VW-China-Chef Neumann ist seinen Posten los

Fehlende Hausmacht

Karl-Thomas Neumann hat seinen Posten als China-Chef von VW verloren. Zukünftig wird der Winterkorn-Vertraute Jochem Heizmann den Posten wahrnehmen. Was aus Neumann wird, ist noch offen.

Für Karl-Thomas Neumann ist es der zweite Karriereknick in kurzer Zeit. Vor nicht einmal drei Jahren kostete ihn ein Machtkampf mit dem Großaktionär den Chefsessel beim Autozulieferer Conti - nun ist er seinen Posten als China-Chef bei Volkswagen los. VW-Boss Martin Winterkorn besetzt die wichtige Position mit einem engen Vertrauten - der war Neumann nicht. Seine Zukunft ist offen. "Wir suchen für Herrn Dr. Neumann eine neue Aufgabe im Konzern", sagte Winterkorn am Samstag knapp. Beim beispiellosen Umbau der Führungsstruktur war das offenkundig nicht gelungen.

Neumann fehlte bei VW die Hausmacht

Neumann liebt das offene Wort. Der Marathon-Läufer leitete zwei Jahre lang die Geschäfte für VW auf dem größten Automarkt der Welt und dem größten Einzelmarkt von Volkswagen. Dabei ging der Manager und Elektroingenieur sachlich an Probleme heran und wich unbequemen Wahrheiten nicht aus. In deutschen Medien wurde der 51-Jährige lange als möglicher Nachfolger Winterkorns an der Spitze des VW-Konzerns gehandelt. Doch das Verhältnis mit Wolfsburg galt nicht als das Beste, ihm fehlte offensichtlich die Hausmacht.

Dabei hat Neumann keine schlechte Bilanz vorzuweisen: Erstmals verkaufte die Volkswagen-Gruppe 2011 auf ihrem wichtigsten Markt im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Autos. Der Absatz wuchs in seiner Zeit deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Volkswagen konnte seinen Marktanteil in China ausbauen. Trotz Abkühlung in China wird die Volkswagen-Gruppe in diesem Jahr ein Fünftel des gesamten Kuchens halten. Während der Markt im Reich der Mitte insgesamt etwa fünf bis zehn Prozent wachsen soll, will Volkswagen wieder mehr zulegen. Allerdings sollen Neumann laut Medienberichten zugleich Qualitätsprobleme bei Direktschaltgetrieben in China angekreidet worden sein, die den Konzern mindestens 400 Millionen Euro kosten sollen.

Gute Kontakte zur Pekinger Regierung

Ein besonderer Coup indes gelang Neumann im April, als er den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao bei dessen Deutschlandbesuch mit Kanzlerin Angela Merkel ins Werk nach Wolfsburg locken konnte. Er pflegt gute Kontakte zu der Pekinger Regierung. Bei der Elektromobilität, die China massiv ausbauen will, fährt Neumann vorne mit. Mit dem Joint Venture-Partner Shanghai Automotive (SAIC) entwickelt der China-Chef die eigene Marke Tantus, unter der auch - den offiziellen Wünschen folgend - ein Elektroauto für den chinesischen Markt gebaut wird.

Neumann macht sich nichts vor. Als Ende 2011 die erste Euphorie über die Entwicklung der Elektroautos in China vorbei war, stellte Neumann fest, dass alle "etwas realistischer" werden. Die Kosten seien noch zu hoch und die Volumen zu gering. Als Hindernis kritisierte Neumann auch offen die Bemühungen Chinas, sich Kerntechnologien der E-Mobilität sichern zu wollen: "Der Markt muss geöffnet werden, damit jeder seine beste Technologie bringt."

Neben Realismus besitzt er Ausdauer: Neumann ist beim Marathon in Berlin und New York mitgelaufen. Auch an Messetagen läuft der Vater von zwei Söhnen morgens früh erstmal eine Runde, bevor das stressige Tagesgeschäft losgeht. Am Abend, wenn noch Präsentationen zu machen sind, wirkt der kernige 51-Jährige unverändert fit und wach.

Doch war Neumann in Peking offensichtlich zu weit weg von Wolfsburg, um im Nachfolgerennen mithalten oder sich im geplanten Umbau nach seinen Vorstellungen einbringen zu können. Er blickte auch nicht auf eine durchgehende Karriere im Konzern zurück, um die heute nötigen Seilschaften zu haben. Zwar arbeitete der Elektroingenieur schon von 1999 für Volkswagen, wechselte aber 2004 zum Autozulieferer Continental, wo er 2008 Vorstandschef wurde. Ein Jahr später schied Neumann nach einem erbitterten Machtkampf mit Conti-Großaktionär Schaeffler aus, ging zu Volkswagen zurück und wurde Konzernbeauftragter für Elektroantriebe, später dann China-Chef. (dpa)