VW Nutzfahrzeuge bietet e-Caddy und e-Caravelle von Abt

Der VW Caddy kommt Mitte 2019 als Elektrovariante von Abt. © VW

Angesichts strenger CO2-Grenzwerte stehen gerade die Hersteller in der Nutzfahrzeugbranche unter Druck. Bei der Elektrifizierung von Caddy und Co. setzt VW auf eine Lösung von Abt. 

Die Nutzfahrzeugsparte von VW (VWN) hat mit ihren vier Baureihen Caddy, Transporter, Amarok und Crafter alle Hände voll zu tun, sich wettbewerbsstark für das kommende Jahrzehnt aufzustellen.


Darüber täuschen auch die momentanen Rekordabsätze nicht hinweg. Bestseller bleibt die T6-Baureihe. Das Modell rangierte im August in Deutschland trotz seiner hohen Preise auf Platz 14 bei den Neuzulassungen, lässt beispielsweise den VW Touran (20) weit hinter sich. Vergangenes Jahr konnte VWN weltweit knapp eine halbe Million Fahrzeuge absetzen. 2018 dürfte man diese Marke noch übertreffen. Schon zur Halbzeit lagen die Verkäufe 4,8 Prozent höher.

CO2-Grenzwerte sorgen für Handlungsdruck

Die Uhr tickt, vor allem in Hinblick auf die CO2-Flottenemissionen. Der Caddy und bei der Transporter-Baureihe T6 die Modelle Caravelle, Multivan und California laufen in der Kategorie Pkw, fallen damit unter die 95-Gramm-Regel, die Ende 2020 verbindlich wird.
Diese Hürde wäre wohl nur mit einer massiven Elektrifizierung zu schaffen. Die aber ist derzeit nicht Sicht. Gern hätte der neue Vorstandschef Thomas Sedran, seit dem 1. September im Amt, die Kompetenz der Marke VW und seiner Elektro-Architektur MEB in Anspruch genommen. Das Klopfen an die Tür in Wolfsburg verlief negativ. Man sei zu sehr beschäftigt mit der ID-Baureihe und hätte keine Kapazitäten mehr frei, hieß es aus der Konzernzentrale.

Bislang vor allem Diesel im Einsatz

Unter fast allen leichten Nutzfahrzeugen von VW steckt ein Dieselmotor. Und dabei wird es die nächsten Jahre bleiben, wie Sedran kürzlich auf der IAA in Hannover betonte. „Wir setzen weiterhin auf den Diesel als Rückgrat der Logistik vieler Branchen.“

Wenn man schon das Elektrifizierungs-Know-how nicht im eigenen Haus bekommen kann, holt man es sich nun übergangsweise bei ABT. Mit dem Allgäuer Veredelungsbetrieb als strategischen Partner pflegt man eine lange Beziehung. Zudem ist ABT in der Formel E engagiert. Wie Volkswagen an diesem Freitag auf der Taximesse in Köln mitteilte, werden Mitte 2019 Kunden aus dem Taxigewerbe sowohl einen ABT e-Caddy als auch einen ABT e-Caravelle bekommen. Auch einen Transporter wird es als e-Varianter geben. Diese Elektrovarianten wird es dann auch für Privatkunden geben.

Die Batteriekapazitäten sind modular aufgebaut, ermöglichen Reichweiten zwischen 220 (beim e-Caddy) und aufgrund zweier unterschiedlicher Batteriegrößen bei der e-Caravelle zwischen 208 und 400 Kilometern. Im „Schnellladeverfahren kann das Fahrzeug bei 40 kW in 50 Minuten zu 80 Prozent geladen werden.

Voraussichtlich Ende 2021 könnte der ID Buzz Cargo die E-Fahrzeugpalette erweitern, als zeitgemäßer Transporter für den Stadtverkehr von morgen. Die Studie hierzu debütierte gerade auf der IAA in Hannover. Unterhalb des Buzz Cargo wäre noch Platz für einen E-Caddy, wie der Buzz basierend auf der MEB-Elektroplattform der ID-Modelle. Andere Hersteller sind da weiter. Beispielsweise Mercedes: die Schwaben bieten seit diesem Jahr den Vito als Elektrovariante an. Der Sprinter folgt im kommenden Jahr.

Kooperation mit Ford

Der VW I.D. Buzz Cargo. Foto: VW

Doch zuvor (2020) schicken die Hannoveraner im Segment der kleinen Kastenwagen und Familien-Vans die neue Generation des Caddy an den Start. Dieser bekommt die MQB-Architektur des Golf VIII. Auf gleicher Basis wird der Nachfolger des T6, logischerweise T7 genannt, stehen. Debüt könnte etwa 2022 sein. Allerdings kommen nur die Pkw-Varianten in den Genuss der modernen Plattform, die beim Fahrwerk über McPherson-Federbeine und Schräglenkerhinterachse verfügen und noch mehr Fahrkomfort bringen soll. Auf der gewerblichen Seite wird der T6 noch nahezu bis Mitte des nächsten Jahrzehnts in alter Struktur weitergebaut.

Dann dürfte wohl auch die in diesem Jahr verkündete Kooperation mit Ford erste Früchte tragen. Sie dient einzig dem Ziel, auf Nutzfahrzeugebene Entwicklungs- und Produktionskosten zu sparen. Sinnvoll wäre es wohl, sich eine neue Plattform zu teilen. Infrage käme eine gemeinsame Architektur, auf der Ford seinen Transit und VWN seinen nächsten Transporter stellen könnte. (AG/SP-X)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.