KBA: Erhöhte Werte auch bei anderen Herstellern

Greenpeace kritisiert Dobrindt

Je nach Verbrennungsmotor wird mehr oder weniger Feinstaub ausgestoßen © dpa

Das Kraftfahrt-Bundesamt nimmt wegen möglicher Manipulationen mehr als 50 Fahrzeuge in- und ausländischer Hersteller unter die Lupe. Dabei gab es von Dritten Hinweise auf bestimmte Modelle.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) untersucht nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals durch VW seit Ende September über 50 Fahrzeuge auf Manipulationen, vor allem bei Stickoxiden. Neben den aktuellen Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns überprüft die Behörde bestimmte Modelle, die in der Zulassungsstatistik weit vorne liegen. Zudem hat das KBA Hinweise Dritter erhalten, „die durchaus ein Interesse an der Untersuchung bestimmter Modelle“ hervorriefen, wie KBA-Pressesprecher Stephan Immen auf Anfrage der Autogazette bestätigte. Namen wurden dabei nicht genannt, aber den Hinweisen sei „ein gewisser Stellenwert“ zuzuordnen, so Immen weiter.

Gespräche mit Herstellern stehen an

Die Prüfungen des Schadstoffausstoßes werden sowohl auf dem Rollenprüfstand als auch durch so genannte Portable Emissionsmesssysteme (PEMS) auf der Straße gemessen wird. Etwa zwei Drittel der Messungen wurden bereits durchgeführt, so das KBA. Dabei wurden bisher zum Teil erhöhte Stickoxidwerte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen festgestellt. Getestet wurde Modelle von Audi, Mercedes, BMW, Opel, Ford, Porsche, Smart und VW. Von den Importeuren wurden Modelle unter anderem von Alfa Romeo, Renault, Toyota, Land Rover, Mazda oder Volvo geprüft.

Allerdings könne die Behörde noch keine rechtlich belastbaren Ergebnisse nennen, da erst noch Gespräche mit den betroffenen Herstellern sowie den Genehmigungsbehörden anständen, um die ermittelten Daten zu evaluieren. Wie lange dieser Zeitraum andauern werde, konnte noch nicht gesagt werden.

Greenpeace erneuert Kritik an Dobrindt

Obwohl noch keine offiziellen Ergebnisse feststehen, ging der Energie-Experte von Greenpeace, Andree Böhling schon mal in die Offensive. „Nun ist offiziell, was viele seit Wochen vermuten: Wir haben es nicht mit einem VW-Skandal, sondern mit einem Branchenskandal zu tun. Die Chefs der Autokonzerne setzen mit legalisierten Schummeleien nicht nur ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel, sie sind mit zu schmutzigen Autos auch für Asthmafälle und andere Lungenerkrankungen verantwortlich."

Zugleich kritisierte Böhling erneut den Bundesverkehrsminister, der dafür Sorge tragen solle, dass Autos bestehende Grenzwerte einhalten. "Alexander Dobrindt ist nicht der Erfüllungsgehilfe der Autoindustrie, sondern muss die Interessen der Bevölkerung vertreten. Dabei aber hat Minister Dobrindt versagt, wie das KBA nun selbst belegt. Künftig muss eine unabhängige europäische Kontrollinstanz die Hersteller dazu zwingen, geltende Grenzwerte einzuhalten.“ (AG/TF)