Dudenhöffer wirft VW «Scheinheiligkeit» vor

Kritik an Rabatt-Studien

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer © dpa

Der Autohändler Burkhard Weller hat die Rabattstudien von Ferdinand Dudenhöffer kritisiert und dem Wissenschaftler vorgeworfen, Unwahrheiten zu behaupten. Der VW-Konzern hat sich der Kritik angeschlossen.

Von Frank Mertens

Burkhard Weller gehört zu Deutschlands größten Mehrmarken-Händlern. Nun hat der Unternehmer in einem offenen Brief den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer für dessen monatlich erscheinende Rabattstudien kritisiert. Darin listet Dudenhöffer, der an der Universität Duisburg-Essen das Center Automotive Research (CAR) leitet, neben am Markt erhältlichen Rabatten für Neuwagen auch taktische Zulassungen der Hersteller auf.

Der VW-Konzern hat am Mittwoch den Vorstoß von Weller begrüßt und dessen offenen Brief gleich über den eigenen Presseverteiler versendet. Dudenhöffer selbst wies die Behauptungen Wellers am Mittwochabend in einer schriftlichen Stellungnahme zurück.

«Branche wird massiv geschädigt»

In seinen offenen Brief an Dudenhöffers schreibt Weller, dass dessen Rabattschleuderei ein Ausmaß erreicht hätte, «welches die Branche massiv schädigt, weil sie Unwahrheiten verbreiten.» Wie Weller ausführt, würde er Dudenhöffers "Rabattauswüchsen nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, wenn nicht der Verbraucher davon massiv getäuscht würde und mit diesen Erwartungen im Handel beim Verkäufer auftaucht."

Die Folge daraus sei, dass der Kunde enttäuscht würde und «sich bei erster Händlernachfrage zurück zieht und schlimmsten Falls den Kauf eines Neuwagens verschiebt, somit würden Sie also auch noch einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten.» Europas größter Autobauer VW «schließt sich dieser Kritik voll und ganz an. Volkswagen wird die Untersuchungsergebnisse von Herrn Dudenhöffer weiterhin sehr genau beobachten und hinterfragen», heißt es in der Mitteilung des Konzern.

«Behauptungen sind nachweislich falsch»

Das Heck des VW Golf VII
Der VW Golf VII VW

Die Reaktion von Dudenhöffer darauf folgte am Mittwochabend prompt. «Die Behauptungen von Herrn Weller sind nachweisbar falsch. Damit sind auch die aus seiner Aussage abgeleiteten Implikationen falsch», stellte der Wissenschaftler fest und fügte hinzu: «Da VW die tatsächlichen Sachzusammenhänge kennt, überrascht es, dass sich der VW-Konzern zu diesen falschen Behauptungen einschließlich der abgeleiteten Folgen bekennt.»

Zurückgewiesen wurde von Dudenhöffer auch der Vorwurf, dass seine Rabattangaben beispielsweise zum neuen VW Golf VII falsch seien. «Nachweislich wurde der VW Golf VII bei Internetvermittlern bis zum 26. September mit Prämien bis zu 27,5 Prozent Rabatt angeboten.» Dies sei möglich gewesen, «da VW zu dieser Zeit eine Art Auftragsgewinnungsprämie sowie eine Prämie für Führerscheinneulinge ausgelobt hatte.»

Kumuliert sei dadurch ein Rabatt von bis zu 27,5 Prozent für ein Fahrzeug zu erzielen gewesen, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Handel gewesen sei. «VW hat also in großem Maße auf den Verkauf des neuen Golfs mit nicht unerheblichen Prämien Einfluss genommen», stellte Dudenhöffer fest.

Vorwurf der Scheinheiligkeit

Er verweist zudem darauf, dass noch im September große Händlerorganisationen den Golf VI in Tageszulassungen bis zu 33 Prozent in Zeitungsanzeigen beworben hätten. So etwas sei indes nicht mit den normalen Händlermargen möglich, «sondern wird nur durch ein großes Prämienprogramm von VW an die Händler umsetzbar.»

Dudenhöffer erachtet die von Weller geäußerte Kritik und das darauf beruhende Statement von VW als «skurril. Offensichtlich will derjenige, der den Rabattwettbewerb mit hohen Händlerprämien anschürt, sich bei demjenigen darüber beklagen, der dieses Verhalten mit objektiv nachzuvollziehenden Marktdaten wissenschaftlich analysiert. Umgangssprachlich könnte man von Scheinheiligkeit sprechen.»

Wer sich an diesem Donnerstag beispielsweise bei den Internetvermittlern nach einem VW Golf VII umschaut, findet dort beispielsweise bei carneoo.de einen Rabatt von bis zu 20,71 Prozent. Bei autohaus24.de beläuft er sich auf bis zu 19,91 Prozent und bei meinauto.de sind bis zu 17,7 Prozent zu erzielen.