VW-Chef muss sich zukünftig mit 10 Millionen Euro begnügen

Gehaltsobergrenzen für Topmanager

Der VW-Vorstandschef Matthias Müller nach der Sitzung des Aufsichtsrates. © dpa

Der VW-Aufsichtsrat hat Obergrenzen für seine Topmanager beschlossen. Danach soll der Vorstandschef maximal zehn Millionen Euro verdienen, die Vorstände maximal 5,5 Millionen. Dafür wird das Grundgehalt deutlich angehoben.

Volkswagen reagiert auf die massive Kritik an der Vergütung seiner Topmanager. So gilt nach einem Beschluss des VW-Aufsichtsrats von diesem Freitag nach dem Abgasskandal künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Danach verdient der Vorstandschef künftig höchstens 10 Millionen Euro im Jahr, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro.

Diese Maximal-Einkommen könnten aber nur bei einer «herausragenden Unternehmensentwicklung» erreicht werden, hieß es. Neben den Obergrenzen sieht das neue System vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden. Im Gegenzug wird das Fixgehalt um bis zu 30 Prozent auf 2,125 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und 1,35 Millionen Euro für die übrigen Vorstandsmitglieder angehoben.

Gehaltssystem gilt ab 2017

Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an. Hohe Managergehälter bei Volkswagen hatten für viel Kritik gesorgt. Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn kam 2011 auf ein Einkommen von rund 17,5 Millionen Euro. Dies lag vor allem an hohen Bonuszahlungen angesichts von hohen Gewinnen. Auch hohe Bonuszahlungen im vergangenen Jahr, trotz Abgasskandal, hatten Empörung ausgelöst. VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte laut Mitteilung, der Vorstand stehe voll und ganz zur «Modernisierung» des Vergütungssystems und habe einer Modifikation der laufenden Verträge zugestimmt.

„Das neue Vergütungssystem orientiert sich an im DAX üblichen Systemen zur Vorstandsvergütung und erfüllt alle Anforderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex", erklärte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.
Hohe Managergehälter hatten zuletzt auch die politische Debatte neu entfacht. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte der dpa gesagt, es sei eine Frage der Gerechtigkeit, dass die Politik gegen ausufernde Gehälter und Pensionen von Top-Managern vorgehe. Die SPD will den Spielraum der Unternehmen künftig einengen und den Steuerbonus bei hohen Managergehältern per Gesetz begrenzen. Aktionärsvertreter hatten sich für eine Obergrenze von zehn Millionen Euro im Jahr bei den Managergehältern ausgesprochen. ür Kritik hatte auch eine hohe Abfindung bei Volkswagen für Ex-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt gesorgt. Die 66-Jährige bekam nach nur 13 Monaten im Amt eine Abfindung von rund 12 Millionen Euro.

Der weltgrößte Autohersteller Volkswagen hatte bereits 2016 angekündigt, sein Vergütungssystem für Führungskräfte ändern zu wollen. Die Initiative für eine Reform hatten das Land Niedersachsen und der Betriebsrat ergriffen, wie zu hören war. Das Land ist VW-Großaktionär und mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten. Die Gewerkschaft IG Metall will nun in allen Unternehmen eine Obergrenze für Vorstandsgehälter fordern. Dies sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, Mitglied im VW-Aufsichtsrat, dem «Spiegel».

Gewinn von 5,1 Milliarden Euro

Die Folgen der Abgas-Manipulationen belasten Volkswagen unterdessen weiter. Dennoch fuhr der Konzern im vergangenen Jahr vor allem wegen seiner Stärke in China unterm Strich einen Gewinn von 5,1 Milliarden Euro ein, nach einem Rekordverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro zuvor. «Die Zahlen zeigen: Volkswagen ist sehr robust aufgestellt, operativ und finanziell», sagte Vorstandschef Matthias Müller.

Um Sonderkosten vor allem für die Rechtsstreitigkeiten rund um die Diesel-Affäre bereinigt konnte VW ein Rekord beim operativen Ergebnis von 14,6 Milliarden Euro verzeichnen, 14 Prozent mehr als vergangenes Jahr. Grundlage dafür ist ein Absatzplus vor allem wegen der Stärke von VW in China und das erfolgreiche Abschneiden profitabler Tochtermarken wie Audi. Der Konzernumsatz stieg 2016 um knapp 2 Prozent auf 217,3 Milliarden Euro. Dennoch trübt die Dieselaffäre um manipulierte Abgastests von Millionen Dieselautos weiter die Bilanz der Wolfsburger. Auch zum Jahresende belasteten die Sonderkosten für Rechtsstreitigkeiten in Nordamerika die Bilanz mit mehreren Milliarden Euro, auf Jahressicht kostete das Dieseldesaster noch einmal 6,4 Milliarden Euro. Insgesamt hat VW für den Skandal bisher mehr als 22 Milliarden Euro zurückgestellt. (AG/dpa)