20. März 2009

Fahrbericht BMW Z4 sDrive35i Roadster Ein bisschen Belohnung

Der neue BMW Z4 sDrive35i
Der neue BMW Z4 sDrive35i © Foto: AG/Flehmer

BMW schickt sein nach eigener Aussage eines seiner emotionalsten Projekte auf die Straße. Nach einem Tabubruch wurde um das neue Dachkonzept herum der neue Z4 kreiert.




Von Thomas Flehmer

Dass Dogmen in der Automobilindustrie auch mal gekippt werden, hat Porsche vor gar nicht langer Zeit mit der Einführung eines Dieselmotors bewiesen. Auch bei BMW wurde nun eine heilige Kuh geschlachtet. Zum ersten Mal setzen die Münchner auf ein festes Stahldach anstatt auf die früher bevorzugte Badekappe. Aufgrund der technischen Schwierigkeiten des zweiteiligen Klappdachs, dass innerhalb von 20 Sekunden - aber nur im Stand - öffnet oder schließt, musste auch der 2002 erstmals auf dem Markt eingeführte Z4 völlig neu konstruiert werden.


Spagat zwischen Purismus und Komfort

Dabei stand BMW vor dem Spagat, einerseits die Puristen unter den Sportwagenfreunden zu befriedigen, zugleich auch diejenigen Bedürfnisse neuer Kunden zu erfüllen, die dem Komfort den Vorzug geben. «Es ist eines unserer emotionalsten Produkte», sagt Chefentwickler Klaus Borgmann, «aber Emotion funktioniert auch in schwierigen Zeiten.» Und schließlich wollen sich «Leute, die hart arbeiten, auch ein bisschen belohnen.»

Zur Belohnung gibt es wieder eine lange Motorhaube, eine kleine Fahrerkabine und einen kurzen Kofferraum, die schon damals die Herzen der Anhänger der forschen Fortbewegung höherschlagen ließen, egal ob als Coupé oder mit Softtop. Die neue Dachkonstruktion hat den Auftritt des neuen Z4 doch verändert. Besonders das Heck ist zwar flacher, aber auch breiter geworden und wird somit den sich belohnenden Puristen nicht ganz gefallen. Ansonsten erzeugen die Linien von Stoßfänger zu Stoßfänger so viel Emotionen, dass der Z4 schon vor seinem Marktstart im Mai die beiden hoch angesehenen Design-Preise «reddot Design Award» und «Eyes On Award» gewonnen hat. Den Erfolg machte eine weitere Premiere möglich. Denn mit Juliane Blasi und Nadya Arnaout haben sich zwei Frauen in der internen Design-Ausscheidung von BMW durchgesetzt. So wurde zum ersten Mal überhaupt das Außen- und Innendesign eines Sportwagens von Frauen konzipiert.

Premiere mit zwei Designerinnen

In 20 Sekunden offen oder geschlossen
In 20 Sekunden offen oder geschlossen © Foto: BMW

Die beiden Designerinnen haben dabei den Menschen mit seinen harten und weichen Zügen zum Vorbild genommen. Während die äußeren Linien Sportlichkeit und zarte Eleganz miteinander verbinden, sollen die Linien im Innenraum - «verbunden mit einer starken Asymetrie auf den Fahrer hin», wie Arnaout sagt - ein Gefühl von Cocooning und Sicherheit erzeugen. Ein heller Himmel vermittelt auch bei geschlossenem Dach Wärme, vor allem deshalb, weil auch die Kopffreiheit angestiegen ist. Runde Bedienteile in Anlehnung an den Z8 sowie übersichtliche Instrumente und das neue iDrive geben einen weiteren luxuriösen Anstrich.

Eine Querablage hinter den beiden Sitzen nimmt die alltäglichen Dinge des Lebens mit auf, die Handtasche aber muss weiterhin zwischen die Beine geklemmt werden oder kommt in den Kofferraum, der zwischen 180 und 310 Liter aufnehmen kann. Eine weitere Belohnung erfahren die hart arbeitenden Fahrer und Beifahrer dank einer Durchreiche, die zwei Paar Ski oder zwei Golfpacks aufnehmen kann. Dann allerdings müssen die beiden Sporttaschen im Kofferraum etwas gedrückt werden.

Drei Reihensechszylinder

Spagat zwischen Purismus und Komfort
Spagat zwischen Purismus und Komfort © Foto: BMW

Doch die beengte Zeit ist schnell überbrückt. Drei starke Reihensechszylinder mit einem Spektrum zwischen 150 kW/204 PS und 225 kW/306 PS treiben die beiden hinteren Räder an. Dass besonders das Topmodell sDrive35i die Freude am Fahren fördert, braucht nicht extra betont werden. In Verbindung mit der 2400 Euro teuren Siebengang-Sport-Automatik mit Doppelkupplung vergehen lediglich 5,1 Sekunden für den obligatorischen Sprint zur 100 km/h-Marke.

Damit auch noch oberhalb dieser Grenze genug Kraft vorhanden ist, stehen 400 Newtonmeter in der Verantwortung, die im breiten Drehzahlbereich zwischen 1500 und 5000 U/min anliegen - und das ohne Durchzugunterbrechung. Untermalt wird dieser Rausch durch den röhrenden Sound des Motors, bei dem die Sound-Ingenieure auch ein Zwischengas-Blubbern integriert haben.

Drei Modi zur Auswahl

Flaches, aber breites Hinterteil
Flaches, aber breites Hinterteil © Foto: AG/Flehmer

Und auch beim Fahren haben die Ingenieure den Spagat zwischen Purismus und Komfort gemeistert. Die Fahrdynamik-Control bietet drei Modi an, wenn man zuvor das optionale adaptive M-Fahrwerk für 1230 Euro geordert hat. Im Modus «Normal» kann locker über den Asphalt gecruist werden, bei «Sport» werden das Lenkverhalten und die Gasbefehle deutlich direkter angenommen. Bei «Sport +» wird leichter Schlupf an den Hinterrädern zugelassen. Sportlich kann man aber in allen drei Modi unterwegs sein, der 1,5 Tonner liegt wie ein Brett in den Serpentinen.

Neun Liter verspricht BMW als Verbrauch über 100 Kilometer. Mit ein wenig Freude am Gas sollten drei bis vier weitere Liter Superplus eingeplant werden. Wenn schon Belohnung, dann richtig. Denn wer es sich leisten kann, einen zweisitzigen Sportwagen im privaten Fuhrpark aufzunehmen, den wird der Mehrverbrauch nicht kratzen. Denn immerhin 35.900 Euro müssen für den 204 PS starken sDrive23i hingelegt werden. 7000 Euro mehr kostet der 258 PS starke sDrive30i.

Lenkradheizung für 190 Euro

Für Coupe-Fans geht es geschlossen durch die Pampa
Für Coupe-Fans geht es geschlossen durch die Pampa © Foto: BMW

Der Einstieg in das Topmodell sDrive35i beginnt bei 47.450 Euro. Neben der Doppelkupplung und dem Sportfahrwerk könnten noch Sportsitze (630 Euro) und elektrische Sitzverstellung (1250 Euro) sowie Lenkradheizung (190 Euro) , Abstandswarner (780 Euro) , Alarmanlage (480 Euro) und Navi (zwischen 2950 und 3720 Euro) den Preis locker an die 60.000 Euro heranführen. Eine erreichbare Belohnung für die harten Arbeiter des BMW-Klientels, der andere hart arbeitende Teil der Bevölkerung muss auf die Einführung eines Dacia Coupes warten - auch in guten Zeiten.






Mehr zur Marke BMW

BMW i-Chef Robert Irlinger«Wir sind bei Elektrifizierung bereits in die Breite gegangen»

Robert Irlinger verantwortet bei BMW die Elektromobilität. Im Interview mit der Autogazette spricht der Leiter von BMW i über kommende Modelle, die Ansprüche der Kunden und darüber, weshalb es klare regulatorische Vorgaben des Gesetzgebers bedarf.


Markstart im OktoberBMW G 310 GS: Gelungener Einstieg in die Offroad-Welt

BMW konnte seinen Kunden lange kein Angebot unterhalb der 500 Kubikzentimeter machen. Doch ein Jahr nach der G 310 R kommt nun bereits die GS-Variante auf den Markt.


Premiere auf IAABMW X7 iPerformance: Noch eine Nummer größer

Bislang ist bei BMW der X6 das größte SUV-Modell. Auf der IAA zeigen die Münchner ab Dienstag nun auch den X7 iPerformance.



Mehr aus dem Ressort

Renault feiert Pickup-Premiere mit dem Alaskan
Abkömmling des Nissan NavaraRenault Alaskan: Klonereien im Gelände

Renault steigt mit dem Alaskan ins Pickup-Segment ein. Der Lastenesel beschreitet dabei den Weg, der beim Volkswagen-Konzern seit Jahren an der Tagesordnung ist.


Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.


Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.