8. Dezember 2006

Fahrbericht Seat Leon Cupra: Blitzschnell um die Ecken

Seat Leon Cupra
Seat Leon Cupra © Foto: Werk

Ab Januar bietet Seat den kompakten Leon auch als schnelle Cupra-Version mit 240 PS an. Im Fahrtest erwies sich der Sportler als agiler Kurvenräuber ohne allzu große Härte.




Von Kai Kolwitz

Der 2,0 TSFI-Motor ist so eine Art Allzweckwaffe des Volkswagen-Konzerns, wenn es darum geht, Großserienmodelle in heiße Fahrzeuge zu verwandeln. Die Leistung kann dabei durchaus unterschiedlich ausfallen: Im Audi S3 findet sich der Direkteinspritzer-Benziner mit Turbo-Aufladung in einer 265-PS-Version, im Golf GTI und im Skoda Octavia RS müssen 200 PS reichen für das zügige Vorankommen. Ab dem Jahreswechsel wird nun auch die vierte Volumenmarke des Konzerns von dem Aggregat profitieren: Die Maschine befeuert den neuen Leon Cupra, die traditionell heißeste Version des spanischen Kompakten - und das für einen Basispreis, der satte 8000 Euro unter dem des Audi S3 liegt. Bei besserer Serienausstattung.


Schnell und unspektakulär

Das führt fast automatisch zu der Frage, wo denn beim Seat gegenüber der Premium-Marke gespart worden ist. Und zu der Antwort: Nun, beim Antrieb zum Beispiel. Während im Audi alle vier Räder an der Kraftübertragung beteiligt sind, muss der Leon Cupra mit Frontantrieb auskommen. Eher marketing-technische Gründe dürfte es (siehe oben) dagegen haben, dass die Leistung der Maschine gegenüber dem S3 von 265 auf 240 PS reduziert worden ist. In der Höchstgeschwindigkeit sorgt das dafür, dass der Seat die Abregel-Marke von 250 Kilometern pro Stunde knapp verfehlt: Bei 247 Kilometern pro Stunde ist Schluss, ein Verlust, der sich im Alltagsbetrieb jedoch verschmerzen lassen dürfte.

Aber wie fährt er sich denn nun, der spanische Kampf-Kompakte? Gemessen daran, dass das Seat-Marketing nicht müde wird, die Rennsport-Gene des Leon Cupra herauszustreichen, ist es fast schon ein bisschen unspektakulär, was passiert, wenn der Fuß das Gaspedal herunterdrückt. Hat man sich erst einmal an die auf den ersten Tritt, mit Verlaub, etwas biestige Kupplung gewöhnt, dann stellt man fest: Der Wagen geht richtig gut nach vorne - 6,4 Sekunden von null auf hundert und ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern schon ab 2200 Umdrehungen sprechen da eine deutliche Sprache.

Aber den Vortrieb erledigt der Cupra eben gleichmäßig und ausgewogen, ohne Beschleunigungsspitzen und Zerren in der Lenkung. So dauert es ein paar Minuten, bis man erkennt, was in dem Kraftpaket wirklich steckt: Der Seat hängt spontan am Gas, dreht sauber und zügig hoch und ist in allen Lebenslagen bemerkenswert elastisch. Einzig die Schaltung ist ein bisschen knochiger als sie sein es sollte: Zwar lassen sich die Gänge schnell und sauber einlegen, aber handschmeichelnd sind die Wechsel zwischen den sechs Fahrstufen nicht wirklich.

Keine übergroße Härte

Die Seitenansicht des Seat leon Cupra
Die Seitenansicht des Seat leon Cupra © Foto: Werk

Auf das aus dem Audi bekannte DSG-Doppelkupplungs-Getriebe hat der Seat-Käufer dagegen selbst gegen Aufpreis keinen Zugriff. Falls die Kundenwünsche es rechtfertigten, könne man hier jedoch zügig nachlegen, heißt es dazu vom Hersteller. Dafür macht der durchzugsstarke Antrieb im Zusammenspiel mit dem Fahrwerk klar, wo das eigentliche Terrain des Leon Cupra liegt: Auf der Landstraße nämlich. In 6,4 Sekunden erledigt der Seat den Überhol-Sprint von 80 auf 120 Kilometer pro Stunde nach Herstellerangaben - und auf der Testfahrt in den Hügeln der Umgebung von Madrid sind langsamere Fahrzeuge in der Tat nur kurzzeitig ein Grund, das Tempo zu drosseln.

In kurvigen Passagen zeigt sich dann: Dank seiner unaufgeregten Abstimmung hat der Cupra immer noch ein paar Reserven mehr, als man das vorher erwartet hätte. 14 Millimeter tiefer als die Serie, versehen mit Alu-Achsschenkeln und Trapezlenkern und 18-Zoll-Alus nebst 225/40-Niederquerschnittsreifen, lässt sich der Sport-Leon ausgesprochen knackig um die Ecken dirigieren, ohne dass der Komfort dabei auf der Strecke bleibt.

Markante Frontpartie

Nicht bretthart habe man den Wagen sein lassen wollen, so Christoph Vierling, bei Seat Direktor des Produktmanagements. «Straff, aber komfortabel», diese Zielvorgabe hat der Cupra definitiv erreicht - selbst tiefere Schlaglöcher bügelt der Wagen gemessen an seinen sportlichen Ambitionen gut weg, nur bei schnell überfahrenen Querfugen auf der Autobahn zeigt er ein wenig, dass zwischen Felge und Asphalt nur noch sehr wenig Gummi und Luft Platz finden. Dazu ist der Wagen bemerkenswert neutral - man muss es schon darauf anlegen, um den Seat dazu zu bringen, sich als Fronttriebler zu erkennen zu geben.

18 Zoll und roter Bremssattel: Vorderrad des Leon Cupra
18 Zoll und roter Bremssattel: Vorderrad des Leon Cupra © Foto: Werk

Auch optisch macht der Seat klar, dass er ein paar mehr als nur die normalen Pferdestärken unter der Haube hat - dass es niemand übersehen wird, dafür sorgt vor allem die modifizierte Front mit ihren großen Lufteinlässen und dem geänderten Kühlergrill. Dazu kommen schwarze Außenspiegel, ein ovales Endrohr und ein Cupra-Abzeichen auf dem Heck des Wagens.

Ebenfalls ihren Teil zum Fahrspaß tragen die Sportsitze mit ihren hohen Seitenwangen bei: In schnellen Kurven bieten sie guten Seitenhalt, ohne dabei einengend zu wirken. Gut aufhoben fühlt man sich dadurch zwischen Lederlenkrad, Alu-Pedalerie und sechs Airbags, zu denen gegen Aufpreis noch zwei weitere kommen können. Ein bisschen budget-orientiert wirken dagegen ein paar andere Innenraumdetails - das monochrome Display in der Mittelkonsole etwa, dass ein wenig von der Zeit überholt wirkt. Aber irgendwie muss der Preisvorteil gegenüber anderen ja erreicht werden - und besser hier, als bei Antrieb oder Fahrwerk.

Das Cockpit des Seat Leon Cupra
Das Cockpit des Seat Leon Cupra © Foto: Werk

Vorschläge an den Lenker

Exakt 26.867,33 Euro ruft Seat für den Cupra auf, inklusive der ab Januar geltenden höheren Mehrwertsteuer. Darin enthalten sind Goodies wie etwa Bi-Xenon-Scheinwerfer nebst Kurvenlicht, eine Zwei-Zonen-Klima-Automatik, CD-Radio und diverse elektrische Helferlein in Sachen Sicherheit: Neben den obligatorischen Features Anti-Blockier-System und Traktionskontrolle sind das unter anderem ein Bremsassistent und die so genannte «Driver Steering Recommendation» DSR, die dem Fahrer Vorschläge zum Gegenlenken unterbreiten soll, wenn der Wagen droht, instabil zu werden - in Form eines sanften Drucks im Lenkrad.

Angesichts des Preises ist der Seat in der Summe seiner Eigenschaften damit ein richtig gutes Angebot: Ford Focus ST und Golf GTI sind zwar noch ein weniger preiswerter, haben aber auch weniger Leistung, für Opels gleichstarken Astra OPC werden rund 1500 Euro mehr fällig, und die stärkeren und allrad-getriebenen Audi S3 und GolfR32 liegen beide deutlich über der 30.000er-Marke.

«Die Polizei hat heute schon zwei Wagen aus dem Verkehr gezogen. Jetzt sind sie erst recht aufmerksam geworden», hatte man uns schon am Anfang des Testtages gewarnt. Und angesichts von Durchzug und Handling des Seat Leon Cupra bleibt als Fazit: Es tut manchmal weh, sich in jeder Lebenslage an Tempolimits halten zu müssen.






Mehr zur Marke Seat

Spanische Schwester des VW GolfSeat Leon: Jünger ist besser

Der Seat Leon fristet in Deutschland ein Nischendasein im Schatten des Golfs. Dabei entpuppt sich die aktuelle Generation als lohnenswerte Alternative zum Klassiker aus Wolfsburg.


Größte Produktoffensive der MarkeSeat Deutschland auf dem Weg zum Podium

Jahrelang bescherte Seat dem Volkswagen-Konzern rote Zahlen. Doch während jetzt die Kernmarke schwächelt, blüht die Tochter aus Spanien auf und blickt hoffnungsvoll auf die kommenden Jahre – besonders die deutsche Filiale.


Nach Ateca und AronaSeat bringt 2018 drittes SUV-Modell

Seat baut sein Modellangebot aus. Neben dem Ateca und dem noch in diesem Jahr kommenden Arona wird es ab 2018 ein weiteres SUV-Modell geben. Auch wirtschaftlich läuft es rund.



Mehr aus dem Ressort

50 Kilometer rein elektrischPorsche Panamera Turbo S E-Hybrid: Der Familien-Spyder

Porsche setzt seine Elektrifizierung fort. So stellt der Panamera Turbo SE-Hybrid das Topmodell der Baureihe dar. Es soll sich mit einem Verbrauch von 2,9 Liter begnügen. Hört sich gut an. Doch wie schaut die Realität aus?


Briten bringen weiteres SUVRange Rover Velar: Sportlichkeit als große Stärke

SUV liegen bei den Kunden im Trend. Das Segment boomt. Davon profitiert auch Land Rover. Nun bringen die Briten mit dem Velar die vierte Range-Rover-Baureihe auf den Markt.


Porsche Panamera Sport Turismo neu Aufmacher Porsche
Nach Limousine nun auch als KombiPorsche Panamera Sport Turismo: Der schönere Panamera

Braucht man das? Einen Kombi von Porsche? Braucht man nicht, ist die erste Reaktion. Doch wenn man erst einmal im neuen Sport Turismo gesessen hat, ändert man schnell seine Meinung. Auch wegen seines Designs.