Vergleich im Abgasskandal wird für VW teurer als erwartet

US-Richter entscheidet am 26. Juli

VW erzielt Erfolg vor US-Gericht
VW erzielt Erfolg vor US-Gericht © dpa

Entschieden ist noch nichts. Doch in den USA rückt ein Vergleich im VW-Abgasskandal näher. Nach dem jetzigen Stand der Dinge könnte er für den Autobauer teurer als erwartet werden. Weder die Behörden noch der Autobauer wollten sich dazu äußern.

Volkswagen muss sich die Bewältigung der Abgaskrise in den USA voraussichtlich deutlich mehr kosten lassen als zunächst erwartet. Berichten zufolge beläuft sich die Gesamtsumme, die der Konzern in einem Vergleich an Kunden-Entschädigungen, Strafen und Umwelt-Investitionen zahlen soll, auf rund 15 Milliarden Dollar.

Das wären etwa 5 Milliarden Dollar mehr als bisher angenommen, wie die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen meldete. Die «Financial Times» (FT) bezifferte den Betrag laut Insider-Informationen auf 14,7 Milliarden Dollar. Weder VW noch die zuständigen Behörden wollten sich äußern.
Am Dienstagmittag (Ortszeit/21 Uhr MESZ) soll beim US-Richter Charles Breyer in San Francisco ein Kompromissvorschlag zwischen VW, Klägern und Behörden eingereicht werden. Das Dokument soll nach monatelangen Verhandlungen die Einigung zu einer finanziellen Wiedergutmachung der Wolfsburger in den Vereinigten Staaten enthalten, wo das Debakel um weltweit rund elf Millionen manipulierte Dieselautos seinen Ausgang genommen hatte. Klar ist bereits, dass es sehr teuer für VW wird.

Zehn Milliarden Euro für Kundenansprüche

Laut Bloomberg und FT sollen allein an Entschädigungen für VW-Kunden über 10 Milliarden Dollar fließen, um auch Rückkäufe oder Umrüstungen zu finanzieren - wenigstens 5100, höchstens 10 000 Dollar pro Kunde. Im Fall von Rückkäufen wird nach Informationen der FT der Wert des Autos vor dem Beginn des Skandals im September 2015 berücksichtigt - bis zum Auslaufen der Entscheidungsfrist für die Besitzer Ende 2018 mindert sich der Wert des Fahrzeugs rechnerisch nicht. Für Fahrer geleaster Dieselwagen sei etwa die Hälfte der Summe angesetzt worden.

Hinzu kämen 2,7 Milliarden Dollar an Strafen der US-Umweltbehörden sowie weitere 2 Milliarden Dollar, die die Deutschen in Technologien zur Abgasreduzierung stecken müssen. VW könnten über die Einigung bei Breyer hinaus aber noch mehr Strafen drohen. Auch die «Bild»-Zeitung nannte eine Kostensumme von zunächst 15 Milliarden Dollar. In dem vorliegenden Vorschlag soll es um die etwa 480.000 betroffenen Dieselwagen mit Zwei-Liter-Motoren in den USA gehen. Wagen mit dem größeren 3,0-Liter-Antrieb seien davon noch nicht abgedeckt, hieß es.

Entschädigung auch für europäische Kunden

Der Konzern hatte nach Vorwürfen des US-Umweltamtes EPA zugegeben, in großem Stil bei Abgastests getrickst zu haben. Insgesamt hat VW gut 16 Milliarden Euro (aktuell 17,6 Milliarden US-Dollar) für die Folgekosten der Manipulationen zurückgelegt. Dabei geht es aber nicht nur um die Probleme in Amerika - weltweit sind elf Millionen Wagen betroffen.

Verbraucherschützer fordern Schadenersatz wie in den USA auch für europäische Kunden. Der Einigungstext in Kalifornien betont laut FT aber explizit, dass er nicht als Präzedenzfall gesehen werden solle. Auch in den Vereinigten Staaten ist noch offen, wie viele Kunden von einem Rückkauf-Angebot wirklich Gebrauch machen - ein entscheidender Punkt bei der Schätzung der Gesamtkosten. Am 26. Juli will Breyer verkünden, ob er dem am Dienstag vorgelegten Vorschlag zustimmt.

Unterdessen kam mit Blick auf bevorstehende Einigung Kritik von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Die USA führen Verkehrsminister Dobrindt im Abgasskandal erneut vor. Während die US-Regierung VW für die Gesundheitsschäden schmutziger Diesel zahlen lässt, will Dobrindt den Konzern in Deutschland mit schlichten Softwareupdates davon kommen lassen", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser. "Die schmutzigen Diesel von VW und auch anderen treiben in Deutschland seit Jahren die Zahl der Asthmafälle und Herzkreislauferkrankungen in die Höhe. Dafür muss der Konzern endlich in Haftung genommen werden. Dobrindt muss VW zu einer wirksamen Umrüstung zwingen, die sicherstellt, dass auch ältere Diesel endlich auf der Straße sauber werden“, so Moser weiter. (AG/dpa)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.