14. Juni 2007

Fahrbericht Audi RS4: Das pure Vergnügen

Audi RS 4
Audi RS 4 © Foto: press-inform

Muttern hatte schon immer gewarnt: Finger weg von heißen Herdplatten. Doch wenn etwas verboten ist, kribbelt es erst recht in den Fingern. Wie beim Audi RS4.




Von Stefan Grundhoff

Freundeskreis, Ehefrau, Kinder und das schlechte Gewissen - sie alle stimmen beim Thema Audi RS4 das gleiche Lied an. Es tut doch auch ein gewöhnlicher Audi A4, vielleicht ein 2.7 TDI oder der 3.2 FSI. Beide bieten selbst für sportliche Fahrer Leistung satt und sind alles andere als müde Krieger. Doch wer hinter dem griffigen Lederlenkrad lieber Bruce Springsteen statt Pur zu Gehör bringen möchte, träumt vom RS4. Dabei mutet das Blechkleid des Neckarsulmers recht zahm an. Doch die Zeiten, in denen der Audi RS4 unter dem Deckmantel eines zahmen A4 ahnungslose Porsche-Fahrer erschrecken konnte, sind lange vorbei. Die erste Serie - im Gegensatz zum aktuellen Modell nur als überaus potenter Avant zu bekommen - brannte sich bei Jägern und Gejagten unweigerlich ins Sportlerhirn. Seither weiß jeder, der sich für Autos interessiert: Ein Audi RS4 ist viel mehr als eine grandios motorisierte Mittelklasselimousine.


Kompromissloser Rennbolide

Der Viertürer mit zahmer Basis ist als Kilometerfresser auch als unscheinbarer 105-PS-Diesel zu bekommen. Doch mit dem Namenszusatz RS4 ist er ein Rennbolide ohne große Kompromisse. Dass man trotz aller Sportlichkeit nach wie vor ein hohes Maß Alltagstauglichkeit genießen kann, verschafft dem Allradler besonders bei Familienvätern und solchen, die es werden sollen, ein mächtiges Suchtpotenzial. Keine Gefahr, in einem langweiligen Volumenmodell unterwegs zu sein. Dafür sind rund 70.000 Euro Kaufpreis einfach zu viel Geld. Doch extravagante Sportmodelle wie der RS4 sind in Zeiten härtesten Wettkampfs wichtiger denn je, um den sportlichen Anspruch der Marke zu unterstreichen.

Die zweite Generation ist noch stärker

Starker Antrieb im Audi RS 4
Starker Antrieb im Audi RS 4 © Foto: press-inform

Ein paar Kilometer im flüssigen Verkehr zeigen dem engagierten Piloten schnell, dass die Sportskanone mehr ist als ein Imageträger mit 420 PS und Breitreifen. 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden, das exzellent abgestimmte Hochdrehzahlkonzept und ein Motorenklang zum auf die Knie sinken sorgen für Überholimage und anerkennende Blicke der Szene. Das ist eben der große Unterschied zu seinem Vorgänger. Auch der trampelte wie ein Stier und ließ nahezu die ganze Konkurrenz hinter sich. Doch die zweite RS4-Generation kann insbesondere im Sportmodus nochmals deutlich mehr, trampelt noch wilder, noch engagierter und noch unnachgiebiger als sein Ahn. Trotzdem schicken viele ihren RS4 noch zum Tuner. Firmen wie Abt und MTM wird das freuen. Muss aber nicht sein - allenfalls um die überflüssige 250er Begrenzung in die ewigen Jagdgründe der A9 zu schicken.

15 Liter oder mehr

Audi RS 4
Audi RS 4 © Foto: press-inform

Auf der Autobahn ist der RS4 große Klasse, auf Land- und Bergstraßen insbesondere durch das kernige Sechsganggetriebe ein wahrer Genuss. Die schier endlose Motorenpower wird im Verhältnis 40:60 auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Die Neigung zum Hecktriebler zahlt sich aus. Wenn man sanft anheizt, krallen sich die Breitreifen hungrig in den grobkörnigen Asphalt und pressen den 1,7 Tonnen schweren Boliden ungestüm Richtung Höhepunkt. Am Gipfel angekommen gibt es vor dem Genießen des Bergpanoramas den obligatorischen Blick auf die Tankuhr. Entfacht durch die 430 Nm Drehmoment pocht das Blut in den Adern und man genießt für ein paar Sekunden den im nächsten Moment völlig irrealen Geruch aus Benzin und Gummi. Die 13,5 Liter Durchschnittsdurst sind realistisch - bei einem trägen Gasfuß, freier Strecke und wenig Zeitdruck. Wer den RS4 so bewegt, wie es sich ziemt, der muss 15 bis 18 Liter Kraftstoff einkalkulieren. Wunder in Bezug auf den Benzindurst kann eben auch eine Direkteinspritzung nicht vollbringen.

Audi RS 4
Audi RS 4 © Foto: press-inform

Das unspektakulärste am Audi RS4 ist sein Innenraum. Jeder Startvorgang beginnt mit einem Kopfschütteln. Erst den Zündschlüssel drehen und dann den Starterknopf neben der Handbremse drücken. Was soll das? Die Sportsitze passen dagegen vortrefflich. Hier machen die bequemen und extrem abgespeckten Sportschalen Lust auf mehr. «Pro Rennsitz sparen wir rund 18 Kilogramm», rklärt Jürgen Krauth, technischer Entwicklung des Audi RS4. Dann ist jedoch Handarbeit angesagt und man muss die perfekte Sitzposition händisch justieren. Wer den üblichen Oberklassekomfort von vollelektrischen Ledersitzen genießen möchte, kann sich auch für die normalen Sportstühle entscheiden.

Über 50 Kilogramm eingespart

Audi RS 4
Audi RS 4 © Foto: press-inform

Dass der Audi nicht nur bullig nach vorne prescht, sondern mittlerweile auch bei Einlenk- und Bremsverhalten Bestnoten bekommt, kann Jürgen Krauth einfach erklären: «Insgesamt konnten wir durch Maßnahmen mehr als 50 Kilogramm Gewicht einsparen.» Kotflügeln und Haube bestehen im Vergleich zum gewöhnlichen A4 aus Aluminium. Trotzdem ist der RS4 leicht frontlastig und schiebt schon einmal über die Vorderachse - reagiert im Normalfall aber neutral. Nick- und Wankbewegungen werden durch ein variables Dämpfersystem minimiert. Schräg gegenüberliegende Stoßdämpfer sind über einen Ölstrom miteinander vernetzt. Kennt man sonst nur aus dem Rennsport, aber genau so fühlt man sich am Steuer eines RS4. Auch wenn im Herbst der neue Audi A4 auf den Markt kommt, wird die «alte» Sportversion ihre Fans noch eine ganze Weile bei Laune halten dürfen.






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