Am Hamburger Flughafen parkt das Auto autonom ein

Modellversuch gestartet

VW Passat. Foto: dpa
Ein automatisch einparkenden VW Passat. © dpa

Wer kennt es nicht, das leidige Suchen eines Parkplatzes. Am Hamburger Flughafen kann man sein Auto in einem Modellversuch autonom einparken lassen.

Wenn man sich im Flughafen-Parkhaus P4, direkt gegenüber dem Terminal 2, der Schranke nähert, ist gehört das sonst übliche Spiel der Parkplatzsuche der Vergangenheit an. Der Fahrer steigt vor der Schranke aus, schließt den Wagen ab, gibt einen Befehl in sein Smartphone ein und geht zum Flieger.


Der Wagen steuert ohne Fahrer automatisch die nächstgelegene Parklücke an. Nach der Flugreise steht das Auto nach einem kurzen Hinweis per App am Ausgang des Parkhauses bereit für die Heimfahrt. Die Parkgebühren werden über die App abgerechnet; der Kofferraum des Autos kann als Lieferadresse für Online-Bestellungen genutzt werden.

VW wird zum Mobilitätsdienstleister

Was jetzt noch ein Modellversuch ist, könnte in wenigen Jahren Realität werden. Mit drei Autos der Marken Volkswagen, Audi und Porsche demonstrierte der VW-Konzern am Freitag in Hamburg, wie autonomes Parken funktionieren könnte. „Unser Hauptziel ist Mobilität für alle“, sagte VW-Digital-Chef Johann Jungwirth.

Der Konzern entwickele sich von einem klassischen Automobilhersteller zu einem Unternehmen für Mobilität. Die Zukunft der urbanen Mobilität könnte so aussehen, dass der Kunde nach seinem Bedarf in autonomen Fahrzeugen unterwegs sei, die auf Abruf bereitstünden. Sie würden 40 Prozent ihrer Zeit genutzt, verglichen mit vier Prozent bei einem Privatauto. Die Zahl der Autos in den Städten sich auf ein Siebtel verringern.

„Die Fahrzeuge mit der autonomen Parkfunktion werden alle mit einer aktiven Umfelderkennung ausgestattet sein“, teilte VW mit. Sie kann Objekte erkennen und entsprechend reagieren, sei es durch Ausweichen, Abbremsen oder komplettes Stoppen. Dazu werden Fahrzeuge mit einem Sensoren-Set ausgestattet wie beispielsweise mit Ultraschall, Radar sowie Kamera.

Daten werden im Steuergerät verarbeitet

Die Daten würden in einem zentralen Steuergerät des Autos verarbeitet. Im Parkhaus fährt das Auto auf Basis von Kartendaten selbstständig zu dem ihm zugewiesenen freien Parkplatz. Einfache, im Parkhaus angebrachte Bildmarker bieten den Fahrzeugen dabei Orientierung. Diese Technik könne auch in älteren Parkhäusern nachgerüstet werden.

Parken ist speziell in Städten ein größeres Problem. Rund 30 Prozent des Stadtverkehrs entfallen auf die Parkplatzsuche. Jedes Jahr sucht ein durchschnittlicher Autofahrer in Deutschland rund 41 Stunden nach einem Parkplatz und belastet so den Straßenraum ebenso wie durch Emissionen die Luftqualität und das Klima.

Hamburg sucht Partnerschaften

„Hamburg steht als Metropole des Nordens mit 5,5 Millionen Einwohnern in der Region und als große Hafenstadt und Logistik-Knotenpunkt im Norden Europas vor vielen Herausforderungen bei der Sicherung der Mobilität“, sagte der Hamburger Verkehrssenator Frank Horch (parteilos). Hamburg verstehe sich als Modellstadt und sei auch deshalb Partnerschaften mit VW sowie anderen Unternehmen eingegangen.

Der Hamburg Airport Helmut Schmidt, dritter Partner in dem Projekt, stellt zeitweise einen Teil des Parkhauses für das Pilotprojekt zur Verfügung. Durch autonomes Parken könnten die Fahrzeuge enger geparkt werden, da der Platz zum Aussteigen nicht mehr benötigt werde. Das wiederum ermögliche mehr Passagieren, ihr Auto in direkter Nähe zum Flughafen abzustellen. „Der Flugverkehr wird weiter wachsen“, sagte Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler. Für den Flughafen sei es wichtig, die begrenzten Flächen bestmöglich auszunutzen. (dpa)

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