13. Juli 2006

Fahrbericht Saab 9-3 SportCombi: Flotter Schwede

Der Saab 9-3 SportCombi 2.0 T
Der Saab 9-3 SportCombi 2.0 T © Foto: Werk

Mit dem 9-3 SportCombi stellt sich Saab der Konkurrenz im Mittelklassesegment. Der Schwede schlägt sich dabei beachtlich. Seine 2.0 Liter-Turbomaschine bringt den Frontantrieb jedoch an seine Grenzen.




Von Stefan Zaumseil

Wer sich nach einem Mittelklassekombi umschaut, denkt schnell an 3er Touring, C-Klasse, A4 Avant - oder den gut aussehenden Volvo V50. Erst mit Verspätung trat Saab mit dem 9-3 SportCombi in das hart umkämpfte Segment ein. Endlich ein kleiner Kombi von den Schweden. Hat er eine Chance gegen die etablierte Garde?


Mattglas-Rücklichter

Die bei Saab traditionelle Seitenansicht mit dem abgesetzten dritten Seitenfenster wurde durch das auffällige Heckstyling mit tief heruntergezogenen weißen Mattglas-Rücklichtern ergänzt. Bereits Limousine und Cabriolet aus der 9-3-Reihe können sich sehen lassen. Doch der SportCombi ist die optisch wohl eindrucksvollste Version. Eine quer unter der gewölbten Heckscheibe laufende Zierleiste aus gebürstetem Aluminium vermittelt einen edlen Touch. Insgesamt ein dezenter und typischer skandinavischer Look.

Die Seitenansicht des Saab
Die Seitenansicht des Saab © Foto: Press-Inform

Die Design-Euphorie verfliegt jedoch schnell angesichts des Innenraums - zwar sind die Bedienelemente des Lederlenkrads und die Schaltkulisse der Mittelkonsole in gebürstete Aluminiumflächen eingefasst. Der Rest des Armaturenbrettes unterscheidet sich jedoch nur marginal vom bisherigen Saab-Standard. Zugegeben, alles ist am richtigen Platz, gut zu bedienen und übersichtlich angeordnet, doch das Design hätte modernisiert und vor allem die Haptik verbessert werden können. Das Platzangebot auf den vorderen Sitzen ist wie von der Limousine gewohnt gut, die Sitze bequem mit ausreichendem Seitenhalt. Hinten wird es deutlicher enger, jedoch ist für zwei Personen ordentlich Platz. Familien mit mehr als zwei Kindern schauen sowieso in andere Fahrzeugsegmente.

Ausreichend Stauraum

Trotz der kompakten Proportionen des 9-3 SportCombi ist der Kofferraum ordentlich: 419 Liter Stauraum sind typisch Mittelklasse und lassen sich durch umklappen der Rücksitzlehnen (60:40) bis auf 1273 Liter erweitern. Nicht gigantisch, aber immerhin. Der Beifahrersitz lässt sich für eine Durchladelänge von fast drei Metern ebenfalls umklappen.

Nützlich: In den Kofferraumboden ist ein Griff integriert, mit dem der mittlere Teil schräg nach oben bewegt werden kann und einen darunter angeordneten zweiten Stauraum frei gibt. Gut: Die niedrige Ladekante und die weit öffnende Heckklappe. Für den neuen SportCombi wurde die bekannte Fahrwerksdynamik der Limousine übernommen und vermittelt den richtigen Kompromiss zwischen sportlich straff und reisetauglichem Komfort, dabei bleibt der Saab 9-3 SportCombi in allen Situationen dank der präzisen Lenkung kalkulierbar und leicht untersteuernd. Das neu entwickelte ESP-Plus greift nicht zu früh ein und gestattet ein sportliches Handling mit exzellenter Stabilität, nebenbei bietet es eine Berganfahrhilfe.

Zerrung an der Lenkung

Die 2.0 Liter-Turbomaschine im Saab
Die 2.0 Liter-Turbomaschine im Saab © Foto: Werk

Weniger schön dagegen ist das heftige Zerren des Antriebes an der Lenkung: Die 210 PS des 2-Liter-Turbomotors überlasten bei voller Beschleunigung den Frontantrieb deutlich. Allzu schnell wünscht man sich Heck- oder Allradantrieb. Die Akustik des Vierzylinder-Turbos mit variabler Turbinengeometrie und Ladelüftkühler aus dem Konzernregal passt gut: Motor und Auspuff erzeugen einen sportlichen Sound mit aggressiven Touch an der oberen Drehzahlgrenze.

Zusammen mit dem knackigen Sechsganggetriebe und dem guten Fahrwerk macht der SportCombi seinem Namen alle Ehre und animiert zu betont sportlichem Fahren. Das hat jedoch seinen Preis: Nach flotteren Landstraßen- oder Autobahnpassagen steht die Verbrauchsanzeige des Bordcomputers schnell auf über 14 Liter, insgesamt lag der Testverbrauch jedoch bei zu durstigen 11,5 Litern Super pro 100 Kilometer.

Die Sicherheitsausstattung ist, wie man es von Saab kennt, ausgezeichnet: Rundherum adaptive Airbags, aktive Kopfstützen vorn, Gurtstraffer, Isofix-Kindersitzbefestigungen, ABS, ESP Plus, Kurvenbremskontrolle, Traktionskontrolle sind ebenso serienmäßig wie elektrische Außenspiegel und Nebelscheinwerfer.

Die Felgen des Saab sehen schick aus
Die Felgen des Saab sehen schick aus © Foto: Press-Inform

Die Grundausstattung des Saab 9-3 2.0T SportCombi in der Basisversion «Vector» kostet ab 34.000 Euro und ist bereits ordentlich ausgestattet. Sie verfügt über LED-Rückleuchten, Bordcomputer, Gepäcknetze, Mittelarmlehne hinten, elektrische Fensterheber, CD-Spieler und Klimaanlage. Elektrisch anklappbare Außenspiegel, Regensensor, Tempomat, Parking-Assistent und Glas-Hubschiebedach sind Bestandteil des Comfort-Paketes für 1100 Euro Aufpreis. Noch mehr Ausstattung bieten das Premium-Paket unter anderem mit elektrisch verstellbarem Fahrer- und Beifahrersitz inklusiv Memory-Funktion für 1400 Euro sowie das Business-Paket mit Infotainment und Telefonfunktionen für weitere 2970 Euro.






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