26. November 2009

Fahrbericht Audi A3 1.6 TDI: Mehr Sein als Schein

Audi A3
Audi A3 © Foto: Audi

Es ist das Effizientes, was Audi derzeit zu bieten hat. Doch kann der Audi A3 1.6 TDI auch halten, was er verspricht? Er kann, wie unser Test zeigt und sogar noch mehr.




Was für die 100-Meter-Sprinter die 10-Sekunden-Grenze ist, ist für die Autobauer die 100-Gramm-Marke. Nur wenn ein Fahrzeug beim Ausstoß von Kohlendioxid je Kilometer diesen Wert unterbietet, ist es in der Fachwelt wirklich als umweltverträglich akzeptiert. Zu diesem noch recht exklusiven Club gehört jetzt auch der Audi A3 1.6 TDI.


Eine Art Mauerfall

Vor genau 20 Jahren stellte die Ingolstädter Marke den ersten TDI-Motor vor. Für Audi-Ingenieur Heinz Hollerweger war das «eine Art Mauerfall in technischer Hinsicht». Seit es die A3-Baureihe gibt, werden auch TDI-Motoren als Alternative zu den Benzinern angeboten. Der seit der Einstellung des A2 kleinste Audi ist einer der beiden Umsatzträger der Modellpalette. Mit fast 61.400 neu zugelassenen Einheiten bis Ende Oktober dieses Jahres übertrumpft er in Deutschland zum Beispiel sogar den deutlich preisgünstigeren Ford Focus um rund 7 000 Stück.

Das Aggregat des neuesten A3 hat 1,6 Liter Hubraum, 77 kW/105 PS Leistung und schiebt mit 250 Newtonmetern Drehmoment an. Laut EU-Norm soll er kombiniert 3,8 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer verbrauchen, was genau 99 Gramm CO2 je Kilometer entspricht. Was der Audi nicht hat: Einen Beinamen, wie ihn andere Hersteller für ihre besonders sparsamen Modelle vergeben, kein «Blue», kein «Green» und auch kein englisches Wort für «Effizienz». Anscheinend ist man bei Audi der Meinung, dass nicht Etiketten, sondern Fakten zählen.

Wo das drauf steht kann gespart werden
Wo das drauf steht kann gespart werden © Foto: Audi

Zu diesen Fakten gehört, dass Schub- und Bremsenergie zurückgewonnen werden - das ist die so genannte Rekuperation. Die Karosserie ist gegenüber dem «gewöhnlichen» A3 um zehn Millimeter tiefer gelegt, was die Aerodynamik vor allem für die Langstreckenfahrt verbessert. Nach Erkenntnissen der Audi-Sparkommissare schlagen zehn Prozent weniger Luftwiderstand mit einem Verbrauchsvorteil von etwa 0,15 Litern zu Buche. Aber weder in der Optik, noch im Fahrverhalten macht sich das wirklich bemerkbar. Ebenso verhält es sich mit den Leichtlaufreifen, die etwas weniger Rollwiderstand bieten und deshalb ins Sparpaket solch eines Autos gehören.

Mit Start-Stopp-Funktion

Weiterer Fakten sind auch die Start-Stopp-Automatik - sie gibt es bei Audi neuerdings auch für Automatik-Getriebe - und die Schaltempfehlung, die dem Nutzer des manuellen Getriebes elektronisch den jeweils optimalen Gang anzeigt. Wer den Ehrgeiz hat, in die Nähe des offiziellen Verbrauchswertes zu kommen, hält sich besser an diese Hinweise. Das Spurtvermögen von 11,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 liegt etwa auf dem Niveau eines Toyota Prius und lädt nicht dazu ein, es häufiger auszuprobieren.

Die elektrische Lenkung arbeitet sehr direkt und ist damit einem fahraktiven Gesamteindruck zuträglich. Dem Motor fehlt es in der Kaltlaufphase allerdings etwas am dezenten Habitus, er klingt rau und unrund, was sich aber mit zunehmender Betriebstemperatur legt. Dann ist der Charakter des Selbstzünders im solide gedämmten Innenraum kaum noch wahrzunehmen. Das spricht dafür, dass mit Rücksicht auf den Fahrkomfort mit Dämmmaterial nicht gespart wurde. Das Fünfganggetriebe ist lang übersetzt, so dass Drehzahlen und Geräuschbelastung auch bei zügiger Fahrt im Rahmen bleiben. Ein Sechsganggetriebe hätte nicht nur mehr gekostet, sondern auch wieder mehr Gewicht ins Auto gebracht. Gewichtsreduktion spielt in einem Sparkonzept aber eine bedeutende Rolle. Im Schnitt kann man mit 100 Kilogramm Mindergewicht zwischen 0,3 und 0,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer einsparen.

3,6 Liter möglich

Der völlige Verzicht auf lebhaftes Beschleunigen, auf energische Überholmanöver und die Zurückhaltung bei der Nutzung von Stromverbrauchern wie Klimaanlage und CD-Radio sollten bei ersten Testfahrten dazu beitragen, den Normwert noch zu unterbieten. Wobei zu berücksichtigen ist, dass das Fahrzeug mit zwei Personen und reichlich Gepäck bestückt war. Dennoch konnte der Wert nicht nur erreicht, sondern sogar unterboten werden: Nach drei Stunden gemütlichen Gleitens zeigte der Bordcomputer noch immer rund 1 300 Kilometer Reichweite an.

Da können die technischen Effizienzmaßnahmen so verkehrt nicht gewesen sein. Der Lohn von strenger Selbstdisziplin und permanentem Blick auf die Verbrauchsanzeige: 3,6 Liter je 100 Kilometer. Klar, dass die angeblich erreichbare Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h dabei nicht überprüft werden konnte.

Der A3
Der A3 © Foto: Audi

Lieferbar ist der neue Audi A3 1.6 TDI ab Anfang 2010. Der Preis für das Basismodell liegt bei 23 750 Euro. Für Kunden, die keinen Diesel mögen oder für die es sich wegen geringerer Kilometerleistung nicht lohnt, bringt Audi als Benzin-Alternative für den A3 noch einen 1.2 TFSI-Motor. (mid)






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