Greenpeace-Aktivisten protestieren erneut bei VW

Kritik an Klimapolitik

Greenpeace-Aktivisten auf dem Dach des VW-Verwaltungsgebäudes in Wolfsburg
Greenpeace-Aktivisten auf dem VW-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg © Michael Löwa/Greenpeace

Greenpeace hat erneut die Klimapolitik von VW kritisiert. Die Aktivisten machten diesmal auf dem VW-Verwaltungsgebäude auf sich aufmerksam. Bei Europas größtem Autobauer ist man verwundert.

Von Thomas Flehmer

Greenpeace hat seine Protestaktionen gegen den VW-Konzern fortgesetzt. Am Dienstag entrollten Greenpeace-Aktivisten auf dem 14-stöckigen VW-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg ein Plakat, mit dem die Umweltschützer die Klimapolitik von Europas größtem Autobauer kritisierten. "CO2- das Problem" war als Banner auf dem VW-Logo angebracht worden.

VW-Spritspar-Systeme zu teuer

Greenpeace fordert VW auf, den durchschnittlichen CO2-Wert der Flotte zu senken. "Der Perfektionist Winterkorn macht jede lockere Schraube zur Chefsache; den gleichen Anspruch erwarten wir in Sachen Klimaschutz", sagt Wolfgang Lohbeck.

Der Verkehrsexperte bei Greenpeace kritisiert, dass die verbrauchssparenden Systeme Bluemotion und Bluemotion Technology teuer verkauft werden. "VW kostet das 40 bis 45 Euro, doch Bluemotion Technology wird für 400 Euro angeboten, Bluemotion gar für 1600 Euro", sagte Lohbeck der Autogazette. VW selbst hatte auf dem Autosalon in Genf angekündigt, Bluemotion Technology in allen neuen Modellen mit zu verbauen.

Greenpeace setzt weiter auf Dialog

Zwei Tage vor der Jahreshauptversammlung wollten die Umweltschützer mit der Aktion noch einmal auf den aus ihrer Sicht zu hohen CO2-Ausstoß bei den VW-Modellen hinweisen. "Es ist wichtig, vor dem Donnerstag auch auf dieser Ebene an das Auto zu denken und nicht nur zu schauen, dass Frau Piech in den Aufsichtsrat gewählt wird", sagte Lohbeck weiter.

Trotz der Aktion hofft Lohbeck, dass ein Dialog mit VW stattfinden wird. Die bisherigen Versuche hatten bisher zu keinem Ergebnis geführt. "Ich weiß, dass VW Interesse an diesem Dialog hat, weiß aber nicht, ob dieses Interesse noch besteht", sagt Lohbeck, "die Dialogbereitschaft war bisher immer eng an das Wohlverhalten gekoppelt." Von daher könnte die Aktion sich als kontraproduktiv erweisen. Die Gefahr sieht Lohbeck auch, sagt aber zugleich, dass es auch ohne Aktionen zu keinem Dialog mit VW-Chef Winterkorn gekommen sei.

VW sieht sich auf gutem klimapolitischen Weg

VW hat die Dialogbereitschaft immer betont "und ist auch weiter bereit", sagte ein VW-Sprecher der Autogazette. Zudem hätten Gespräche zwischen Greenpeace und dem VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg schon stattgefunden. Deshalb ist man in VW-Kreisen nicht nur über die aktuelle Aktion verwundert, sondern auch über die neuen Forderungen von Greenpeace, bis 2020 den Flottenausstoß auf 80 Gramm zu senken. Technisch sind wohl die meisten Hersteller auf diesem Weg. Allerdings sind die Kosten - wie beim Elektroauto - für die Aufwendungen zumeist wirtschaftlich nicht darstellbar.

VW selbst sieht sich auf einem guten klimapolitischen Weg. "Weit über zwei Drittel unseres milliardenschweren Investprogrammes fließen direkt und indirekt in den Umweltschutz - effizientere Fahrzeuge, Antriebe und Technologien sowie in die umweltschonende Produktion in unseren Werken", sagte VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem.

Zudem werde Volkswagen im Jahr 2015 den CO2-Ausstoß der eigenen Flotte unter 120 Gramm je Kilometer drücken. "Jede neue Modellgeneration wird im Schnitt um 10 bis 15 Prozent effizienter als der Vorgänger", so Grühsem. Die aktuelle Aktion kommentierte der Kommunikationschef eher launig. "Wir hoffen, Greenpeace hatte eine schöne Aussicht auf Wolfsburg." Da beide Parteien Dialogbereitschaft zeigen, steht einem Treffen ein paar Stockwerke tiefer also eigentlich nichts im Wege.