Zulieferer ZF erwartet deutlichen Umsatz-Rückgang

ZF-Chef Wolf-Hening Scheider © dpa

Die schwächelnden Automärkte haben auch Auswirkungen auf die Zulieferer. So erwartet ZF aus Friedrichshafen einen Rückgang seines Umsatzes in Milliardenhöhe.

Im Gesamtjahr 2019 werde der Konzernumsatz zwischen 36 und 37 Milliarden Euro liegen, teilte ZF am Freitag mit. Im April war das Unternehmen noch von 37 bis 38 Milliarden Euro ausgegangen. Auch die Gewinne werden laut ZF schrumpfen.


Der Umsatz von ZF ging im ersten Halbjahr 2019 um 1,7 Prozent auf rund 18,4 Milliarden Euro zurück. Die Erlöse vor Zinsen und Steuern blieben in den ersten sechs Monaten mit 646 Millionen Euro «unterhalb des prognostizierten Korridors», teilte ZF weiter mit. Gründe dafür seien neben der sinkenden Nachfrage – besonders in China – höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie die Kosten für den Aufbau neuer Standorte, insbesondere für Elektroantriebe.

Scheider: Liegen deutlich unter Planungen

Der Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider sagte, ZF liege «wegen der schrumpfenden Automobilmärkte deutlich unter unseren Planungen». Zuvor hatten auch andere Autozulieferer vor einem Rückgang der Gewinne gewarnt. ZF ist laut eigenen Angaben mit 149. 000 Mitarbeitern an rund 230 Standorten in 40 Ländern vertreten.
ZF steht mit seinen Problemen nicht allein dar.

Aufgrund der schwachen Automärkte haben die börsennotierten Zulieferer Continental und Schaeffler ihre Erwartungen für das laufende Jahr bereits zurückgeschraubt. Auch Branchenprimus Bosch ist vorsichtig, im Diesel-Bereich stehen dort weitere Stellen auf der Kippe. Mahle in Stuttgart ist auf Sparkurs, streicht Stellen und schließt eines seiner Werke, das stark an der Verbrenner-Technologie hängt. Auch Conti hat für ein Werk das Aus verkündet.

EY: Feierlaune ist jetzt vorbei

Marquardt, ein Spezialist für Schalt- und Bediensysteme aus dem Süden Baden-Württembergs, verlagert Hunderte Arbeitsplätze ins Ausland. Beim Filterspezialisten Mann+Hummel sollen weltweit 1200 Stellen wegfallen. Der österreichische Anlagenbauer Andritz streicht bei seiner deutschen Tochterfirma, dem Pressenhersteller Schuler, rund 500 Stellen. Und Anfang der Woche meldete der Anlagenbauer Eisenmann aus Böblingen, der unter anderem Lackieranlagen für die Autobranche baut, Insolvenz an. Als Grund wurden hohe Verluste wegen Problemen mit einigen Großprojekten genannt.

«Wir haben einige Super-Jahre erlebt», sagt Branchenexperte Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). «Diese Feierlaune ist jetzt vorbei.» Das gelte für Hersteller wie Zulieferer gleichermaßen. Und eigentlich ist es ja auch nur logisch: «Für jedes Auto, das nicht produziert wird, werden auch die Teile nicht produziert», sagt Fuß. Dazu komme, dass auch die Zulieferer viel Geld in die Hand nehmen müssten, um bei den großen Trends Elektromobilität oder autonomes Fahren am Ball bleiben zu können. «Ich kann nur für Innovationen ausgeben, was ich anderswo verdiene. Es wird gespart werden müssen.» (AG/dpa)