Umweltverbände kritisieren geplante CO2-Ziele

Protest vor dem Kanzleramt

CO2-Protest der Umweltverbände vor dem Kanzleramt
Unterschiedliche Meinungen gibt es beim CO2-Grenzwert. © VCD

Mehrere Umweltschutzverbände haben vor dem Bundeskanzleramt gegen eine Verwässerung der geplanten CO2-Grenzwerte protestiert. Dabei wurde VW als Vorbild gegen die so genannten Supercredits genannt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Greenpeace, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Verkehrsclub VCD haben am Mittwoch gegen die so genannten Supercredits protestiert. "Erneut spielt die Bundesregierung den Anwalt der Autoindustrie. Anstatt sich für ambitionierte Klimaschutzvorgaben einzusetzen, fordert sie Erleichterungen, die vor allem den Herstellern großer, schwerer Premiumfahrzeuge nutzen. Mit simplen Rechentricks sollen sich Hersteller ihre CO2-Bilanzen schönrechnen können – zulasten der Umwelt und der Verbraucher", sagte Gerd Lottsiepen, der verkehrspolitische Sprecher des VCD, bei der gemeinsamen Aktion "Spritverbrauch nicht schönrechnen!" vor dem Bundeskanzleramt.

VW als vorbildhaftes Beispiel

Der Protest richtet sich gegen das von der Bundesregierung vorgeschlagene Bonussystem für Elektroautos und Plugin-Hybride. Diese Fahrzeuge sollen beim Flottenverbrauch der Hersteller mehrfach gezählt werden, damit der Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer – umgerechnet 3,6 Liter Diesel oder vier Liter Benzin, erreicht werden kann. In der kommenden Woche will der Umweltausschuss des Europaparlaments in Brüssel über die Ziele verhandeln.

Laut den Umweltverbänden ist die Hinzuziehung der Supercredits gar nicht nötig. "Beispielhaft ist VW. Der Konzern hat kürzlich öffentlich bekannt gegeben, dass er keine Supercredits benötigt, um das 95-Gramm-Ziel einzuhalten", sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck, "VW vertraut auf die Fähigkeiten seiner Ingenieure, den Verbrauch von Benzinern und Dieseln weiter zu optimieren. Wenn Europas größter Autohersteller das kann, ist es unverständlich, warum die Politik mit ihrer Forderung dahinter zurückfällt."

Dagegen hält Thomas Weber Supercredits für unabdingbar, um die CO2-Ziele zu schaffen, wie der Daimler-Entwicklungsvorstand im Interview mit der Autogazette betonte.

Umweltverbände kritisieren Modellpolitik der Hersteller

Die Verbände kritisieren, dass die meisten Hersteller immer noch auf schwere Pkw setzen, mit denen am meisten Geld verdient werden kann. So steigt der Marktanteil im Segment der SUV, die allerdings auch schon auf sparsamer getrimmt wurden, weiter steig an.

Mit den Supercredits müssten die Hersteller die anvisierten Ziele statt 2020 erst 2023 erfüllen. "Supercredits sind ein elegantes Mittel, um die deutlich höheren Emissionen dieser Fahrzeuge auszugleichen und um sie weiter verkaufen zu können. Absurd ist, dass dies unter dem Deckmantel der Förderung der Elektromobilität geschieht", so Jens Hilgenberg vom BUND. (AG)