Moia läutet in Hamburg letzte Testphase ein

Moia in Hamburg. Foto: dpa
Moia startet in Hamburg im kommenden April. © dpa

Der Ridesharing-Dienst Moia hat im Hamburger Rathaus sein eigens für eine Testphase entwickeltes Elektrofahrzeug vorgestellt. Der Test beginnt im April.

An der Jungfernfahrt des gold-bronzefarbenen Sammeltaxis mit schwarzem Dach und großen, dunkel getönten Fenstern auf einer öffentlichen Straße nahmen am Mittwoch neben den Geschäftsführern der VW-Tochter, Ole Harms und Robert Henrich, Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) und Hochbahn-Chef Henrik Falk teil.


Ab April sollen zunächst 100 Fahrzeuge, die über eine App gesteuert bis zu sechs Fahrgäste mit ähnlichen Fahrtrouten gemeinsam transportieren können, eine Ergänzung zu bestehenden Angeboten wie Bus und Bahn, Taxis und Carsharing bieten. Westhagemann verwies auf die Vorteile, um die Stadt „umweltfreundlicher, leiser und sicherer“ zu machen. „Ridesharing-Dienste schließen die Lücke zwischen Taxi und öffentlichem Nahverkehr.  Einzelfahrten werden reduziert, der Stadtverkehr insgesamt entlastet.“

Zunächst werde Moia ein Gebiet innerhalb des Ring 3 abdecken, sagte Harms. Binnen zwölf Monaten werde die Flotte auf 500 Fahrzeuge wachsen. Außerdem werde das Angebotsgebiet deutlich erweitert – allerdings vorerst nur nördlich der Elbe. Zwei Betriebshöfe in Niendorf und im Bezirk-Mitte werden derzeit eingerichtet. In einer späteren Ausbaustufe seien dann 1000 voll elektrische Moia-Kleinbusse und weitere Betriebshöfe geplant.

Rollstuhlfahrer bleiben noch außen vor

Dann will der Mobilitätsdienstleister des VW-Konzerns mehrere Tausend Mitarbeiter in Hamburg beschäftigen. Die Fahrer würden sämtlich angestellt und eigens geschult. „Wir lehnen uns an einen Standard an, wie er im ÖPNV üblich ist“, sagte Henrich.

Die Kosten für eine durchschnittliche Fahrt in dem mit WLAN, Info-Screen und Ladebuchsen ausgestatteten Kleinbussen bezifferte er mit ungefähr sechs bis sieben Euro. Das Elektrofahrzeug schaffe mit einer Ladung rund 300 Kilometer. Rollstuhlfahrer könnten aber nicht mitgenommen werden. „Das ist nicht zufriedenstellend“, räumte Henrich ein.

Neues Sharing-Biotop

Hochbahn-Chef Falk sprach von einem „neuen Denken“, das die urbane Mobilität der Zukunft erfordere. Es gehe darum, in „Hamburg ein neues Sharing-Biotop zu entwickeln“, in dem die Abgrenzung der einzelnen Anbieter keine Rolle mehr spiele und es möglich werde, „dass ich verlustfrei auf mein Auto verzichten kann“.

Die Taxi-Wirtschaft in Hamburg sehe das neue Angebot als „sportliche Herausforderung“, sagte der Sprecher von Hansa-Taxi, Claus Hönig. „Ridesharing gibt es bei uns schon seit 2017.“ Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Moia bestehe auch darin, dass dessen Service bislang nur über eine App funktioniere. „Es ist aber immer noch so, dass 90 Prozent aller Bestellungen über Telefon eingehen.“

Hamburg Leuchtturm-Projekt für Moia

Hamburg ist nach Hannover die zweite Stadt, in der Moia an den Start geht. Für das Unternehmen sei die Hansestadt „Leuchtturm-Projekt“ und „globaler Showcase“, sagte Harms. „Hier optimieren wir unseren Ridesharing-Dienst für einen perfekten Service, effizienten Betrieb und größtmögliche, verkehrsentlastende Wirkung, bevor wir ihn in die Welt hinaustragen.“ Der Betrieb werde wissenschaftlich begleitet, „um die Effekte wirklich nachzuweisen“.

„Es ist politisch gewollt, dass wir ein innovatives Testfeld zur Verfügung stellen können“, sagte Westhagemann. 2021 werde Hamburg Gastgeber des ITS-Weltkongresses sein, dem wichtigsten Treffen rund um intelligente Transportsysteme. „Diese Chance wollen wir nutzen, um die Digitalisierung und Effizienz auf unseren Straßen weiter voranzubringen.“ (dpa)

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