VW und Porsche arbeiten am Plan B

Neue Wege der Fusion

Ein neuer Plan muss her für die Fusion zwischen Porsche und VW © dpa

Das Traumpaar aus VW und Porsche kann nicht so, wie es gern will: Die Fusionspläne müssen auf die lange Bank geschoben werden. Jetzt soll ein Notfallplan greifen.

Von Heiko Lossie und Jan-Henrik Petermann

Der Weg der Wunschpartner Volkswagen und Porsche zur erhofften Fusion wird steiniger als vermutet - also ändern sie ihre Strategie: Um ungelöste juristische Risiken aus der vergangenen Übernahmeschlacht zu umschiffen, wollen die beiden Autobauer für ihr Zusammengehen zunächst zu Plan B greifen, wie die Unternehmensspitzen auf der weltgrößten Automesse IAA in Frankfurt mitteilten. Demnach könnte VW von 2013 an seine Kaufrechte einlösen und die Porsche AG - also nur das operative Sportwagengeschäft des Porsche-Konzerns - komplett unter sein Dach holen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller.

VW-Chef Martin Winterkorn optimistisch

Die milliardenschweren Altlasten der Holding Porsche SE blieben dabei außen vor. Sie hatten den ursprünglichen Plan einer kompletten Fusion der beiden Seiten jüngst platzen lassen. Für VW-Autopatriarch Ferdinand Piëch dürfte die Hängepartie um die Porsche-Integration ein Ärgernis sein. Schließlich hatte der mächtige Aufsichtsratschef beim feindlichen Übernahmeversuch der Stuttgarter vor zwei Jahren den Spieß umgedreht. Zur IAA wollte sich der Ex-VW-Vorstandsvorsitzende und Cousin von Porsche-Chefaufseher Wolfgang Porsche zumindest äußerlich nichts anmerken lassen: Die Verschiebung sei für ihn «nicht unerwartet» gekommen, sagte Piëch.

Nun sei das Einlösen der Kaufrechte für VW - und damit Plan B - der wahrscheinlichste Weg, sagte Müller. Vereinbarungen wie diese heißen in der Branche Put-/Call. Müller betonte: «Put-/Call ist natürlich eine Möglichkeit. Aber beide Gesellschaften prüfen, ob es alternative Wege zum integrierten Automobilkonzern gibt», sagte Müller und stellte damit eine frühere Aussage richtig, wonach er davon ausgehe, dass das Einlösen der Kaufoption für VW nun zum Tragen kommen werde. VW-Chef Martin Winterkorn sagte, dass diese Option nun Rückenwind bekomme: «Gehen Sie davon aus: Es wird gut werden.»

Porsche-Putsch als Hindernis

Die Optionsverträge legen fest, innerhalb welcher Fristen die Partner ihre Anteile zu welchem Preis übertragen können. Dabei unterscheidet man zwischen dem Recht, Vermögenswerte abzugeben («Put»-Option), und dem Recht, sie endgültig zu übernehmen («Call»-Option). Das Fenster der wechselseitig eingeräumten Kauf- und Verkaufsrechte öffnet sich Ende 2012 und gilt bis Anfang 2015.

VW selbst könnte im Frühjahr 2013 den ersten Schritt für einen Kauf tun. Die Wolfsburger besitzen bereits 49,9 Prozent der Porsche AG und hatten dafür seinerzeit rund 3,9 Milliarden Euro gezahlt. Hintergrund der schwierigen Partnerschaft ist der gescheiterte Versuch von Porsche, VW zu schlucken. Dabei hatten sich die Schwaben kräftig verhoben und in ihrer Dachholding 11,4 Milliarden Euro Schulden aufgetürmt. Inzwischen herrscht Friede, und die beiden Seiten wollen einen «integrierten Automobilkonzern» mit Porsche als zehnter VW-Marke gründen. Doch juristische Streitigkeiten in den USA sowie in Deutschland und die damit verbundenen milliardenhohen Prozessrisiken ließen VW vom heiklen Plan A abrücken.

Steuerfreiheit erst ab Mitte 2014

Jedoch hat auch Plan B einen Haken: Diese Variante wäre erst ab Mitte 2014 steuerfrei. Müller sagte dazu: «Aber es ist ja nicht so, dass wir keine Steuern zahlen wollen. So soll das bitte nicht verstanden werden. Es gibt ein Zeitfenster zwischen 2012 und 2014.»

Details zur möglichen Dauer für die Umsetzung der Entscheidung ließ der Vorstandsvorsitzende offen. «Es ist ja auch nicht so, dass man da mit dem Finger schnippt und sagt: "Das machen wir jetzt morgen." Sondern das ist eine Kette von Ereignissen, die dort als Vorleistung erbracht werden muss.» Auch eine spätere Umsetzung der Fusion - also Plan A - ist immer noch nicht vom Tisch. Wenn die Prozessrisiken ausgestanden sind, kann es dazu noch kommen.

Gemeinsame Wurzeln zwischen VW und Porsche

Müller zufolge ist der Löwenanteil der Einsparmöglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit der beiden Partner schon identifiziert. Porsche und VW hatten diese Synergien - etwa in gemeinsamem Einkauf oder gemeinsamer Verwaltung - mit 700 Millionen Euro beziffert. Sechs Siebtel davon seien schon ausgemacht. Die übrigen 100 Millionen Euro würden «in den nächsten Monaten» festgelegt, sagte Müller. Tatsächlich gespart werde dann vom nächsten Jahr an.

«Ich denke, dass das Ziel im Verlaufe des Jahres 2012 erfüllt wird. Ich gehe auch davon aus - aufgrund der positiven Erfahrungen, die wir im Umgang miteinander gemacht haben -, dass wir auch noch über diese 700 Millionen hinauskommen», sagte der Porsche-Chef.

Die Schwaben und die Niedersachsen sind schon eng verbandelt und arbeiten in der Praxis längst an vielen Stellen zusammen. So hält die Porsche SE nicht nur die Mehrheit an der Porsche AG, sondern inzwischen auch eine Beteiligung von gut 50 Prozent an der Volkswagen AG. Beide Seiten haben auch gemeinsame Wurzeln: Ferdinand Porsche brachte den VW Käfer zur Serienreife, mit dem VW zu Weltruhm kam. (dpa)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.