23. Oktober 2012

Fahrbericht 90 PS-Diesel mit hohem Verbrauch Mini Countryman: Auffallen garantiert

Der Mini Countryman polarisiert den Betrachter. Fotos ▶
Der Mini Countryman polarisiert den Betrachter. © BMW

Eines ist gewiss: Mit dem Mini Countryman fällt man im Straßenverkehr auf. Was das Lifestyle-Vehikel der BMW-Tochter zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht mit dem 90 PS starken Einstiegsdiesel.




Von Frank Mertens

Man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Ein Dazwischen scheint es beim Mini Countryman offenbar nicht zu geben. Als der neue Testwagen vor dem Haus stand, war der Nachbar einfach begeistert. "Der sieht ja klasse aus." Doch in der eigenen Familie gingen die Meinungen auseinander. "Nein, der gefällt mir überhaupt nicht. Das ist kein Mini mehr", sagte die Ehefrau.

Da half es auch nichts, dass ich ihr sagte, dass man einem Auto auch mal eine Chance geben müsse. Von ihrer Meinung ließ sie sich nicht mehr abbringen. "Super, den möchte ich behalten", sagte indes der zehnjährige Sohn. Zumindest bei Autos teilt er den Geschmack des Vaters.


Erhöhte Sitzposition im Countryman

Denn der Mini Countryman ist ein Hingucker. Klar, ein richtiger Mini ist dieser Countryman mit seinem erhöhten Aufbau nicht mehr. Doch damit hat er neue Kunden zur Marke gebracht. Es ist eine Klientel, dass sich beispielsweise beim Ein- und Aussteigen aus einem Auto mittlerweile etwas mehr Komfort wünscht. Irgendwann kommt halt für jeden Autofahrer der Zeitpunkt, bei dem man sich nicht mehr mühevoll aus dem Sitz herausarbeiten möchte. Nicht von ungefähr erfreuen sich Kompakt-SUVs bei den Kunden hoher Beliebtheit. Sie schätzen neben diesem Aspekt vor allem auch die erhöhte Sitzposition – beides bringt der Countryman mit, und noch viel mehr. Dazu gehört auch sein mini-typisches Fahrgefühl, von vielen gerne auch als Go-Kart-Feeling umschrieben.

Blick in den Innenraum des Mini Countryman
Blick in den Innenraum des Mini Countryman © BMW

Es macht Spaß, so mit dem rund 4,10 Meter langen Countryman durch die Stadt zu fahren. Für die Testfahrten haben wir den Countryman One D mit 90 PS ausgewählt, den Einstiegsdiesel in diese Mini-Welt. Klar, mit 90 PS ist er wahrlich kein Ausbund an Sportlichkeit, aber er macht seine Sache gut, wirklich gut.

Man fühlt sich mit ihm im Stadtverehr ausreichend motorisiert, kann sich durchaus dynamisch durch die volle City schlängeln. Sein Drehmoment von 215 Nm liegt zwischen 1750 bis 2500 Umdrehungen an, was ein durchaus schaltfaules Fahren ermöglicht. Das ist eigentlich schade, denn das manuelle Sechsganggetriebe lässt sich knackig schalten. Einen guten Eindruck hinterlässt auch die direkt ansprechende Lenkung.

Luftholen beim Überholen

Geht es mit dem Countryman auf die Autobahn, sieht es mit der Dynamik schon anders aus. Für den Sprint auf Tempo 100 benötigt er 12,9 Sekunden und wer mal schnell überholen will, sollte schon genau auf den hinter sich befindlichen Verkehr achten. Denn 90 PS sind nun einmal nur 90 PS und der Zwischensprint von 80 auf 120 km/h in 15,9 Sekunden kommt einem gefühlt wie eine Ewigkeit vor. Wer also schnell mal flott an einem anderen Auto vorbeiziehen will, sollte sich lieber ebenso schnell von seinen sportlichen Ambitionen verabschieden. Wer derartige Ambitionen nicht hegt, der kann man mit dem Countryman indes prima im Verkehr mitschwimmen.

Seitenlinie des Countryman
Seitenlinie des Countryman © BMW

Wenn es etwas am Countryman bei den Fahreigenschaften zu bemängeln gibt, dann ist es seine doch recht hart wirkende Fahrwerksabstimmung. Querfugen auf der Autobahn nimmt man doch deutlich wahr. Auch der Verbrauch ist enttäuschend. Durchschnittlich soll er nur 4,4 Liter (CO2-Ausstoß 115 g/km) verbrauchen, doch bei den Testfahrten standen am Ende 6,7 Liter auf dem Bordcomputer – schlicht zu viel!

Satter Einstiegspreis

Da wir beim Countryman von einem Premium-Produkt sprechen – der Basispreis für den Einstiegsdiesel beginnt bei selbstbewussten 22.100 Euro – kann man im Innenraum auch Premium erwarten. Doch hier sollte man seine Erwartungen doch etwas dämpfen. Nein, schlecht verarbeitet ist dieses Auto nicht, doch an der Mittelkonsole finden sich doch arg viele Bedienelemente aus Kunststoff.

Und auch die Bedienung kann nur als suboptimal bezeichnet wie beispielsweise bei der Klimaanlage, der Sitzheizung oder den Fensterhebern – die minitypisch an der Mittelkonsole angebracht sind. Die Knöpfe sind teils zu klein, nicht ergonomisch angebracht, schlicht nicht intuitiv bedienbar – so etwas muss auch in einem Lifestyle-Auto nicht sein.

Das Heck des Countryman
Das Heck des Countryman © BMW

Dafür entschädigt das Raumgefühl den Fahrer und die Mitreisenden über derartige Unzulänglichkeiten. Mit seiner Höhe von 1,56 Meter und seiner Breite von 1,79 Meter sorgt er für ausreichend Platz, um mit ihm auch längere Strecken zu überstehen. Selbst Großgewachsene finden im Fond ausreichend Kopf- und Kniefreiheit vor. Und das Kofferraumvolumen von 350 Liter liegt auf dem Niveau des Golf VI – das ist dann doch eine Ansage. Nett ist übrigens die Möglichkeit, im Fond zwischen zwei Einzelsitzen oder einer durchgehenden Rückbank wählen zu können.

Unter dem Strich ist der Countryman zwar ein Auto mit einigen Schwächen, doch dafür verfügt es über einen hohen Alltagsnutzen, auch wenn man dafür einen happigen Preis bezahlen muss. Zudem kann der Käufer eines Countryman sicher sein, dass er auffällt, so oder so.






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