Fragen an den Autopapst im September 2010

Andreas Kessler © Foto: privat

Sie haben Probleme mit Ihrem Auto? Kein Problem! Autopapst Andreas Kessler findet in der Autogazette für Sie Lösungen. Ihre Fragen aus dem September 2010.

Frage von Nicole:

Ich fahre einen Citroen Saxo und höre bei Rechtskurven ein lautes Geräusch. Ich denke, dass es die Achse ist. Sollte ich die Achse reparieren lassen bzw. liegt es an der Achse oder an der Achsaufhängung? Was ist ihr Rat?

Autopapst Andreas Kessler antwortet:

Hallo Nicole, die Achse besteht aus sehr vielen Einzelteilen, von denen einige bevorzugt während der Fahrt (falls sie defekt sind....) Geräusche machen. Andere sind hingegen auch im Zustand völliger Auflösung wenigstens akustisch unauffällig. Ich tippe bei den Geräuschen auf ein rumpelndes Knacken, was am ehesten dem Gleichlaufgelenk der Antriebswelle zuzuschreiben ist. Eine Antriebswelle für den Saxo kostet (im Zubehör) etwa 200 Euro, der Einbau dauert etwa eine Stunde. Vor der Beauftragung einer Werkstatt würde ich aber mit einem Kundendienstmitarbeiter eine Runde fahren, damit die Diagnose etwas belastbarer ausfällt (als meine Vermutungen).

Frage von Tobias Weirowski:

Guten Tag. Ich habe einen Mitsubishi Colt, Baujahr 1992. Dieser springt trotz neuer Batterie teilweise nicht an. Der Anlasser gibt dann keinen Ton von sich, aber er läuft zu 60 Prozent an. Die Lima scheint auch okay zu
sein. Während der Fahrt gibt es keine Probleme. Vielen Dank im Voraus, Lg. Tobi


Autopapst Andreas Kessler antwortet:

Hi Tobi, wenn die Batterie voll ist, ist sie offenbar o.k. Das selbe gilt für die Lichtmaschine, weil sonst die Batterie eben nicht voll wäre. Wenn trotz voller Batterie der Anlasser nicht oder nicht immer einspurt, wenn man den Zündschlüssel dreht, ist entweder das Zünd-Anlassschloss oder der Magnetschalter defekt. Wenn regelmäßig zwar das typische „Klack“ des Magnetschalters zu hören ist, der Anlasser aber nicht dreht, könnte es der Anlasser selbst sein, der das Problem verursacht. Die zur Diagnose nötigen Tests macht jeder Autoelektriker für einen Obolus in die
Kaffeekasse. Die Ersatzteile sind dann schon etwas teurer und der Einbau könnte mehr kosten, als der Wagen noch Wert ist.

Frage von Ingrid Stakemeier:

Sehr geehrter Herr Keßler, habe einen Seat Altea, Diesel, K77/4000, 1896 Hubraum, EZ März 2005. Bei einem Warmstart muss ich 10 Sekunden "orgeln", bis er anspringt. Kaltstart funktioniert reibungslos. Batterie und Temperaturschalter wurde bereits ersetzt, keine Besserung, jetzt soll der Impulsgeber am Schwungrad erneuert werden. Kann das die Ursache sein? Danke für ihre Antwort. Frd. Grüße Stakemeier

Autopapst Andreas Kessler antwortet:

Liebe Frau Stakemeier, der Impulsgeber arbeitet temperaturunabhängig, an den glaube ich als Problemursache nicht. Was ich eher vermute, sind die Injektoren (früher: Einspritzdüsen!). Wenn der Wagen um die 150.000 km
auf der Uhr hat, könnten die PD-Elemente nämlich „kleckern“ und dadurch den Brennraum mit unverbranntem Kraftstoff füllen, wenn der Motor abgestellt wird. Im kalten Zustand stört das nicht (mehr), beim Neustart nach kurzer Pause ist der Motor dann „versoffen“. Raucht er stark, wenn er nach dem Orgeln schließlich anspringt? Wenn ja, liege ich wahrscheinlich richtig....

Frage von Andreas Stövesand:

Hallo Herr Keßler, ich habe einen VW T42,4 Saugdiesel, Baujahr 1996, 78 PS. Seit längerem stelle ich einen Kühlwasserverlust fest, wenn die Heizung an ist. Die Entlüftungsschraube am Schlauch zum Wärmetauscher ist dicht und sonst ist nichts zu sehen. Der Verlust ist so gering, dass das Wasser immer vollständig verdunstet und auch bei Einsicht von oben in den Motorraum keine Rückstände zu sehen sind. Wo könnte das Leck liegen?
Schon mal vielen Dank für die Antwort


Autopapst Andreas Kessler antwortet:

Wenn der Kühlwasserverlust nur beim Betrieb der Heizung auftritt, rückt
der Wärmetauscher der Heizung in den Focus aller Überlegungen! Bei
älteren Autos korrodiert oder vibriert der gerne mal durch und wird dann
inkontinent. Diese Vermutung ist umso wahrscheinlicher, wenn die Scheiben
des Autos an kälteren Tagen hartnäckig beschlagen. Der Wechsel des
Wärmetauschers ist eine unangenehme und daher leider kostenintensive
Sache.....

Frage von Frank Drewello:

Hallo, ich fahre einen W124 (E200, 136PS), Benziner, Bj. 3/95, der 190.000 km runter hat. Seit ca. vier Wochen geht der Wagen regelmäßig nach ca. 20 km Fahrt durch die Stadt aus und nicht wieder an. Am nächsten Tag, wenn der Motor kalt ist, springt er ohne Probleme wieder an. Seit zehn Tagen steht der Wagen bei Mercedes und diese finden keinen Fehler. Auch nach Probefahrten und Auslesen am Computer ist nichts zu finden. Kann es an meinem Gewicht (145 kg) liegen? Keiner kann mir helfen und es wird ja immer teurer. MfG Frank Drewello

Autopapst Andreas Kessler antwortet:

Lieber Frank, Ihr Gewicht belastet vielleicht das Sitzpolster des Fahrersitzes, dem Motor ist das ziemlich schnuppe..... Die Ursache dürfte ein Altersgebrechen der W124 mit dem M111-Motor sein: Der Motorkabelbaum! Er ist bei diesen Modellen etwas ungünstig und zu nah am Motor verlegt und versprödet mit der Zeit. Eindringendes Wasser sorgt für Korrosion und Kriechströme, die zu den merkwürdigsten Problemen führen. Der Motorkabelbaum ist als Ersatzteil bei Mercedes erhältlich. Der Preis dafür und für den Einbau wird Ihnen aber Tränen in die Augen treiben.....

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.