19. Januar 2012

Fahrbericht Kleinwagen mit Zylinderabschaltung Audi A1 Sportback: Aus vier mach zwei

Der Audi A1 Sportback bietet einen Mehrwert im Vergleich zum Dreitürer.
Der Audi A1 Sportback bietet einen Mehrwert im Vergleich zum Dreitürer. © Audi

Der Audi A1 Sportback wird im Februar auf den Markt kommen. Der Fünftürer bietet einen deutlichen Mehrwert. Doch Großgewachsene können im Fond des Kleinwagens immer noch nicht bequem sitzen.




Von Frank Mertens

Im Februar ist es soweit. Dann rollt der neue Audi A1 Sportback zu den Händlern. Das Ziel des Fünftürers ist dabei klar umrissen. Er soll an den Erfolg des Dreitürers anknüpfen. Erfolg? Ja, Erfolg! Diskussionen, dass der Audi A1 allen Unkenrufen zum Trotz kein Erfolg ist, lassen die Produktverantwortlichen bei der Fahrpräsentation des Sportbacks in Spanien erst gar nicht aufkommen.

Sie verweisen auf die Verkaufszahlen des Vorjahres. So wurden 2011 weltweit 118.000 Einheiten des Premium-Kleinwagens ausgeliefert, davon etwas mehr als 28.000 in Deutschland. Damit läge man voll im Plan, sagt Mischa Ehlers, der das deutsche Produktmarketing verantwortet. "Unsere Erwartungen sind damit voll erfüllt worden."

Audi A1 Sportback mit besserer Kopffreiheit

Nun also soll der Audi A1 Sportback weitere Kunden für die Marke aus Ingolstadt begeistern, die im Vorjahr mit über 1,3 Millionen verkauften Fahrzeugen einen neuen Absatzrekord aufstellte. Der A1, so ist von den Marketingstrategen von Audi zu hören, habe eine hohe Eroberungsrate. So hätten 75 Prozent der Käufer eines A1 zuvor noch nie einen Audi gefahren. Gleiches soll mit dem Sportback gelingen, der durch seine zwei zusätzlichen Türen dem Kunden einen größeren Alltagsnutzen bieten soll.

Das Cockpit des A1 Sportback von Audi
Das Cockpit des A1 Sportback von Audi © Audi

Ja, es ist sicherlich angenehm, dass man sich beim Sportback im Gegensatz zum Dreitürer nicht mit gymnastischen Einlagen auf die Rückbank befördern muss, doch ein Raumwunder ist das neuste Modell der Ingolstädter deshalb aber auch nicht geworden. Das werden vor allem Menschen feststellen, die größer sind als 1,80 Meter, was es heutzutage ja doch häufiger geben soll. Sie müssen beim Einsteigen schon ein wenig aufpassen, dass sie nicht mit dem Kopf anstoßen.

Da mögen die Produktverantwortlichen auch noch so häufig betonen, dass die Kopffreiheit des 3,95 Meter langen A1 im Fond um 1,1 Zentimeter im Vergleich zum Dreitürer angewachsen ist, doch längere Strecken mag man Großgewachsenen auf der Rückbank nicht wirklich zumuten, es sei denn, man mag seine Mitreisenden nicht. Der Bequemlichkeit im Fond abträglich ist es zudem, dass sich die Neigung der Rücklehnen nicht verstellen lässt.

Aber vielleicht braucht es auch nicht mehr Platz im Fond. Denn mit dem Sportback will Audi ein junges Publikum ansprechen, das auf ein "lifestyliges Fahrzeug" steht. Der A1 soll von Singles, jungen Pärchen, aber auch von jungen Familien gefahren werden. Für letztgenannte Zielgruppe ist der Sportback ein idealer Zweitwagen für die Stadt, oder wie es im Marketingsprech heißt, das "urbane Umfeld".

Eintiegspreis bei 16.950 Euro

Im Fond wird es für Großgewachsene eng
Im Fond wird es für Großgewachsene eng © Audi

Doch sieht man einmal von den gerade bemängelten Platzverhältnissen auf der Rückbank ab – in der Serienausstattung ist der Sportback übrigens ein Viersitzer, der ohne Aufpreis auch zum Fünfsitzer werden kann – bietet der neue A1 alle Annehmlichkeiten, die man sonst von einem Audi kennt. Da ist zunächst der bekannt gute Innenraum mit seiner hohen Qualitätsanmutung und einem hochwertigen Infotainmentsystem. Es bietet nicht nur einen WLAN-Hotspot zum Surfen mit bis zu acht Endgeräten (was bei einem Fünfsitzer von den Mitreisenden Multitaskingfähigkeiten verlangt), sondern auch ein aus der Oberklasse bekanntes Navigationssystem mit Googleearth.

Natürlich ist das im Grundpreis für den mindestens 16.950 Euro teuren A1 Sportback mit dem 86 PS starken 1.2 TFSI-Einstiegsbenziner nicht enthalten. Wer auf Vernetzung im Auto steht, der muss für das MMI Navigation 2650 Euro auf den Tisch des Händlers legen. Das ist eine selbstbewusste Ansage. Wer nach Extras verlangt, der hat diese dann auch entsprechend hochpreisig zu bezahlen. Die unbedingt zu empfehlende Einparkhilfe kostet 330 Euro, das Bose-Surrond-System 690 Euro und so weiter. Wer sich seinen Sportback etwas Netter ausstatten will, kann ohne Mühe locker noch einmal 4000 Euro zum Basispreis hinzurechnen.

1.4 TFSI-Motor mit Zylinderabschaltung

Dynamische Seitenlinie am A1 Sportback
Dynamische Seitenlinie am A1 Sportback © Audi

Doch wie schaut es nun mit den Fahrleistungen aus? Gut, sehr gut sogar. Hier bereitet dieser Kleinwagen schlichtweg Freude, natürlich abhängig von der gewählten Motorisierung. Zum Marktstart im Februar werden zunächst neben dem 1.2 TFSI noch der 1.4 TFSI mit 122 und 185 PS angeboten, bei den Dieseln stehen der 1.6 TDI mit 90 und 105 PS zur Verfügung. Mitte des Jahres folgen noch der überzeugende 2.0 TDI mit 143 PS, der bei den Testfahrten auf einen Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern kam.

Später im Jahr wird auch der 1.4 TFSI mit 140 PS seine Premiere im Sportback feiern, bei dem wie im Audi S8 die Zylinderabschaltung zum Einsatz kommt, die nach Fahrstil zu einem Minderverbrauch von bis zu einem Liter führt, wie Projektleiter Jörg Fuchs zufrieden feststellt. Die Zylinderabschaltung von vier auf zwei Zylinder verläuft für den Fahrer so harmonisch, dass er sie nur durch den Blick auf seine Instrumentenanzeige mitbekommt.

Das Aggregat bietet übrigens ein maximales Drehmoment von 250 Nm, das zwischen 1500 und 4000 Umdrehungen zur Verfügung steht. Dadurch wird dem Fahrer ein schaltfaules Fahren mit dem hervorragend abgestimmten manuellen Sechsganggetriebe ermöglicht. In 8,1 Sekunden erreicht der 1.4 TFSI Tempo 100, seine Höchstgeschwindigkeit wird mit 212 km/h angegeben. Wer ökologisch unterwegs ist, der soll mit einem Verbrauch von 4,7 Liter pro Kilometer auskommen, auch dank des serienmäßigen Start-Stopp-Systems.

A1 setzt auf Leichtbau

Das Heck des A1 von Audi
Das Heck des A1 von Audi © Audi

Das Fahrwerk des aufgrund von konsequenten Leichtbaus gerade einmal 1065 Kilogramm schweren Sportbacks – die Karosserie wiegt nur 220 kg – lässt kaum Wünsche offen. Es ist zwar durchaus straff abgestimmt, aber keineswegs unkomfortabel. Und wer mit dem A1 auch mal sportlicher unterwegs sein möchte, kein Problem. Der Kleine liegt satt auf der Straße und verfügt über ein ESP mit Quersperre. Das System ist dabei so abgestimmt, dass es erst relativ spät eingreift, durch den leichten Bremseingriff länger neutral bleibt, wie erste Testfahrten zeigten.

Wer statt eines Benziners eher einen verbrauchsgünstigen Diesel fahren will, der muss für den 1.6 TDI mit 90 PS (Durchschnittsverbrauch 3,8 Liter) mindestens 19.050 Euro bezahlen, mit der optional bestellbaren 7-Gang-S-Tronic werden 20.750 Euro fällig. Der Einstiegs-Diesel bietet zwar durchaus ausreichend Fahrleistungen, doch im Vergleich zum 1.6 TDI mit 105 PS ist der doch recht präsent, was sein Laufgeräusch betrifft. Von daher lieber gleich den größeren Diesel bestellen.

Obwohl der Vorverkauf bereits seit November läuft, werden noch keine Zahlen zu den Vorbestellungen genannt. Auch mit Blick auf die Verteilung zwischen Drei- und Fünftürer halten sich die Produktverantwortlichen zurück. Allerdings verweist Ehlers auf die Verteilung beim A3, dort gehe die Tendenz stärker zum Sportback. Ähnliches erwarte man auch für den A1. Im Brüsseler Audi-Werk jedenfalls, hier wird der A1 gefertigt, ist man auf auf jede Eventualität eingestellt. Da der Sportback nur 850 Euro mehr als der Dreitürer kostet, jedoch einen größeren Mehrwert bietet, müsste er bei den Kunden besser ankommen, auch wenn es sich größere Menschen nicht antun sollten, im Fond des Sportback längere Strecken zurücklegen zu wollen.

Zur Bilderschau des neuen Audi A1 Sportback






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