Wissmann sieht in VW-Skandal einen Weckruf

VDA-Neujahrsempfang

VDA-Präsident Matthias Wissmann © dpa

VDA-Präsident Matthias Wissmann hat angesichts des VW-Skandals striktere Prüfverfahren angemahnt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt will in diesem Jahr vor allem die Elektromobilität forcieren.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen ist nach Ansicht von Autoverbands-Chef Matthias Wissmann auch ein Weckruf für striktere Prüfungen. Die Debatte um eine schärfere Aufsicht über die nationalen Zulassungsbehörden und realistischere Tests auf EU-Ebene begleite man «mit Unterstützung und Engagement», sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) am Mittwochabend beim Neujahrsempfang der Branche in Berlin: «Wir werden in all diesen Themen proaktiv sein und nicht auf Defensive spielen.»

Wissmann gegen Pauschalverurteilung

Mit Blick auf die VW-Affäre meinte Wissmann, dass «auch ein paar neue Schritte gemacht werden müssen, um die Integrität des Prüfregimes in Deutschland und in Europa sicherzustellen». Von einer «Kumpanei» oder Interessenvermischung zwischen Autoherstellern und Behörden wie dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), die Kritiker aus Umweltorganisationen sehen, könne keine Rede sein. Dennoch seien die im September in den USA aufgedeckten Falschangaben von Stickoxidwerten bei VW-Dieselwagen ein Einschnitt in einem sonst erfolgreichen Autojahr 2015 gewesen.

Der VDA-Chef verglich die Entwicklung mit dem Auf und Ab des April-Wetters. Nach der Automesse IAA im Spätsommer sei dann «so etwas wie der Hagel» gekommen. Wissmann wünschte VW-Chef Matthias Müller, der im Publikum war, «Glück und Erfolg» bei der Aufklärung.

Die Autoindustrie nahm er gegen Pauschalurteile in Schutz. «So klar ich sage "Manipulation geht nicht", so klar sage ich auch: Die ganz überwiegende Mehrheit der Beschäftigten unserer Industrie - auch in dem einen Unternehmen - verhält sich ordentlich.» Zudem sei der Diesel als «Brückentechnologie» weiter nötig, um die strengeren Vorgaben zum CO2-Ausstoß auf europäischer Ebene einhalten zu können.

Dobrindt fordert Programm für Elektrofahrzeuge

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte im Hinblick auf das Diesel-Debakel bei VW: «Ich weiß sehr wohl, dass wir uns in diesem Jahr nicht nur mit den freudigen Entwicklungen in der Automobilindustrie auseinandersetzen müssen, sondern auch mit der Aufarbeitung der Vergangenheit.» 2016 werde aber vor allem ein Jahr werden, in dem zentrale Weichenstellungen für den Ausbau der bisher schleppenden Elektromobilität in Deutschland gelingen müssten.

«Jetzt geht es darum, den nächsten großen Schritt zu tun», meinte Dobrindt zur Diskussion um neue Fördermaßnahmen wie die von der SPD vorgeschlagenen Kaufprämien für E-Autos, die er bisher ablehnt. «Für mich ist zumindest klar: Wir brauchen ein Bundesprogramm für den stärkeren Ausbau der Ladeinfrastruktur. Und wir brauchen ein Programm, um den Markthochlauf der E-Fahrzeuge anzureizen.»

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.