16. November 2006

Fahrbericht Infiniti FX 45 Infiniti FX 45: Nicht für jedermann

Der Infinity FX 45
Der Infinity FX 45 © Foto: press-inform

Einen SUV fährt mittlerweile fast jeder. Selbst mit einem Mercedes ML oder einem Range Rover kann man allenfalls ein Wochenende lang glänzen. Wer sich abheben möchte, sollte einmal mit dem Infinity FX 45 flirten.




Von Stefan Grundhoff

Nissan spuckt große Töne und will es Toyota gleichtun. Der edle Markenableger Infinity soll 2008 nach Europa kommen und hier eine ernsthafte Alternative zu BMW, Volvo und Audi werden. Wie auf dem Heimatmarkt will der Nissan-Ableger in erster Linie auf Geländewagen und Coupes setzen. Wer nicht bis 2008 warten will, besorgt sich bereits jetzt das Topmodell FX 45 und kann sich über ein wirklich exklusives Gefährt freuen. Entweder man holt den Konkurrenten von X5, Q7 und Grand Cherokee auf eigene Kappe aus den Vereinigten Staaten ins Heimatland oder man schaut bei einem Importspezialisten wie Dieter Thiel vorbei. Der Wuppertaler hat sich seit mehr als 15 Jahren auf amerikanische Marken spezialisiert. Was es hier nicht zu bekommen ist, wird kurzerhand besorgt.


In Deutschland unbekannt

Interessante Heckpartie
Interessante Heckpartie © Foto: press-inform

«Wer in einem FX 45 unterwegs ist, braucht sich keine Sorgen um seine sozialen Kontakte zu machen», erzählt Dieter Thiel, «man wird ständig angesprochen.» Bleibt die Frage, ob man wegen seines Autos wirklich angesprochen werden möchte, oder ob man einfach das Gefühl genießt, nicht im Strom der Massen unterzugehen. Das wird einem mit dem Infinity FX 45 kaum passieren. Das liegt weniger am intelligenten Allradantrieb, 315 PS oder der leicht erhöhten Sitzposition, sondern an dem für viele nicht zu vernachlässigendem Effekt, einen der schönsten SUVs überhaupt zu bewegen.

Die FX-Reihe von Infinity ist nicht neu, in Deutschland jedoch weitgehend unbekannt. Dann und wann sieht man auf der Autobahn einen grauen oder orangefarbenen Vertreter der seltenen Gattung - meist in der Nähe von Basen der amerikanischen Streitkräfte. Hier haben sich einige leitende Armeeangehörige einen automobilen Traum erfüllt.

Sportlich und Robust

In seinem Heimatland, den USA, hat Infinity einen ausgezeichneten Namen. Die Fahrzeuge gelten als grandios gestylt, sind mit kraftvollen Motoren und einem Luxuspaket ausgestattet, das keine Wünsche offen lässt. Der FX 45 ist auf den ersten Blick ein Luxusgefährt der besonderen Art. Sein Styling verbindet Gene von Sportlichkeit und Robustheit ungewöhnlich gekonnt miteinander. Die von vielen Herstellern beschworene Mischung aus Sport- und Geländewagen wurde hier auf eine eindrucksvolle Art und Weise umgesetzt.

Doch abgesehen vom Design, 20 Zoll Felgen und einem kraftvollen Achtzylinderaggregat ist es vorbei mit der Sportlichkeit. Man merkt den Ingenieuren den Versuch an, einen fahrdynamisch anspruchsvollen Wagen auf die Breitreifen zu stellen. Wirklich gelungen ist es ihnen jedoch nicht.

Straffe Sänfte

Viel Platz im Kofferraum
Viel Platz im Kofferraum © Foto: press-inform

Wer den Infinity mit dem brandneuen BMW X5, einem Range Rover Sport oder einem Jeep Grand Cherokee vergleicht, wird überrascht sein, wie sehr der gut zwei Tonnen schwere Allradler einer - zugegeben straffen - Sänfte gleicht. Lange Autobahnfahrten werden zum Genuss. Das Platzangebot ist dank 2,85 Metern Radstand in beiden Passagierreihen üppig und die lederne Umgebung beruhigt zusammen mit dem gründlich überarbeiteten Cockpit nicht nur in dem kraftvollen Braunton die Nerven.

Der FX 45 ist der ideale Wagen für den nächsten Winterurlaub. Die Rücksitze lassen sich nach hinten neigen - das erleichtert den Ausblick zum DVD-Bildschirm, der im Dach untergebracht ist. Hinter der Fondsitzreihe bietet das Gepäckabteil zudem Platz für bis zu 776 Liter Gepäck. Wer die Rückbank umklappt, dem stehen bis zu 1.710 Liter Stauraum zur Verfügung.

Alles an Bord

Dynamische Front
Dynamische Front © Foto: press-inform

So viel Spaß es macht, auf dem Lederthron durch die City zu kreuzen oder die Zügel im Autobahngalopp schleifen zu lassen, muss sich in Kurven mit ungewohnten Schräglagen arrangieren. Am meisten stören jedoch die indifferente Lenkung und das starke Nicken beim Bremsen. Wer einen SUV-Cruiser wie den verwandten Nissan Murano mag, wird den Infinity FX 45 jedoch in sein Abendgebet einschließen. Doch die deutschen und mittlerweile auch viele asiatische Freizeitsportler gehen einen anderen, deutlich direkteren Weg bei der Fahrwerksauslegung. Fest steht, dass die Kunden des Luxus-SUV-Segments besonders anspruchsvoll sind.

Annehmlichkeiten wie Xenonlicht, beheizte Lederstühle oder ein Navigationssystem werden wie selbstverständlich vorausgesetzt. Trotzdem muss man hierfür bei den meisten Vertretern tief in de Portokasse greifen, um seine Ansprüche verwirklicht zu sehen. Der Infinity FX 45 macht da keine halben Sachen. Beim Importmodell ist fast alles an Bord, was sich in einem Ausstattungsliste packen lässt. Allein die amerikanische Navigation bereitet Kopfzerbrechen. «Wir haben die bei uns nicht funktionierende US-Navigation durch eine perfekte integrierte Nachrüstlösung ersetzt», so Dieter Thiel. Ansonsten sei es schwierig, ein Auto der 60.000-Euro-Liga los zu werden.

Grollender Klang

Das 4,5 Liter-Triebwerk
Das 4,5 Liter-Triebwerk © Foto: press-inform

Günstig ist der Infinity FX 45 auch als Importmodell nicht. Mit der entsprechenden Vollausstattung liegt der Preis bei über 65.000 Euro und damit immer noch knapp unter dem Preis der meisten vergleichbaren Konkurrenzmodelle. Dafür gibt es beim Infinity nicht nur Luxus pur und die Garantie für anerkennende, aber keine neidischen Blicke, sondern auch ein Kraftpaket unter der Motorhaube. Das 4,5 Liter große V8-Triebwerk leistet 232 kW / 315 PS. Der Langhuber hat keine Mühe, dem 4,80 Meter langen mächtig Beine zu machen. Bei 4.800 Touren steht das maximale Drehmoment von 446 Nm zur Verfügung.

Doch bereits unter 3.500 U/min ist ordentlich etwas los. Der grollende Klang zeigt auch der staunenden Umgebung, dass hier gerade ein Kraftaufbruch ansteht. Das hat an der Tankstelle seinen Preis. Infinity verspricht einen Durchschnittsdurst von rund 15 Litern Super pro 100 Kilometer. In der Realität dürften es gerne ein paar Gläser Kraftstoff mehr sein. Dafür stimmen die Fahrleistungen. 0 auf Tempo 100 schafft der FX 45 in beeindruckenden 6,4 Sekunden. Bei Tempo 200 ist Schluss mit lustig. Angesichts von Fahrwerk und Bremsleistung übrigens allemal ausreichend.






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