Chefwechsel bei Daimler: Zetsche übergibt an Källenius

Ola Källenius übernimmt Konzernführung

Dieter Zetsche und Ola Källenius (r.). © dpa

Es ist soweit: Daimler-Chef Dieter Zetsche übergibt am Mittwoch nach mehr als 13 Jahren das Konzern-Lenkrad an Ola Källenius. Der Schwede übernimmt einen Konzern im Wandel und mit vielen Baustellen.

Die Ablösung von Dieter Zetsche beginnt offiziell erst am Mittwochabend. Aber wie das aussieht, wenn der scheidende Vorstandschef eines Multi-Milliarden-Weltkonzerns wie Daimler zwischendurch schon mal ein bisschen das Aufhören übt und anderen den Vortritt lässt, hat man schon beobachten können.


Beim Automobilsalon in Genf etwa, im März war das. Da stand nicht etwa Zetsche vorn, um vor Journalisten noch einmal im Detail zu erläutern, wie Daimler sich die Zukunft vorstellt. Da stand Ola Källenius. Und Zetsche: saß etwas abseits, den Blick gesenkt, die Arme verschränkt, und lauschte über Kopfhörer den Worten des neuen Chefs.

Sneaker statt Krawatte

Daimler-Chef Dieter Zetsche
Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der „Arbeit“. Foto: Daimler

Nach 13 Jahren und knapp fünf Monaten an der Spitze des Autobauers endet nach der Hauptversammlung am Mittwoch die Ära Zetsche bei Daimler – und der Schwede Källenius, bislang Entwicklungschef und schon lange Kronprinz in Stuttgart-Untertürkheim, ist am Zug.

Mit dem 66-Jährigen mit dem markanten Schnauzbart, zwischendurch auch mal als „Dr. Z“ unterwegs, geht auch das Gesicht von Daimler. Der promovierte Ingenieur ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und selbst zur Marke geworden. Er hat den Konzern umgekrempelt, ihm die Krawatten ab- und die Sneakers zur Jeans angewöhnt. „Er hat eine Perle daraus gemacht“, sagt der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Daimler ist jetzt hip, der Rentner-Benz passé.

Amtszeit mit vielen Höhen und Tiefen

Passé sind erst einmal aber auch die Rekorde, die Zetsche noch vor einem Jahr verkünden konnte. Danach zeigte der Handelsstreit zwischen China und den USA Wirkung. Dazu kamen Kosten etwa für Dieselrückrufe, Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP und nur noch ein ganz knappes Plus bei den Verkäufen. Die Folge: 2018 musste der Konzern einen herben Gewinneinbruch verbuchen. Und weil weiter viel Geld in den Aufbruch ins Elektro-Zeitalter fließt, gleichzeitig aber die Verkaufszahlen bei den aktuellen Modellen nun richtig schwächeln, lief auch der Start ins Jahr 2019 eher mies.

So scheidet Zetsche ohne neue Rekordzahlen aus dem Amt. Was aber, so hat er es jedenfalls gesagt, weder für Daimler noch für ihn selbst eine Rolle spiele. Auch Auto-Professor Dudenhöffer sieht die Leistung Zetsches dadurch nicht geschmälert. „Alle haben momentan Schwierigkeiten, ihre Renditen zu erreichen“. Von einer Amtszeit mit vielen Höhen und Tiefen spricht Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Aber: „Insgesamt haben wir eine sehr gute Entwicklung in den letzten Jahren gehabt.“

Neue Agenda noch unbekannt

„Gegenmaßnahmen“ hat Zetsche noch angekündigt, aber wie die im Detail aussehen sollen, muss jetzt Källenius sagen. Und er wird ein Kartellverfahren der EU und vor allem den Dieselskandal erben. Auch in Mercedes-Fahrzeugen soll es bei der Abgasreinigung nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Es gibt Ermittlungen, ein Bußgeldverfahren. Zudem müssen Hunderttausende Mercedes-Diesel für Software-Updates in die Werkstatt.

Wie seine Agenda aussieht, lässt Källenius bislang offen. So wenig Zetsche bislang über seinen Abschied gesagt hat, so wenig spricht Källenius über seinen Antritt – öffentlich jedenfalls. Anfang der Woche war es zwar wieder er, der Daimlers Nachhaltigkeitsstrategie präsentierte – was sich dann als Abkehr vom reinen Verbrenner-Antrieb bis zum Jahr 2039 entpuppte. Zu sich selbst und zum bevorstehenden Wechsel ganz nach oben aber wie üblich: kein Wort.

„Car Guy“ Källenius

Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius am Vorabend des Genfer Autosalons.  Foto: dpa

Dass der 49-Jährige jetzt alles anders macht, ist aber nicht zu erwarten. Anders als Zetsche ist Ola Källenius kein Ingenieur, sondern von seiner Ausbildung her eher ein Mann der Zahlen. Was die Strategie angeht, heißt es, lägen die Ansichten der beiden aber dicht beieinander. „Er ist keiner, der mit Benzin im Blut auf die Welt gekommen ist. Aber da hat er sich über seine vielen Funktionen richtig gut reingearbeitet“, lobt Betriebsratschef Brecht. Zetsche selbst hat seinen jetzigen Nachfolger schon vor Jahren einen «echten Car Guy» genannt.

Källenius wird eigene Akzente setzen wollen und müssen. Die groben Linien inklusive eines kompletten Umbaus des Konzerns sind aber klar. Alles Wichtige der vergangenen Monate hat er ohnehin mitentschieden. Er ist nun derjenige, der all die jüngst vereinbarten Kooperationen etwa mit dem chinesischen Großinvestor Geely beim Kleinwagen Smart oder mit dem Konkurrenten BMW bei der Entwicklung des autonomen Fahrens mit Leben füllen muss.

Dieter Zetsche wird das alles aus der Ferne verfolgen – müssen. Für ihn beginnt die sogenannte Abkühlungsphase. Erst wenn die in zwei Jahren abgelaufen ist, kann er sich in den Aufsichtsrat von Daimler wählen lassen. Geplant ist, dass er 2021 dort den Vorsitz übernimmt – und dann Ola Källenius auf die Finger schaut. (dpa)