Blaugrüne Koalition

Spritspar-Konzepte

Der Dacia Logan Eco 2 läuft in Brasilien unter Renault-Emblem © Foto: Renault

Die Autohersteller feilen fleißig an neuen Spritspar-Konzepten. Bei vielen Maßnahmen es sich um alten Wein aus neuen Schläuchen – doch sie funktionieren noch immer. Ein kleiner Überblick über Modelle gegen den Spritpreis-Schock.

Von Sebastian Viehmann

Autos werden immer schwerer. Ein VW Golf wog 1974 rund 800 Kilogramm, das aktuelle Modell des Wolfsburger Bestsellers bringt 1,1 Tonnen auf die Waage. Außerdem wollen immer mehr Nebenaggregate und Elektronik mit Energie versorgt werden. Allen Fortschritten in der Motorentechnik zum Trotz ist die Verbrauchsbilanz moderner Autos bescheiden, wenn man sich den Fortschritt auf anderen Gebieten - etwa der Sicherheitstechnik - betrachtet. Effizienz ist gefragt, und als Speerspitze alt bekannter wie neuer Techniken dienen Spritspar-Modelle.

Reifen mit wenig Rollwiderstand

Mercedes setzt bei der C-Klasse auf «BlueEfficiency». Dazu gehört ein Leichtbaukonzept, bei dem selbst eine um 1,2 Kilogramm erleichterte Verbundglas-Frontscheibe ihr Scherflein zum Abspecken beiträgt. Ins Spiel kommen außerdem Reifen mit geringerem Rollwiderstand, spezielle Motor- und Unterbodenverkleidungen, Benzindirekteinspritzung, eine tiefer gelegte Karosserie und eine verlängerte Hinterachsübersetzung. Die facegeliftete B-Klasse kommt im Herbst mit einer Start-Stopp-Funktion auf den Markt. Konkurrent BMW war schneller: Im Zuge des von langer Hand vorbereiteten Programms «EfficientDynamics» kommen 1er, 3er und Mini schon heute in den Genuss einer Start-Stopp-Automatik, Rückgewinnung der Bremsenergie sowie anderer Spritspar-Maßnahmen.

Im Volkswagen-Konzern haben Spritspar-Konzepte einen langen Bart. 1981 kamen die «Formel E»-Modelle auf den Markt, die mit zahlreichen Maßnahmen - darunter einer geänderten Getriebeübersetzung - auf Sparsamkeit getrimmt waren. Weil die Ersparnis unter dem Strich bescheiden war, blieb die Formel E ein Ladenhüter und wurde schließlich eingestellt. Heute heißt das Zauberwort BlueMotion. Die Sparversionen von Polo, Golf, Passat oder Caddy specken ab durch Gewichtsreduzierung, Eingriffe ins Motormanagement und eine verbesserte Aerodynamik. Dazu gibt es eine längere Übersetzung der oberen Getriebestufen.

Spanische Variante

Seat Leobn Ecomotive Foto: AG/Mertens

Die spanische Variante der BlueMotion-Technologie heißt Ecomotive und kommt von Seat. Beim Ibiza Ecomotive brummelt der gleiche 80 PS-Diesel wie im Polo BlueMotion unter der Haube, gepaart mit der verlängerten Getriebeübersetzung und Gewichtseinsparungen. Allerdings verzichtet Seat auf strömungsgünstige Verkleidungen am Unterboden und am Kühler, wie man sie vom Polo BlueMotion kennt. Der Ibiza kommt laut Werksangabe trotzdem auf 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch. Sein Vorteil: Er ist schon von Haus aus etwas leichter als der Polo.

Skoda Fabia Greenline Foto: AG/Flehmer

Als Dritter im Volkswagen-Bunde setzt Skoda beim Fabia und Octavia mit der «GreenLine»-Reihe auf Sparsamkeit. Der Fabia GreenLine basiert auf der Ausstattungsvariante Ambiente, bei der unter anderem Tempomat, Klimaanlage und elektrische Fensterheber an Bord sind. Abgesehen von einer Dachreling kann man keine Sonderausstattung bestellen, damit die Gewichtsbilanz nicht verhagelt wird. Unter der Haube arbeitet wie beim Polo BlueMotion der 80-PS-Diesel mit längerer Übersetzung der Gänge. Die Tschechen versprechen einen Durchschnittsverbrauch von 4,1 Litern pro 100 Kilometer.

Der koreanische Autobauer Kia hat mit der Studie Eco Cee’d ähnliche Sparkonzepte vorgestellt, die ab 2009 in die Serienproduktion einfließen sollen. Der 115 PS starke Vierzylinder-Turbodiesel des Cee’d soll unter anderem mit einer Start-Stopp-Automatik und Aerodynamik-Maßnahmen einen Durchschnittsverbrauch von nur 3,9 Litern pro 100 Kilometer ermöglichen. Selbst bei knallhart preiskalkulierten Billigautos sind Spritspar-Konzepte denkbar. Die Renault-Tochter Dacia hat als Konzeptstudie den Logan Eco2 Concept präsentiert, der bei einem Verbrauch von 3,8 Litern Diesel pro 100 Kilometer nur 97 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Möglich wird das neben Feintuning an Kolben, Einspritzsystem und Getriebe durch ein Aerodynamik-Paket für die Karosserie.

Fahrweise entscheidet

Kia Eco Cee´d Foto: Kia

Ein Haken an vielen Spritspar-Konzepten ist, dass sich der versprochene Verbrauch in der Praxis oft nur mit eiserner Disziplin realisieren lässt - eine betont Sprit sparende Fahrweise ist angesagt. Konsequenterweise verzichten manche Spar-Modelle auf eine Klimaanlage, die gerade bei kleinen Motorisierungen den Verbrauch kräftig in die Höhe treiben kann. Die Kehrseite der Medaille: Bei brütender Hitze wird man auf der Fahrt das Fenster herunterkurbeln.

Das verschlechtert die Aerodynamik des Autos und erhöht den Verbrauch - wenn auch nicht im selben Maße wie eine Klimaanlage. Neben einer verbrauchsoptimierten Fahrweise ist der sparwillige Pilot auch bei Kleinigkeiten gefordert. So ist der empfohlene Reifendruck der Leichtlauf-Pneus beim Seat Ibiza Ecomotive zum Beispiel mit 2,9 Bar vorn und 2,7 Bar hinten etwas höher als beim normalen Ibiza - weniger Rollwiderstand bedeutet weniger Verbrauch.