1. Juni 2006

Fahrbericht Maserati schickt Familiensportler ins Rennen

Edles Pininfarina-Design: Maserati Quattroporte Sport GT
Edles Pininfarina-Design: Maserati Quattroporte Sport GT © Foto: press-inform

Der Maserati Quattroporte muss sich hinter der etablierten Konkurrenz nicht verstecken. Nun gibt es die italienische Luxuskarosse auch als Sport GT - sogar mit viel Platz für die Familie.




Von Jürgen Wolff

Knarzen und Knarzen ist zweierlei. Wer es sich mit gut 100 Kilo Lebendgewicht im Fahrersitz eines preiswerten Kompakten mit Plastik-Optik gemütlich macht, der vernimmt gelegentlich das eine Knarzen: «Boah, ehy», sagt es klar verständlich, «du schon wieder. Das halt' ich keine 80.000 Kilometer aus.» Und es gibt das Knarzen, wenn man sich in das Leder des Maserati Quattroporte niederlässt: «Hallo Dicker», sagt dieses Knarzen, «mach's Dir bequem. Was wollen wir zusammen unternehmen?» Der Quattroporte hat Charakter - selten genug bei einem Auto heutzutage. Und zumindest bei Maserati leider auch mit einem stolzen Preis erkauft: Gut 115.000 Euro muss man für die Sportversion der italienischen Luxus-Familienkutsche schon anlegen.


Logo auf der B-Säule

Dafür bekommt man ein in jeder Hinsicht prächtiges Automobil. Äußerlich fällt an dem von Pininfarina traumhaft schön gestylten Sport GT zunächst der schwarze Maschengitter-Frontgrill mit den ebenfalls schwarzen seitlichen Kühlgittern auf. Der Dreizack auf dem Kühlergrill ist, genau hinschauen bitte, bei ihm rot konturiert und als zusätzliches Logo trägt er das Sport GT-Logo auf der B-Säule. Ein Blick durch die sieben Speichen der 20-Zoll-Leichtmetallfelgen: Da sind die titanium-lackierten Bremssättel.

Bestes Leder

Luxus pur im Innenraum
Luxus pur im Innenraum © Foto: press-inform

Innen setzt sich die auf Sport getrimmte Designlinie nahtlos fort. Anstatt wie beim «zahmen» Grundmodell des Quattroporte aus Holz sind beim Sport GT alle Applikationen aus Carbon gefertigt und mit Klarlack überzogen. Verstärkt wird der sportliche Eindruck zudem durch ein mit Leder bezogenes Sportlenkrad mit speziellen Griffmulden, den auf das Design ebenfalls angepassten Handbremsgriff und eine Pedalerie aus Aluminium. Ansonsten: Luxus pur - wie gehabt. Bestes Leder in angenehmen Farben, straffe Sitze mit gutem Seitenhalt, Platz vorne wie hinten satt, vier Türen (nichts anderes bedeutet «Quattroporte») für den bequemen Zustieg, edelste Materialien, eingebautes Knarzen - ein Automobil, so wie es sein sollte.

Kürzere Schaltzeiten

Er schaltet schnell - dank neuer Software
Er schaltet schnell - dank neuer Software © Foto: press-inform

Die wichtigsten Modifikationen beim Sport GT sind allerdings weniger sicht- denn erfahrbar. Die Schaltzeiten des Maserati DuoSelect Getriebes etwa wurden verkürzt. Dank neuer Softwaren erfolgt der Gangwechsel im Schnitt um 35 Prozent schneller - egal, ob hoch oder runter geschaltet wird. Vor allem das Runterschalten wird zum akustischen Genuss - dieses Zwischengas ist Musik aus acht Zylindern.

Ohnehin sollte man den Quattroporte möglichst wenig im leider immer noch leicht ruckeligen Automatikbetrieb fahren - richtig Spaß macht er, wenn man ihn manuell mit den Paddeln am Lenkrad schaltet. Modifiziert worden ist für den Sport GT auch das Skyhook-Fahrwerk. Nach wie vor regelt es kontinuierlich die Härte der Stoßdämpfer abhängig von Fahrbahnbeschaffenheit und Fahrstil. Aber im anwählbaren Sport-Modus ist es deutlich straffer - ohne unkomfortabel zu werden. Dafür wird die immerhin mehr als fünf Meter lange Limousine ebenso deutlich agiler und temperamentvoller.

Motor mit Ferrari-Genen

Der V8-Saugmotor selbst blieb - bis auf die Verbrauchs- und Abgasoptimierungen - weitgehend unverändert. Warum auch nicht? Schon der Alltags-Quattroporte ist mit 294 kW/400 PS aus 4244 ccm ja nicht gerade schwächlich ausgelegt. Ein Motor im übrigen, der glatt auch wieder einen Blick unter die Haube lohnt. Ansonsten: Das Aggregat mit den Ferrari-Genen schießt den zwei Tonnen schweren Viertürer in nur 5,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, ein Ende des Vortriebs (451 Nm maximales Drehmoment) ist bei 275 km/h erreicht. Der GrandSport Spyder, aus gleichem Hause und mit dem gleichen Motor bestückt, ist auch nicht viel schneller und fixer. Das alles wird Dank einem geänderten Mittelschalldämpfer vor allem bei hohen Drehzahlen von einem sonoren Klang begleitet.

Im Schnitt will er 16 Liter

In nur 5,2 Sekunden von Null auf 100 km/h
In nur 5,2 Sekunden von Null auf 100 km/h © Foto: press-inform

Auch wenn es in diesem Preisgefüge nur ein Aspekt am Rande sein mag: Der Quattroporte des Jahrgangs 2006 ist etwas weniger durstig. Der Kraftstoffverbrauch im Automatikmodus wurde durch eine Vielzahl von technischen Maßnahmen um rund 16 Prozent reduziert. Sagt Maserati. Im kombinierten Zyklus sollen es nun 15,8 Liter auf 100 km sein - statt 18,9 Liter früher. Ob der ambitionierte Sport GT-Fahrer die drei Liter weniger tatsächlich an seiner Tankrechnung merken wird, das sei dahin gestellt. Eine angenehme Überraschung allerdings wird er bei der Einstufung seines Wagens haben: Durch Modifikationen am Motoren-Management erfüllt der Maserati Quattroporte die Euro-4-Abgasnorm. Steuern sparen hilft das zwar (vorläufig?) nicht mehr - aber es verschafft zumindest in dieser Hinsicht ein etwas ruhigeres Gewissen.

Ein Auto zum selber Fahren

Das Dreizacklogo ist ein echter Hingucker
Das Dreizacklogo ist ein echter Hingucker © Foto: press-inform

Ansonsten liegt der Quattroporte auch in der Sport GT-Version auf Augenhöhe mit den Top-Modellen von Mercedes, BMW & Co. Technisch fehlen ihm die optionalen Gimmicks der neuen S-Klasse (Nachtsichtassistent und Abstands-Tempomat zum Beispiel). Aber wer sein Auto noch selber fahren will, für den ist der Quattroporte sicher eine ernsthafte Alternative zu CLS 55 AMG, AMG S-Klasse oder 7er BMW. Und für bekennende Individualisten, die ihrer Luxus-Marke nicht auf jedem Supermarkt-Parkplatz begegnen wollen, sowieso.






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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