigene Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer.

Bestandteil des Sicherheitspakets ist auch das so genannte Driver Alert, dass mittels eines Balkendiagramms anzeigt, ob der Abstand zum Vordermann in Ordnung ist. Ist er es nicht, gibt es ein so lautes Geräusch, dass man ab diesem Zeitpunkt lieber nicht noch einmal zu dicht auf das vor einem fahrende Auto auffährt.

Die Seitenansicht des Volvo XC60 AG/Mertens

Die Fahrleistungen des von uns getesteten XC60 sind nicht zu beanstanden. Der Fünfzylinder-Diesel ist ein sehr laufruhiges Aggregat, selbst im kalten Zustand schont er die Ohren des Fahrers. Die 163 PS reichen aus, um das fast 1,9 Tonnen wiegende Fahrzeug durchaus dynamisch bewegen zu können. Das maximale Drehmoment von satten 400 Nm wird zwischen 1400 und 2850 Touren in der Minute zur Verfügung gestellt.

Seine Sprintzeit auf Tempo liegt bei guten 10,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit bei 200 km/h. Einen guten Eindruck hinterlässt die manuelle Sechsgangschaltung, das trifft auch auf die direkt ansprechende Lenkung zu.

Fahraktiver Begleiter

Trotz seines hohen Karosserieaufbaus neigt der Volvo kaum zur Seitenneigung, was ihn durchaus zu einem fahraktiven Begleiter werden lässt. Aber allzu viel Sportlichkeit sollte man ihm in Kurven dann doch nicht abverlangen – man ist hier nun einmal in einem SUV unterwegs und in keinem Sportcoupé.

Als Verbrauch werden auch dank eines Start-Stopp-Systems 5,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer in Aussicht gestellt, was einem CO2-Ausstoß von 149 pro Kilometer entspricht.

Das Heck des Volvo XC60 Volvo

Doch diesen Wert konnten wir bei den Testfahrten nicht erzielen, hier genehmigte sich der Schwede 7,4 Liter – was für ein Auto dieser aber auch noch in Ordnung geht. Der Basispreis für den XC60 Drive beginnt bei 35.770 Euro. Und die Betonung liegt sprichwörtlich auf beginnt. Denn für die Ausstattungslinie Ocean Race unseres Testwagens werden nochmals 2300 Euro fällig. Darin enthalten sind neben der bereits im Basispreis enthaltenen Klimaanlage noch Ledersitze, spezielle Leichtmetallfelgen, ein Lederlenkrad und Zierleisten mit der Aufschrift dieses von Volvo gesponsorten Segelwettbewerbs.

Wer dann noch das Fahrassistenzpaket (Aufpreis 1950 Euro) mit dem Abstandsregelsystem, BLIS und dem Driver-Alert, die wegen der schlechten Rundumsicht unbedingt zu empfehlenden Einparkhilfe (770 Euro), Xenon-Scheinwerfer (1370 Euro) bestellt, kommt locker über einen Preis von weit über 40.000 Euro. Das ist sehr viel Geld, doch die Schweden lassen sich ihrem Premiumanspruch halt auch entsprechend bezahlen.