VW-Chef Diess für Ende der Technologieoffenheit

VW-Chef Herbert Diess. © dpa

Bislang hat sich die Autobranche für eine Technologieoffenheit ausgesprochen. Doch für VW-Chef Herbert Diess ist diese Haltung überholt.

Wie Diess in einem Beitrag auf dem Business-Netzwerk Linkedin am Samstag schrieb, sei Technologieoffenheit immer das Credo der deutschen Autoindustrie gewesen. „Benziner und Diesel, CNG und Hybride, E-Autos, Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe: Im Prinzip hat jeder alles gemacht, meist parallel. Die industriepolitische Festlegung auf eine Leittechnologie wurde abgelehnt, auch von Volkswagen“, schrieb Diess. Doch „diese Haltung ist von gestern“, fügte der VW-Chef hinzu.


Deshalb warb Diess für die Elektromobilität. „Um die Erderwärmung zu stoppen, führt kein Weg an den Pariser Klimazielen vorbei. Dazu muss das Auto schnellstmöglich sauberer und spätestens bis 2050 CO2-frei werden. Die E-Mobilität ist die einzige Technologie mit der das aus heutiger Sicht machbar ist“, so Diess. In der Politik und den Verbänden dürfe „nicht länger so getan werden, als gebe es gleichwertige Alternativen“, so der VW-Chef, der damit zugleich auch den Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisierte.

ZF: Es wird nicht nur eine Lösung geben

Braucht es eine Festlegung auf die Elektromobilität als Leittechnologie?

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Der Chef des Zulieferers ZF, Wolf-Henning Scheider, hatte die zu starke Konzentration der Wolfsburger auf die Elektromobilität kritisiert. „Man darf nicht die Strategie eines einzelnen Unternehmens mit der gesamten Branche gleichsetzen“, sagte Scheider dem Tagesspiegel. Für Scheider werde es am Ende nicht nur eine technische Lösung geben. So arbeitet ZF beispielsweise an einem so genannten Volks-Hybriden mit einer Reichweite von 80 bis 100 Kilometern sagte Scheider und wiederholte damit seine Aussagen von der CES Anfang Januar.

Die Autobranche setzt derzeit neben der reinen E-Mobilität vor allem auf Plug-in-Hybride, die Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe. VW hat unterdessen seine Strategie gänzlich auf die E-Mobilität ausgerichtet und ließ in der Vorwoche wissen, dass man bis 2028 70 E-Autos auf den Markt bringen wolle. Das sind 20 mehr als geplant. Auch die Zahl der zu produzierenden E-Autos in den kommenden Jahren wurde von 15 auf 22 Millionen erhöht.

„Der Systemwechsel zur emissionsfreien Mobilität startet nicht in fünf oder zehn Jahren, sondern jetzt. Wir können es uns schlicht nicht leisten, mehrgleisig zu fahren“, schrieb Diess auf Linkedin. Deshalb sei es erforderlich, dass „Politik, Unternehmen und Gesellschaft ihre Kraft und Mittel auf eine Leittechnologie für die Zukunft fokussieren“. Diess forderte einen Masterplan Elektromobilität, um so schnell die kritische Masse an bezahlbaren E-Autos zu schaffen.

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