Probleme mit WLTP belasten VW-Konzern

Eine Milliarde Euro Kosten durch neuen Abgastest

VW-Chef Herbert Diess. © dpa

Die Probleme mit dem neuen Abgastest WLTP haben die Marken des VW-Konzerns im Vorjahr belastet. Vor allem die Kernmarke VW Pkw und die Premiumtochter Audi bekamen das zu spüren.

Aber auch andere wichtige Marken konnten nicht mehr so hohe Vorjahresgewinne einfahren oder wirtschafteten weniger profitabel. Nun will VW-Konzernchef Herbert Diess noch mehr Augenmerk auf höhere Effizienz legen. „Wir haben uns trotz starken Gegenwinds ordentlich geschlagen“, sagte Diess. Die Konzernmarken hätten hart an ihrer Entwicklung gearbeitet. „Jetzt gilt es, diese Anstrengungen noch zu verstärken.“


Konkretere Angaben zu weiteren Bemühungen machte Diess zunächst nicht. Seit vergangener Woche droht in Wolfsburg ein neuer Zwist zwischen Unternehmen und Betriebsrat. Das „Handelsblatt“ hatte über Pläne berichtet, wonach Diess 5000 oder noch mehr Stellen in der Verwaltung streichen und so Milliardensummen bei der lange Zeit chronisch ertragsschwachen Kernmarke einsparen wolle. Betriebsratsboss Bernd Osterloh hatte hingegen vor allem wegen des Schlamassels rund um den Abgas- und Verbrauchstest WLTP auf schwere „Managementfehler“ verwiesen und personelle Konsequenzen gefordert.

Deutlich Gewinn eingebüßt

Die Marken des Volkswagen-Konzerns büßten im vergangenen Jahr vor allem wegen der Einführung neuer Abgas- und Verbrauchstests teilweise deutlich an Gewinn ein. Bei der Kernmarke VW fiel das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen von 3,3 auf 3,2 Milliarden Euro, obwohl der Umsatz um 6,8 Prozent auf 84,6 Milliarden Euro kletterte. Die Umsatzrendite fiel auf 3,8 Prozent. Sie gibt an, wie viel vom Umsatz als Betriebsgewinn übrig bleibt. Mit dem Wert verfehlte VW das selbst gesetzte Ziel, zumindest das untere Ende der Bandbreite von 4 bis 5 Prozent zu erreichen.

Neben WLTP kosteten das Unternehmen höhere Rabatte einiges Geld, unter anderem die sogenannte Umweltprämie für den Umtausch alter Dieselautos. Aber auch Wechselkurseffekte und Vorleistungen für neue Elektromodelle schlugen negativ zu Buche.

Der Konzern konnte wegen fehlender Zulassungen im Rahmen des neuen Abgas- und Verbrauchstests viele Modelle seiner Marken über längere Zeit nicht anbieten. Auch die Tochter-Marke Audi bekam das Schlamassel zu spüren. Der Umsatz der Ingolstädter ging leicht auf 59,2 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen fiel von 5,1 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden. Audi hatte im vergangenen Jahr weniger Autos verkauft und auch höhere Nachlässe geben müssen, weil viele Kunden ihre Wunschmodelle nicht bekommen konnten.

Eine Milliarde Kosten wegen WLTP

Auch bei der Tochter Skoda sowie den kleinen Nutzfahrzeugen belastete WLTP das Ergebnis. Volkswagen hat das Ausmaß der Gesamtkosten des Problems für den Konzern bisher mit über einer Milliarde Euro beziffert. Allerdings gibt es auch Medienberichte, wonach die Arbeitnehmerseite mit deutlich höheren Kosten kalkuliert.

VW baut den I.D. Crozz und I.D. Buzz auch in seinem US-Werk in Chattanooga. Foto: VW

Die Sportwagentochter Porsche steigerte ihren Umsatz um 9,2 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 2,7 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu. Die Stuttgarter sind mit ihren Luxusautos die Renditeperle im Konzern – allerdings ging auch bei Porsche die hohe Profitabilität leicht zurück. Diess treibt derweil die Bemühungen in der Elektromobilität weiter voran. Der Konzern will noch mehr reine Elektromodelle auf die Straße bringen. Bis 2028 sollen fast 70 neue E-Autos in den Verkauf gehen. Bisher hatte VW von 50 E-Modellen gesprochen. In den kommenden zehn Jahren will VW dann 22 Millionen Elektroautos auf eigenen Plattformen bauen statt bisher 15 Millionen.

„Um die notwendigen Investitionen für die E-Offensive tätigen zu können, müssen wir unsere Effizienz und unsere Performance in allen Bereichen weiter steigern“, sagte Diess. Volkswagen will allein in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro in neue Technik wie E-Antriebe, autonomes Fahren und Digitalisierung stecken. Im nächsten Jahrzehnt greifen in der EU härtere Vorschriften für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids. Autobauer müssen daher die Elektromobilität ausbauen, um mögliche Strafzahlungen zu vermeiden.

Umsatzplus in 2019 erwartet

Wie in den Vorjahren kostete die Dieselaffäre erneut Milliarden. Die Kosten zur Bewältigung der Softwaremanipulation bei Dieselmotoren kletterten vergangenes Jahr um weitere 3,2 Milliarden auf rund 29 Milliarden Euro. In Deutschland sind nach Angaben des Konzerns derzeit rund 46 000 Klagen auf Schadenersatz oder Rückabwicklung anhängig, im Ausland weitere eintausend.

VW-Chef Diess erwartet für das neue Jahr ein Umsatzplus von bis zu 5 Prozent und leicht steigende Auslieferungszahlen. Bei der Umsatzrendite des operativen Gewinns rechnet er mit einem Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent, sie lag um Sondereinflüsse bereinigt im Vorjahr bei 7,3 Prozent. Die zweite Hälfte des Jahres sollte dabei besser laufen als das erste Halbjahr. (dpa)

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