VW auch in China vor Gericht

Ermittlungen gegen Bosch

VW auch in China vor Gericht
Auch in China steht VW nun vor Gericht. © dpa

In China hat eine Umweltorganisation Klage gegen Volkswagen eingereicht. Wegen des Abgasskandals ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart nun auch gegen Bosch.

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos ist Volkswagen auch auf seinem größten Markt in China mit einer Zivilklage konfrontiert. Eine Umweltorganisation hat die Klage bei einem Gericht in Tianjin nahe Peking eingereicht. Die Stiftung für Artenschutz und grüne Entwicklung in Peking fordert eine Entschädigung in nicht genannter Höhe und eine Entschuldigung, weil der Konzern die Umwelt in China absichtlich geschädigt habe, berichtete ihr Vizegeneralsekretär, Ma Yong, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Peking.

1950 Autos betroffen

Das Zweite Mittlere Volksgericht in Tianjin habe den Fall angenommen, berichtete Ma Yong. «Wir sind ziemlich optimistisch über den Ausgang.» Eine VW-Sprecherin sagte auf Anfrage, Volkswagen schenke der Klage große Aufmerksamkeit, habe aber noch keine Schrift vom Gericht erhalten. Sobald eine technische Lösung für das Abgasproblem vorliege, werde das Unternehmen die Behörden und Kunden unterrichten.

Allerdings sind in China nach VW-Angaben nur 1950 importierten Autos betroffen, weil Dieselfahrzeuge im Reich der Mitte keine Rolle spielen und dort auch nicht produziert werden. Der Konzern hatte sich bereits im Oktober öffentlich entschuldigt und einen Rückruf der Fahrzeuge in Aussicht gestellt. In den ersten elf Monaten dieses Jahres hat die Volkswagengruppe in China mit 3,22 Millionen 3,6 Prozent weniger Autos im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verkauft.

Bosch im Visier der Ermittler

Auf dem Heimatmarkt ermittelt dagegen die Staatsanwaltschaft Stuttgart offenbar wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug gegen den Autozulieferer Bosch. Die Behörde überprüfe, ob die Firma mit Sitz im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft möglicherweise an Straftaten beteiligt war, die möglicherweise ein Automobilkonzern begangen habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Einen konkreten Tatvorwurf nannte sie nicht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Ende Oktober gegen Mitarbeiter des VW-Konzerns wegen des Verdachts auf Betrug.

Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart hat nun ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eröffnet. Die Ermittler sind dem Vernehmen nach wegen Medienberichten um manipulierte Software für VW-Autos tätig geworden. In den USA ist der Technikkonzern wegen angeblicher Komplizenschaft in dem Zusammenhang Ziel einer Sammelklage geworden.

Ein Bosch-Sprecher sagte, der Konzern arbeite grundsätzlich mit den Behörden zusammen. Zu dem Verfahren äußerte sich das Unternehmen nicht. In einer Stellungnahme vom 24. September hatte Bosch eine Verantwortung zurückgewiesen. Als Zulieferer stelle der Konzern Komponenten nach Anforderungen der Kunden bereit. Anwendung und Integration liege in der Verantwortung der Autobauer. Kurz zuvor hatte VW die Manipulation von Abgas-Messwerten durch eine spezielle Betrugs-Software nach Vorwürfen der US-Umweltbehörde EPA eingeräumt. (dpa)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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