Familien Piech und Porsche wie Feuer und Wasser

VW-Machtkampf

Familien Piech und Porsche wie Feuer und Wasser
Ferdinand Piech (l.), Wolfgang Porsche © dpa

Die Familien Piech und Porsche halten über die Hälfte der Stimmrechte bei Volkswagen. Einen gemeinsamen Weg gehen die Verwandten dadurch aber nicht zwangsläufig.

Sie entstammen einer Familie - und wirken doch so grundverschieden: Ferdinand Piëch, bei Volkswagen das Machtzentrum a.D., und sein Cousin Wolfgang Porsche. Sie passen zusammen wie Feuer und Wasser, nicht wie Pech und Schwefel. Der Machtpoker in der VW-Spitze hat die beiden Vettern wieder in die Schlagzeilen gebracht - und mit ihnen ihre zwei Familienstämme.

Wolfgang Porsche um Ausgleich bemüht

Es liegt Ironie darin, dass mit Wolfgang Porsche ausgerechnet der ruhige und um Ausgleich bemühte Cousin am Ende eines erbitterten Führungsstreits um die Zukunft von Konzernchef Martin Winterkorn als Sieger dasteht. Jetzt, wo die Medien bei der Hauptversammlung am nächsten Dienstag nicht mehr auf den Patriarchen und seine ebenfalls aus dem Aufsichtsrat zurückgetretene Frau Ursula schauen können, dürften die Kameras vor allem auch immer wieder auf den bisher weniger beachteten Aufsichtsrat Wolfgang Porsche schwenken.

Außerdem im Fokus: Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34). Die beiden Frauen aus der vierten Generation des Porsche/Piëch-Clans waren am Donnerstag auf die freien Aufsichtsratsplätze nachgerückt.

Erster Eklat 2008

«WoPo», wie sie Wolfgang Porsche intern nennen, ist nach dem Abgang der Piëchs der ordnende Faktor auf der Kapitalseite. Er und nicht mehr Piëch hält nun die Fäden zusammen. Und «WoPo» hat seine Maxime dafür noch an dem Tag erklärt, an dem sein Cousin zurücktrat: «Wir werden weiterhin mit großer Loyalität unsere Verantwortung als Großaktionär für den Volkswagen-Konzern und seine 600.000 Mitarbeiter wahrnehmen.» Die Art von Piëchs Angriff auf Winterkorn, da sind sie sich an der VW-Spitze einig, hatte mit Verantwortung nicht viel zu tun.

Es war nicht der erste Eklat unter den Vettern. Unvergessen ist das Ringen um den Porsche-Einstieg bei VW, als sich im September 2008 der Aufsichtsratschef Piëch seiner Stimme im Kontrollgremium enthielt und der Arbeitnehmerseite zu einem wichtigen Etappensieg verhalf. Piëch fiel Porsche damit in den Rücken. Sein Cousin gab sich fassungslos über das Verhalten des streitbaren Verwandten.

Piech verliert Machtpoker

Piëch wurde auch im jüngsten VW-Machtpoker nachgesagt, schlicht nicht verlieren zu können. Doch am Ende war er machtlos, ja ohnmächtig gegenüber der Dreier-Allianz aus Arbeitnehmerseite, dem VW-Großeigner Niedersachsen und eben seinem Cousin Wolfgang Porsche.

Es war eine überraschend standfeste Allianz. Unter anderem der Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger war beim Ausbruch des Dramas noch davon ausgegangen, dass der VW-Patriarch die Familienreihen am Ende hinter sich schließen könne. «Was hätte die Porsche-Familie von einem internen Bruch - nur um einen hoch bezahlten Manager zu schützen?» Die Antwort fehlt zwar bis heute, doch geschützt hat sie Winterkorn - und damit Piëchs Rücktritt erzwungen.

Beide Familien halten über die Hälfte der VW-Stimmrechte

Die Familienzweige halten über die Hälfte der Stimmrechte bei Europas größtem Autobauer, in dem Konzern lebt ihr gemeinsames Familienerbe fort. Der gemeinsame Großvater, Ingenieur Ferdinand Porsche, hatte mit dem VW-Käfer der Grundstein für den Weltkonzern gelegt.

Seine Enkel Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche sind Gegenpole. Das wird sichtbar, wenn sie bei Preisverleihungen auf einer Bildfläche erscheinen. Wolfgang Porsche ist nahbar, versprüht bubenhafte Freude, wenn er von seinen Autos schwärmt. «Er ist ein wichtiger Ruhepol», sagt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück über «WoPo», den 71 Jahre alten Doktor der Handelswissenschaften.

Wie verhält sich Piech zukünftig?

Wenn Piëch dagegen Hof hält, weichen Anwesende ehrfurchtsvoll zurück. «Der Alte» heißt er intern bei VW. Insider nennen den für seine machtvollen Halbsätze berüchtigten Österreicher das «Orakel von Salzburg». Und trotz seines Rücktritts am vergangenen Samstag auf dem - womöglich erst vorläufigen - Höhepunkt der Krise fragt sich noch immer mancher in Wolfsburg: Wer weiß, ob da nicht noch etwas kommt?

Es ist der Machtnimbus, der Piëch jahrzehntelang umgab. Er vereinte die Autorität des VW-Großaktionärs mit seinen diversen Managerrollen im Konzern bis zum Vorstandschef. Und schließlich bildete er als Machtzentrum die Spitze des Aufsichtsrates. Ingenieur ist er noch dazu, in der Autowelt ein Fachmann durch und durch. «Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt», steht in Piëchs Autobiografie.

Wolfgang Porsche sieht auch den Menschen

Dagegen stammt «WoPo» aus dem anthroposophischen Familienzweig. «Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man nicht nach Profiten giert, sondern dass man unter Menschen mit Menschen umgeht», sagte er einst dem Südwestrundfunk. Porsche ist Waldorfschüler. Das Pädagogikkonzept dort ersetzt das mit dem herkömmlichen Schulsystem verbundene Ausleseprinzip durch die Bildungsidee individueller Förderung.

Piëch kam als Heranwachsender von einer Salzburger Realschule auf das Schweizer Elite-Internat Zuoz. Einen zentralen Wert ihrer Pädagogik sieht die Einrichtung in: «Anstand und Ordnung im Alltag».

Wolfgang Porsche gilt als bodenständig, traditionsbewusst - ein Familienmensch. Er ist Nebenerwerbslandwirt. Sein Neffe Daniell Porsche ist noch eine Generation jünger, Urenkel des legendären Firmengründers. Bei dem gelernten Musiktherapeuten ist die anthroposophische Linie wieder erkennbar. Er schrieb auch ein Buch. Der Titel: «Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen». Das darf getrost als Anspielung auf ein Werk von Ferdinand Piëch verstanden werden. Der nannte seine Memoiren «Auto.Biographie». (dpa)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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